Seit Monaten spricht die Regierung über Kürzungen im Rentensystem, nach der Sommerpause soll ein entsprechendes Gesetz beschlossen werden. Aktuelle Daten des Statistischen Bundesamts zeigen, dass bereits jetzt über die Hälfte der ostdeutschen Bevölkerung gefährdet ist, im Alter zu verarmen. Im Osten wie im Westen des Landes sind aber allen voran Frauen von Altersarmut betroffen.
Dem Statistischen Bundesamt zufolge liegt die Armutsgrenze aktuell bei 1446 Euro netto im Monat. Um in der Rente oberhalb dieser Grenze zu bleiben, muss man 45 Jahre lang ein Bruttogehalt von 3771 Euro pro Monat verdienen. Das ging aus einer Anfrage des Linken-Abgeordneten Dietmar Bartsch an das Bundessozialministerium und das Statistische Bundesamt hervor.
Aktuell verdienen 39 Prozent der Deutschen unter 3700 Euro brutto im Monat. Konzentriert man sich allein auf den ostdeutschen Bevölkerungsanteil, dann steigt der Anteil auf 54 Prozent. Fast 60 Prozent der ostdeutschen Bevölkerung verdienen weniger als 3900 Euro brutto im Monat. Im gesamten Bundesgebiet betrifft das auch schon 44 Prozent.
Ost und West: Frauen besonders von Altersarmut betroffen
Diese Statistik geht davon aus, dass der Lohn über 45 Jahre hinweg dasselbe Niveau beibehält. Dabei findet über den Lebensverlauf eine Fluktuation des Lohns statt. Besonders bei Frauen kommt es öfter zu einem starken Lohnrückgang, wenn sie Familien gründen oder Kinder gebären. Allgemein ist das Lohnniveau von Frauen nur etwa halb so groß wie das von Männern, was auch daran liegt, dass sie öfter in Teilzeit oder Minijobs beschäftigt sind. Besonders Mütter trifft das nochmal stärker. Sie verdienen im Schnitt sogar ungefähr 62 Prozent weniger und sind damit besonders stark von Altersarmut betroffen.
Altersarmut auf neuem Hoch – Rentnerinnen besonders betroffen
Die Linksfraktion hat darüber hinaus eine weitere Anfrage bei der Bundesregierung gestellt, deren Ergebnisse am Mittwoch in Berlin vorlagen. Demnach erhielten im vergangenen Jahr über 60 Prozent der pensionierten Frauen Altersbezüge unterhalb der Armutsgrenze. Selbst Rentnerinnen, die 45 Jahre lang arbeiteten und in die Rentenkassen einzahlten, sind davon in besonderem Maße betroffen.
Durch zusätzliche Einkünfte im Alter ist die tatsächliche Armutsgefährdung von Rentner:innen in Deutschland zwar geringer. Gleichzeitig sind immer mehr pensionierte Menschen auf Sozialleistungen wie Grundsicherung und Wohngeld angewiesen, und auch hier plant die Bundesregierung Gelder zu streichen.
Eine Statistik im Schatten der aktuellen Reformen
Trotz dieser dunklen Prognosen steht die Rentenreform in den Startlöchern, die die Lage der Arbeiter:innenklasse noch einmal mehr verschärfen wird. Vor wenigen Wochen verkündete die Rentenkommission ihre Pläne für eine geplante Reform.
Konkret soll es darum gehen, das Renteneintrittsalter immer weiter anzupassen. Die „Rente mit 63“ nach 45 Arbeitsjahren, die es bislang ermöglichte vor einem erreichten Alter von 67 Jahren in Rente zu gehen, soll abgeschafft werden. Außerdem sollen auch die Beiträge künftig steigen. Diese Neuerungen sind dabei jedoch nur die Spitze des Eisbergs.
Länger und mehr arbeiten: Schwarz-Rot will Rentenreform vollständig umsetzen
Die Bundesregierung hat bereits angekündigt, die Forderungen der Rentenkommission vollständig annehmen zu wollen. Merz kündigte an, dass man das Gesetz bis zum Jahresende im Bundestag verabschieden wolle.

