Im niedersächsischen Stade wurden sechs Mitarbeiter:innen einer Mutter-Kind-Einrichtung erschossen. Der mutmaßliche Täter befand sich in einem Sorgerechtsstreit mit der Mutter eines Kindes, das sich gemeinsam mit ihr in der Einrichtung aufhielt. Die Debatte um den Fall fokussierte sich erneut auf den Migrationshintergrund des Tatverdächtigen statt des patriarchalen Motivs.
Am Montag eröffnete ein Mann im niedersächsischen Stade das Feuer auf Mitarbeiter:innen im Kinder- und Jugendhaus Stade, einer Einrichtung für werdende Mütter und junge Frauen mit Kindern. Die Mutter und ihr gemeinsames Kind, ein drei Monate altes Mädchen, waren in der Einrichtung untergebracht.
Durch die Gewalttat, die wohl durch einen Sorgerechtsstreit motiviert war, riss der mutmaßliche Täter sechs Mitarbeiter:innen aus dem Leben. In der Debatte um den Fall wurde dabei des öfteren auf den türkischen Migrationshintergrund und eine vermeintliche Clanzugehörigkeit des Tatverdächtigen verwiesen.
Polizei bezeichnet Fall als „Familientragödie“
Die von der Polizei als „Familientragödie“ und von der niedersächsischen Innenministerin Daniela Behrens (SPD) als „singulären Fall“ bezeichnete Tat spielt sich allerdings nicht im luftleeren Raum ab. Beschäftigte in entsprechenden Jugendhilfeeinrichtungen „erleben immer wieder Entgleisungen und Übergriffe, die tief in den Dynamiken von häuslicher Gewalt und patriarchalem Kontrollwahn verwurzelt sind“, so die Vorsitzende der Bildungsgewerkschaft GEW, Doreen Siebernik.
Die Schüsse eines Mannes auf die Mitarbeiter:innen der Einrichtung, die zum Schutz einer Frau und ihres gemeinsamen Kindes besteht, reihen sich in die zunehmenden Fälle von patriarchaler Gewalt ein. Allein 2025 wurden dabei mindestens 360 Frauen aus patriarchalen Besitzansprüchen von Männern getötet. Erst kürzlich erreichte die Anzahl der Anrufe des Hilfetelefons gegen Gewalt an Frauen einen neuen Höchststand.
Anzahl der Anrufe des Hilfetelefons gegen Gewalt an Frauen erreicht neuen Höchststand
Rassistische Hetze durch die AfD
In den Medien und der öffentlichen Debatte wurde die türkische Abstammung des Tatverdächtigen diskutiert. Auch eine mutmaßliche Zugehörigkeit zum „Miri-Clan“ wird erwähnt, gefolgt von der polizeilichen Einordnung, dass keine Clanzugehörigkeit bekannt ist. Noch bevor einzelne Details bekannt gemacht worden sind, äußerte sich der AfD-Politiker Maximilian Krah auf X: „Deutschland ist bunt und vielfältig geworden – dank Merkel und ihren Epigonen. Nur die AfD wird es wieder heilen!“
Die öffentliche Debatte in den meisten Fällen von patriarchaler Gewalt und anderen Gewaltakten, wie im Dezember 2024 in Magdeburg, zeigt auf, dass die Migrationsgeschichte des Tatverdächtigen besonders in den Fokus der Diskussion gestellt wird. Gerade faschistische Parteien wie die AfD nutzen diese dann, um Narrative von „Messermännern“ und gewalttätigen Migranten zu schüren.

