Proteste bei VW gegen Werksschließungen und Stellenabbau

Im Zuge der Sparpläne des VW-Konzerns fand am Donnerstag eine Aufsichtsratssitzung statt. Zur Diskussion standen mögliche Werkschließungen sowie ein erheblicher Stellenabbau im sechsstelligen Bereich. IG Metall und der VW-Betriebsrat kündigten Widerstand gegen den Sparkurs an, während sich vor den Werkstoren Arbeiter:innen zum Protest zusammenschlossen.

Am Donnerstag trafen sich die Spitzen des Volkswagen-Konzerns zur Aufsichtsratssitzung. Im Rahmen der Sitzung sollte der Aufsichtsrat über das neue VW-Zielbild für 2030 informiert werden. Laut Konzernchef Oliver Blume sei das Ziel eine „umfassende Transformation“. Der Konzernvorstand arbeite „intensiv an einem Zukunftsplan für die Neuaufstellung des Unternehmens“.

Der Konzern strebt folglich eine starke Verschärfung des Sparkurses an. Durch den neuen Sparplan könnten weltweit bis zu 100.000 Stellen abgebaut werden. Dies umfasst doppelt so viele Stellen wie im vorherigen Plan – bisher stand der Abbau von 50.000 Stellen bis 2030 im Raum. Hinzu kommt die androhende Schließung von vier Werken in Deutschland, darunter Hannover, Emden, Zwickau und Neckarsulm.

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Der neue Sparplan bleibt nicht unbeantwortet

Bereits vor Beginn der Aufsichtsratssitzung versammelten sich VW-Kolleg:innen in Wolfsburg, um lautstarken Protest auf die Straße zu tragen. Mehrere hunderte Arbeiter:innen zogen vor das Vorstandshochhaus, wo die Sitzung abgehalten wurde. Am Standort in Emden zählte die IG Metall sogar 1.500 Streikende. Darüber hinaus fanden auch Aktionen in Neckarsulm, Braunschweig, Stuttgart, Hannover, Kassel, Chemnitz, Dresden, Zwickau, Leipzig, München, Nürnberg, Salzgitter und Osnabrück statt.

Laut IG Metall handelte es sich jedoch nicht um einen Arbeitskampf. So heißt es in der Mitteilung: „Es sind Informations- oder Protestveranstaltungen und keine Warnstreiks“. Die sogenannte Friedenspflicht gilt weiterhin bei VW, demnach seien zunächst keine Arbeitsniederlegungen geplant.

Die Proteste am Streiktag bezeichnete die IG-Metall-Chefin Christiane Benner jedoch als „ein klares Signal an den Vorstand: Nicht mit uns!“ Laut Benner werden sie die ständigen Angriffe auf die Rechte der Kolleg:innen nicht weiter ohne Gegenwehr hinnehmen.

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Fehlende Klarheit – auch nach der Sitzung

Zu möglichen Werkschließungen und Stellenabbau machte VW auch nach der Sitzung des Aufsichtsrats weiterhin keine konkreten Angaben. Der Konzernvorstand stellte dagegen dem Aufsichtsrat ein umfangreiches Maßnahmenpaket mit 12 Initiativen vor, außerdem das angekündigte Zielbild 2030, so der Konzern nach der Sitzung.

Als Antwort auf die Aufsichtsratssitzung reagierte Betriebsratschefin Daniela Cavallo mit scharfer Kritik. Sie forderte Blume auf, sich im Laufe des Freitags gegenüber der Belegschaft zu den Gerüchten über die angeblichen Vorstandspläne zu äußern und dazu unmissverständlich Stellung zu beziehen.

„Es reicht! Das Fass ist zum Überlaufen gekommen“, so Cavallo laut Betriebsratszeitung. „Der Umgang des Vorstands mit der Belegschaft ist an Respektlosigkeit nicht mehr zu überbieten. Oliver Blume steht jetzt in der Pflicht, diesen massiven Schaden wenigstens noch zu begrenzen.“

Auch das Land Niedersachen spricht sich gegen Werkschließungen aus. Niedersachsen ist aktuell mit 20 Prozent an dem Konzern beteiligt und stellt im Aufsichtsrat zwei Mitglieder. Der dem VW-Aufsichtsrat angehörige Ministerpräsident des Landes, Olaf Lies (SPD), bewertete die Sitzung als „sehr intensiv“. Ihm zufolge müsse nun an dem Vorstandspaket weitergearbeitet werden: „Da liegt noch eine harte und intensive Zeit vor uns.“

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Krise der Autoindustrie

Nicht nur VW steckt aktuell in einer schweren Krise. Der deutsche Autobauer Mercedes-Benz kündigte ebenfalls harte Sparmaßnahmen an. Dort soll künftig etwa die 35-Stunden-Woche wieder abgeschafft werden. Anschließend sollen die Mitarbeiter:innen in den Werken 40 Stunden pro Woche arbeiten – zum gleichen Gehalt.

Dagegen gingen am vergangenen Freitag nach Angaben der Gewerkschaften 33.000 Mitarbeiter:innen auf die Straße. „Wir lassen uns unsere Standards nicht kaputtsparen!“, kündigte die Industriegewerkschaft Metall an.

Auch der drittgrößte deutsche Automobilkonzern BMW steckt in der Krise. In dieser Woche vermeldete das Unternehmen einen Absatzrückgang um 4,9 Prozent. Wie auch bei VW und Mercedes-Benz wirkt sich das schwächelnde Geschäft auf dem asiatischen Markt auf die Umsatzzahlen aus. In China etwa ging der Absatz um ganze 30 Prozent zurück.

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