Rekordhitze, Niedrigwasser und heftige Unwetter: Die Folgen der Klimakrise sind längst auch in Deutschland spürbar. Wissenschaftler:innen warnen vor einer dramatischen Beschleunigung der Erderwärmung, doch Beschäftigte in Industrie und Bau spüren die Auswirkungen bereits heute am Arbeitsplatz.
Wissenschaftler:innen warnen, dass sich die globale Erwärmung derzeit so stark beschleunigt, dass sich die Erde bei einer Fortsetzung der aktuellen Entwicklung bis 2050 um rund 3 Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau erwärmen könnte. Bis zum Ende des Jahrhunderts sei unter ungünstigen Bedingungen sogar ein Temperaturanstieg von mehr als 5 Grad Celsius denkbar.
Ein solches Erwärmungsszenario hätte weitreichende Folgen: Dazu zählen häufigere und intensivere Hitzewellen, massive Ernteausfälle, zunehmende Wasserknappheit, der Verlust ganzer Ökosysteme sowie ein beschleunigter Anstieg der Meeresspiegel. Nach Einschätzung der Forscher:innen könnten diese Entwicklungen zu großflächigen Vertreibungen führen und das Leben von Milliarden Menschen beeinträchtigen, gar bedrohen. Viele der durch eine derart starke Erwärmung ausgelösten Veränderungen seien auf menschlichen Zeitskalen nicht mehr rückgängig zu machen.
Schon jetzt hat der Sommer gezeigt, dass auch Deutschland unter den Folgen des Klimawandels leidet: 41,3 Grad – das ist die höchste jemals in Deutschland aufgezeichnete Temperatur. Gemessen wurde diese am 26. Juni diesen Jahres in Saarbrücken.
Das Robert-Koch-Institut schätzt, dass die Rekordhitze Ende Juni 5.100 Menschen in Deutschland getötet haben könnte. Allerdings ist mit einer gewissen Dunkelziffer zu rechnen: Da diese Hitzetode in der Regel bei Menschen mit Vorerkrankungen auftreten, werden auf den Totenscheinen üblicherweise diese früheren Krankheiten als Todesursache angegeben.
Hitze macht nicht vor den Werkstoren halt
Die letzte Hitzewelle hat auch die Arbeiter:innen verschiedener Industrien stark belastet und den Unternehmen erhebliche Mehrkosten beschert. Bei Thyssenkrupp Steel arbeiten die Beschäftigen z.B. in unmittelbarer Nähe von Hochöfen, Kokereien und Walzwerken, wo ohnehin extreme Temperaturen herrschen. Steigt die Außentemperatur auf über 30 Grad, erhöht sich die körperliche Belastung in den Werkshallen zusätzlich.
Auch der Niedrigwasserstand im Rhein zwingt den Betrieb von Thyssenkrupp in Duisburg, seine Produktion herunter zu fahren. Der Stahlkonzern musste externe Frachter mieten, die auch bei Niedrigwasser den Rhein noch passieren können.
Der Rheinpegel ist am Donnerstag auf 85 Zentimeter gefallen, der zweitniedrigste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen. Zudem hat der Rhein derzeit eine Wassertemperatur von rund 24 Grad, Ende Juni waren es sogar 27 Grad Celsius. Diese Wassertemperatur ist für die meisten Fische zu warm.
Rekordhitze über Deutschland: Klimawandel treibt Europa an seine Grenzen
Hohe hitzebedingte Kosten in Industrie und Gesundheits- und Sozialwesen
Ebenso beim Baustoffkonzern Holcim sind die Auswirkungen der Hitzewelle deutlich spürbar: in seinen Werken und Steinbrüchen sind die Beschäftigten neben der intensiven Sonneneinstrahlung zusätzlich der Strahlungshitze aufgeheizter Felsen und Kiesflächen ausgesetzt.
Den Berechnungen des Wirtschaftsforschungsinstituts Prognos zufolge entstehen im verarbeitenden Gewerbe die höchsten hitzebedingten Kosten. Dahinter folgen das Gesundheits- und Sozialwesen mit rund 662 Millionen Euro Folgekosten pro Tag bei Temperaturen von mehr als 35 Grad, der Handel mit knapp 580 Millionen Euro sowie das Baugewerbe mit rund 460 Millionen Euro. Auch Energieversorger leiden erheblich unter der anhaltenden Hitze.
Stürme und Unwetter nehmen gleichermaßen zu
Auch wenn die heißen Junitage die meiste Aufmerksamkeit auf sich zogen, kam es in Deutschland in den letzten drei Wochen daneben zu starken Unwettern. Mitte Juli traf Starkregen die Stadt Hannover, wobei durch die zusätzlichen Notrufe zeitweise die Telefonleitungen überfordert waren und Hilfsbedürftige in langen Schlangen warten mussten.
Drei Tage später fand in Karlsruhe ein extremes Unwetter statt. Schäden entstanden in der badischen Großstadt vor allem durch umgestürzte Bäume, durch die eine Person getötet und zwei verletzt wurden. Die Häufung solcher Wetterphänomene gehört ebenfalls zu den Folgen des Klimawandels.

