Schwimmbadbesuche verteuern sich in diesem Sommer schneller als viele andere Ausgaben im Alltag. Gerade einkommensschwache Familien und Alleinerziehende können sich Freibad, Anfahrt und Ausrüstung ohnehin kaum leisten.
In diesem Sommer wurden bereits mehrmals Temperaturrekorde gebrochen. Viele Menschen suchen sich Abkühlung – unter anderem in Schwimmbädern. Doch die Eintrittspreise für das Freizeitvergnügen sind im Vergleich zum vergangenen Jahr deutlich gestiegen. Nach aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamts (Destatis) sind die Eintrittspreise für Schwimmbäder sogar stärker als die Inflation gestiegen. Für Frei- und Hallenbäder lag der durchschnittliche Preis 3,6 Prozent über dem Vorjahresniveau. Die allgemeine Teuerungsrate betrug im selben Zeitraum 2,3 Prozent.
Als konkrete Kostentreiber, die zu den Preiserhöhungen führen, werden immer wieder steigende Personalkosten, höhere Energiekosten, teurere Chemikalien für die Wasseraufbereitung sowie Sanierungs- und Instandhaltungskosten genannt. Wie stark sich das auswirken kann, zeigt ein Beispiel aus Schleswig-Holstein: In mindestens 16 von 40 angefragten Freibädern steigen die Preise zur Saison 2026 – die Spannweite reicht dabei von Anpassungen in Cent-Beträgen bis hin zu Steigerungen von bis zu 150 Prozent bei einzelnen Tarifen.
Kritik an dieser Entwicklung kommt unter anderem von der Linkspartei. „Es ist nicht okay, dass mit den Temperaturen auch die Schwimmbadpreise steigen“, sagte der Co-Vorsitzende Luigi Pantisano. „Es wird eh schon alles teurer. Bei Sommerhitze schwimmen gehen muss für jeden möglich sein“, so Pantisano.
Wie ernst die Lage durch die Hitze bereits ist, zeigen Zahlen des Robert-Koch-Instituts: Bis Ende Juni sind in Deutschland bereits 5.120 Menschen an den Folgen der extremen Hitze gestorben. Allein in der Woche vom 22. bis 28. Juni habe es 4.310 hitzebedingte Todesfälle gegeben. Ende Juli und Anfang August sind erneut Temperaturen von über 40 Grad möglich. Dazu kommen tropische Nächte, zunehmende Trockenheit und eine deutlich steigende Waldbrandgefahr.
Viele Schwimmbäder stehen vor der Schließung
Doch nicht nur die steigenden Preise stellen ein Problem dar. Je nachdem, wo in Deutschland man sich befindet, können die Entfernungen zum nächsten Frei- oder Naturbad sehr unterschiedlich ausfallen: Laut dem Deutschlandatlas beträgt der durchschnittliche Anfahrtsweg mit dem Auto zwölf Minuten. Doch besonders im ländlichen Raum kann es selbst mit dem Auto auch deutlich länger dauern – teilweise mehr als 20 Minuten.
Vor allem mobilitätseingeschränkte Menschen, Kinder und Jugendliche, sowie armutsgefährdete Familien haben dabei wenig Möglichkeiten, auf Alternativen auszuweichen. So muss jede vierte Familie aus finanziellen Gründen auf ein Auto verzichten.
Diese Situation wird sich wohl weiter verschärfen: Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Badewesen gibt es derzeit in Deutschland rund 2.800 Freibäder, 600 Naturbäder und noch knapp 2.800 reine Hallenbäder. Viele dieser Bäder kämpfen aktuell gegen ihre Schließung, vor allem ausgelöst durch die Finanznot von Kommunen und Gemeinden. Verschiedene Verbände hatten diesbezüglich in der Vergangenheit immer wieder Investitionen vom Bund gefordert.
Nach Angaben der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) ist die Hälfte der bestehenden Schwimmbäder sanierungsbedürftig. Schon im Juli 2025 hieß es, dass in den kommenden drei Jahren die Schließung von rund jedem siebten öffentlichen Bad drohe.
Armut schränkt Teilhabe ein
Für Menschen mit geringem Einkommen, vor allem für Familien, hat die Preissteigerung Konsequenzen: Ausflüge ins Freibad, aber auch andere Freizeitaktivitäten werden zunehmend unerschwinglich. Wenn der Eintritt teurer wird, schränkt das die Teilhabe also gerade für diese Gruppen weiter ein. Wie groß das Ausmaß der Armut in Deutschland insgesamt ist, zeigen folgende Zahlen: 13,3 Millionen Menschen sind hierzulande von Armut betroffen, die Armutsquote liegt bei 16,1 Prozent – fast jedes fünfte Kind ist davon betroffen.
Ein Drittel der Alleinerziehenden lebt in Armut – Ministerium will Zuschüsse kürzen
Auch bei der Verteilung dieser Armut gibt es deutliche Unterschiede: Frauen sind stärker betroffen als Männer. Das Armutsrisiko in Haushalten von Alleinerziehenden ist mehr als viermal so hoch wie bei Paarhaushalten mit einem oder zwei Kindern. Nach wie vor handelt es sich bei den Alleinerziehenden mit einem Anteil von knapp 80,5 Prozent weit überwiegend um Frauen. Ebenso haben Kinder mit Migrationshintergrund im Vergleich zu Kindern ohne diesen ein um fast 9 Prozentpunkte höheres Armutsgefährdungsrisiko.
Diese Armut zeigt sich auch im Alltag ganz konkret: Millionen Menschen können sich unerwartete Ausgaben nicht leisten, sparen beim Heizen, Wasser und Strom oder leben in prekären Wohnsituationen mit zu wenig Privatsphäre oder Schimmel und müssen auf so etwas wie Internet verzichten. 4,6 Millionen Menschen leben inzwischen in erheblicher materieller Entbehrung.
Besonders deutlich wird die Unterversorgung an Kindern in armutsgefährdeten Haushalten, vor allem im Bereich Finanzen sowie bei der sozialen und kulturellen Teilhabe. Mehr als die Hälfte der armutsgefährdeten Haushalte kann aus finanziellen Gründen nicht sparen (53,4 Prozent), abgenutzte Möbel ersetzen (53,7 Prozent) oder eine Woche in Urlaub fahren (52,9 Prozent).
Immerhin ist laut Destatis-Zahlen die Schwimmausrüstung selbst zum Teil günstiger geworden – entlasten wird das die wenigsten Familien trotzdem nicht. Sonnenschirme sind zwar um 0,7 Prozent weniger teuer geworden, auch Sport- und Badekleidung für Frauen wurde um 1,1 Prozent billiger, die von Männern verringerte sich um 1,7 Prozent. Trotzdem gaben 22,5 Prozent der Familien an, aus finanziellen Gründen auf den Kauf neuer Kleidung verzichten zu müssen.
Lebensmittelpreise seit 2020 über 36 Prozent gestiegen: Grundbedürfnisse werden zum Verkaufsschlager
Was Freibäder für Kinder und Familien bedeuten
Für viele Familien sind Freibäder ein fester Bestandteil des Sommers – die steigenden Eintrittspreise werden, auch nach Einschätzung der DLRG, dazu führen, dass Besuche seltener werden oder eben ganz ausfallen. Gerade für Kinder sind Freibäder dabei eigentlich wichtige Orte: Hier können sie Erfahrungen im Wasser sammeln, ihre Freund:innen treffen und Bewegung, Motorik und Gemeinschaft erleben. Der fehlende Zugang zu diesen Angeboten ist zudem ein Faktor dafür, dass derzeit rund 60 Prozent der Kinder am Ende der Grundschule nicht sicher schwimmen können.
Viele Menschen weichen außerdem aufgrund der fehlenden Verfügbarkeit auf Badeseen oder Flüsse aus, um sich im Sommer abzukühlen. Dort gibt es oft jedoch keine Rettungsschwimmer:innen. Allein im Juni sind laut DLRG bundesweit mindestens 99 Menschen ertrunken – das war die höchste Zahl innerhalb eines Junis seit mehr als 20 Jahren.

