Syrische HTS-Regierung strebt Abkommen mit Israel an

Nach fast acht Jahrzehnten offiziellem Kriegszustand hofft Syriens Präsident al-Scharaa auf einen „Türöffner“ zum Frieden mit Israel. Erste diplomatische Treffen gab es bereits. Offen bleiben aber der Umgang mit den besetzten Golanhöhen und der Hisbollah im Libanon.

Noch länger im Krieg als die beiden Koreas sind die beiden Nachbarstaaten Syrien und Israel. Nun arbeitet Syrien nach Darstellung der Regierung von Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa aktiv an einer Sicherheitsvereinbarung mit Israel. An den Verhandlungen seien mehrere Länder beteiligt, so al-Scharaa am Sonntag in einem Interview mit dem katarischen Nachrichtensender Al Jazeera. Er hoffe, dass eine Vereinbarung mit Israel als „Türöffner“ für einen umfassenden Frieden dienen könne. Zugleich erklärte der Kopf des HTS-Regimes, dass ein solches Abkommen Syriens Anspruch auf die von Israel seit 1967 besetzten Golanhöhen nicht infrage stellen werde.

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Bereits seit 1948, dem Jahr der Staatsgründung Israels, befinden sich beide Länder offiziell im Kriegszustand miteinander. Nach dem Krieg um Palästina 1948/49 kämpften sie im Sechstagekrieg (Juni 1967) und im Jom-Kippur-Krieg (1973) gegeneinander. Israelische und syrische Truppen bekämpften sich zudem 1982 während des Libanonkriegs auf libanesischem Territorium.

Israelische Angriffe auf Syrien seit 2024

Nach dem Fall der syrischen Regierung von Baschar al-Assad im Dezember 2024 und der Machtübernahme durch die islamisch-fundamentalistische HTS-Miliz griff Israel das Nachbarland wieder mehrfach an: Bereits in den Tagen nach dem Machtwechsel flog Israel hunderte Luftangriffe auf Syrien und schickte seine Truppen danach in eine entmilitarisierte UN-Pufferzone auf den Golanhöhen. Ein Nahost-Analyst des US-Risikoanalyseunternehmens RANE bewertete die Angriffe damals als Versuch Israels, „eine informelle Pufferzone im Süden Syriens zu schaffen“.

Weitere israelische Angriffe erfolgten im Juli 2025 nach Massakern der HTS-Regierung unter anderem an der drusischen Minderheit in Syrien. Im Zuge dieser Angriffe bombardierte das israelische Militär auch Ziele in der syrischen Hauptstadt Damaskus. Im Juni 2026 stießen israelische Truppen dann in grenznahe Dörfer im Süden Syriens vor.

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Zwischen den Angriffen erzielten Israel und Syrien auch gewisse diplomatische Fortschritte: Im August 2025 trafen sich der israelische Minister für strategische Angelegenheiten, Ron Dermer, und Syriens Außenminister Asaad al-Schaibani in Paris im Beisein des US-Sonderbeauftragten für Syrien, Tom Barrack. Im Januar 2026 einigten sich beide Länder dann auf die Einrichtung eines Kommunikationskanals unter US-Aufsicht, um Geheimdienst-, Sicherheits- und Handelsfragen zu koordinieren sowie Streitigkeiten beizulegen und Missverständnisse zu vermeiden.

Trump: Syrien soll im Libanon eingreifen

Ahmed al-Sharaa erklärte nun, dass Syrien jegliche Zusammenstöße mit Israel vermeiden wolle und auch keinen Militäreinsatz im benachbarten Libanon vorbereite. Israel hatte im März 2026 eine Bodeninvasion in den Südlibanon gestartet und hält inzwischen etwa sechs Prozent der Fläche des Landes besetzt. Bis Mitte Juli wurden dabei nach Angaben des Hohen UN-Kommissars für Menschenrechte über 4.300 Menschen getötet.

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Israels Invasion im Libanon ist auch Gegenstand der Verhandlungen zwischen den USA und Iran. Vor diesem Hintergrund hatte US-Präsident Donald Trump im Juni vorgeschlagen, Israel solle es Syrien überlassen, „sich um die Hisbollah zu kümmern“. Dies wiederholte er auch in der vergangenen Woche im Beisein des libanesischen Präsidenten Joseph Aoun im Weißen Haus. US-Außenminister Marco Rubio fing die wiederholte Forderung jedoch später mit der Bemerkung ein, die „syrischen Behörden“ seien „keine großen Fans der Hisbollah, aber wir haben Syrien dazu ermutigt, sich auf seine eigenen innenpolitischen Herausforderungen beim Aufbau eines Nationalstaates zu konzentrieren“.

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