Die Hitzewelle im Juni sorgte bundesweit für neue Temperaturrekorde. Nach Schätzungen des RKI führte sie in Deutschland zu rund 5.000 vorzeitigen Todesfällen. Gleichzeitig werden im neuen Haushaltsplan die Ausgaben für Klimaschutz gekürzt.
Ende Juni gab es europaweit knapp zwei Wochen lang eine Hitzewelle bisher ungekannten Ausmaßes von extremen Temperaturen. So wurde am 28. Juni ein deutschlandweiter Höchstwert von 41,7 Grad in Coschen, im Osten Brandenburgs vom Deutschen Wetterdienst (DWD) gemessen. Nachts kühlte die Temperatur auch vielerorts kaum ab und blieb an einigen Orten bei 29 Grad.
Schon während der Hitzewelle gab es vielerorts Berichte von überfüllten Krankenhäusern, Gerichtsmedizininstituten, die mit den vielen Sterbefällen nicht hinterherkommen und einem kurzfristig eingerichteten Notfallzentrum mit Feldbetten in Köln. Das Robert-Koch-Institut (RKI) veröffentlichte in der vergangenen Woche einen ersten Bericht zu den Folgen der Hitzewelle und die dadurch verursachten Todesfälle. Dieser wird über den Sommer, also von Juni bis September, wöchentlich aktualisiert und liefert damit dauerhaft Zahlen.
Ältere besonders betroffen
Im Fokus des Berichts stehen die hitzebedingten erhöhten Sterbefälle in Deutschland. So sind bis zum Ende der Hitzewelle am 28. Juni geschätzt 5.120 Menschen hitzebedingt verstorben. In einigen Fällen führte die Hitzeeinwirkung direkt zum Tod, wie etwa bei Hitzschlägen. Bei den meisten Todesfällen jedoch führten die hohen Temperaturen im Zusammenspiel mit anderen Vorerkrankungen zum Tod.
Der größte Anteil der hitzebedingten Sterbefälle fällt auf die Altersgruppe über 75 Jahre. Schätzungsweise machen sie 83 Prozent der durch Hitze Verstorbenen aus (4.270 Fälle). Besonders betroffen davon waren Frauen (2.400 Fälle), was aber auch auf den hohen Frauenanteil in diesen Altersgruppen zurückgeführt werden kann.
Sterberate steigt um 30 Prozent
Die hitzebedingte Übersterblichkeit 2026 ist schon jetzt so hoch wie seit sechs Jahren nicht mehr. Im Hitzesommer 2018 wurde die Anzahl hitzebedingter Sterbefälle auf rund 8.000 im Jahr geschätzt, im darauffolgenden Jahr starben rund 7.000 Menschen im Zusammenhang mit hohen Temperaturen. In den Jahren 2020, 2022 und 2024 war die Zahl rückläufig und lag bei etwa 3.000 Toten. Mit über 5.000 ist die Sterberate für 2026 schon jetzt höher als in den Vorjahren. Durch weitere Hitzewellen in den Monaten Juli und August könnte sie einen neuen Allzeitrekord erreichen.
Das Statistische Bundesamt wertet wöchentlich die Gesamtzahl verstorbener Menschen in Deutschland aus. Im Vergleich zum Vorjahr lagen die Todeszahlen in der ersten Junihälfte noch knapp unter dem Vorjahr. Mit dem Beginn der Hitzewelle in der dritten Juniwoche stieg die Sterbefallrate jedoch massiv an. Sie lag laut Hochrechnungen in der letzten Juniwoche 30 Prozent über dem mittleren Wert der Vorjahre. Allein in dieser Woche starben demnach etwa 23.700 Menschen.
Tausende Tote europaweit
Auch in anderen europäischen Ländern brachte die Hitzewelle übermäßig viele Tode und teilweise auch Zerstörung mit sich. So berichtete die französische Gesundheitsministerin Stephanie Rist von 2.025 hitzebedingten Sterbefällen, mit einer erhöhten Sterberate bei Menschen ab 45 Jahren. Damit stieg die Sterberate in Frankreich in der Woche vom 22. Juni ebenfalls um 30 Prozent an.
Die Todeszahlen in Privatwohnungen stieg in der letzten Juniwoche um 91 Prozent im Vergleich zur vorherigen Woche. Das lässt sich vor allem durch alleinlebende, sorge- und pflegebedürftige Menschen erklären, welche keine oder nicht genug Hilfe bekamen.
El Niño verschärft die Klimakrise – und gefährdet weltweit Menschenleben
Das belgische Gesundheitsministerium schätze die Sterbefälle auf 1.200 Verstorbene zwischen dem 18. und 29. Juni. „Solch eine übermäßige Sterberate durch eine Hitzewelle ist erstmalig in unserem Land“, fügte das Ministerium hinzu. Auch die Niederlande verzeichneten rund 480 hitzebedingte Tode.
Der Juni 2026 war der heißeste, jemals gemessene Juni in Westeuropa. Der Klimawandeldienst des EU-Programms Copernicus in Bonn verzeichnete eine Durchschnittstemperatur von 20,74 Grad. Damit liegen die Temperaturen mehr als drei Grad höher als der Juni-Mittel von 1991 bis 2020. Der Monat war der zweitwärmste Juni weltweit.
„Deutschland ist nicht bereit!“
Besonders die Ausnahmesituation in der Stadt Köln zeigte, dass viele Institutionen in Deutschland aktuell schlecht auf extreme Hitze vorbereitet sind. Mehr als 150 Organisationen und Institutionen schlossen sich zu einem breiten Bündnis zusammen. Sowohl Expert:innen, Verter:innen aus dem Gesundheitswesen sowie Klimaschutzorganisationen traten an die Öffentlichkeit und appellierten, dass die Hitzewelle zeigte: Deutschland ist nicht bereit!
Die Organisationen betonten, dass Deutschland insbesondere nicht auf ein Szenario noch länger andauernder extremerer Hitze als im Juni vorbereitet sei. Danach wären zehntausende Tode innerhalb weniger Tage bei einem sogenannten „Hitzedom“ möglich. Ein Hitzedom entsteht, wenn eine besonders stark ausgeprägte Hochdruckzone in der Atmosphäre eine Kuppel bildet und diese Hitze einschließt.
Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer, warnte ebenfalls vor der Hitze als eine der größten gesundheitlichen Gefahren überhaupt. Dabei seien längere Hitzeperioden besonders für ältere, kranke und pflegebedürftige Menschen belastend, mahnte er.
Die Hitze bereitete auch der deutschen Infrastruktur große Probleme. Hauptverkehrsachsen wie die Autobahn A2 musste an mehreren Stellen voll gesperrt werden, weil der Asphalt aufplatzte. Die Deutsche Bahn rollte als Vorsichtsmaßnahme und wegen Problemen bei Klimaanlagen nicht alle Fern- und Regionalzüge aus und so blieben viele Reisende stecken.
Auch die Straßenbahnen mussten in mehreren Städten in den Betriebshöfen stehen bleiben. So etwa in Leipzig, wo geschmolzene Fugenmasse die Schienen und Weichen beschädigte und der Betrieb so nicht weitergeführt werden konnte. Auch Tage danach konnten die Bahnen erst Stück für Stück wieder fahren. „Der Asphalt ist nicht auf diese Temperaturen ausgerichtet“, so Mobilitätsforscher Andres Knie.
Haushaltsentwurf 2027: Fast jeder dritte Euro für Aufrüstung und Kürzungen bei Klima und Sozialem
Geld für Klimaschutz gekürzt
Neben der fehlenden Vorbereitung auf Hitzewellen stockt auch die staatliche Bekämpfung des Klimawandels in Deutschland. Im vergangene Woche vorgestellten Haushaltsentwurf für 2027 der Bundesregierung, werden die Ausgaben für Klimaschutz nicht erhöht. Stattdessen soll der Klima- und Transformationsfonds (KTF) sogar um zwei bis drei Milliarden Euro eingekürzt werden.
Außerdem wurde in der letzten Woche das Gebäudemodernisierungsgesetz der vergangenen Bundesregierung gekippt. Mit dem neuen Gesetz soll es nun wieder möglich sein, bei Neubau oder Sanierung von Häusern eine klimaschädliche Öl- oder Gasheizung einzubauen. Erst ab 2045 sollen sie dann klimaneutral betrieben werden. Zudem wird die staatliche Förderung von klimafreundlichen Wärmepumpen eingekürzt. Damit will die Bundesregierung zwei Milliarden Euro sparen.

