Heute wäre der kubanische Revolutionär Fidel Castro 100 Jahre alt geworden. Ein Anlass zurückzublicken auf eine Revolution, die sich trotz enormer Widerstände noch immer an ihren Errungenschaften festklammert. – Ein Kommentar von Eduard Dunker.
Geboren als Kind eines reichen Plantagenbesitzers fehlte es Castro in seiner Jugend an nichts. Er konnte die Schule besuchen und studierte Jura, auch wenn er – und das mit wesentlich mehr Leidenschaft – gleichzeitig als bürgerlicher Politiker aktiv war. Nach einem Militärputsch durch den General Fulgencio Batista 1952 radikalisierte sich Castro dann.
Die Diktatur unter Batista verwandelte die kleine Karibikinsel in eine gigantische Zuckerplantage und ein Vergnügungsviertel für reiche US-Amerikaner – eine Neokolonie. Der Großteil der Bevölkerung waren Analphabet:innen und besonders die Lage der Bäuer:innen und Kubaner:innen afrikanischer Herkunft war katastrophal.
Y en eso llegó Fidel – und dann kam Fidel
Das Lied „y en eso llego Fidel“ von dem kubanischen Musiker Carlos Puebla erzählt von der Zeit vor der kubanischen Revolution und ist eines der vielen Loblieder über Fidel Castro. Diese zeigen sehr greifbar den großen Rückhalt, den er in der Bevölkerung hatte, und das nicht ohne Grund.
Von den neokolonialen Verhältnissen angespornt führte Castro schon am 26. Juli 1955 einen Versuch an, einen Bürgerkrieg auszulösen und Batista zu verjagen an. So formte sich rund um den Versuch die Bewegung des 27. Juli – kurz M-26-7 – die später die Revolution mit organisieren würde.
Trotz des militärischen Scheiterns und einer darauffolgenden 2-jährigen Haft gab Castro nicht auf. Wenige Jahre später führte Castro eine Truppe von etwa 80 Revolutionär:innen an, die nach etwa einem Jahr Ausbildung in Mexiko nach Kuba zurückkehrte und dort den Guerillakrieg begannen. Dieser führte 1959 zum Erfolg der kubanischen Revolution.
Befreiung vom US-Imperialismus
Zwar ist es den Revolutionär:innen rund um Fidel Castro nicht gelungen, Kuba tatsächlich auf den Weg des Sozialismus zu führen. Stattdessen fand man sich schnell in einer Abhängigkeit von der revisionistischen Sowjetunion als Spielfigur im Kalten Krieg wieder. Trotzdem gelang es Castro und seiner Bande nicht nur Kuba vom Joch des US-Imperialismus zu befreien, sondern auch die Lage der Menschen in Kuba erheblich zu verbessern.
Unmittelbar nach der Revolution wurden viele der Probleme, die das Land hatte, von der Regierung rund um Fidel angegangen. Es wurde eine umfangreiche Agrarreform durchgeführt, durch die Bauern, die das Land ohnehin schon bestellten, dessen Besitzer:innen wurden. Es wurde eine Alphabetisierungskampagne durchgeführt und Fidel Castro konnte nach nur einem Jahr verkünden, Kuba sei das erste Land Lateinamerikas ohne Analphabetismus.
Ein weiterer Durchbruch konnte durch Reformen des Gesundheitssystems erreicht werden. Der gesamte Sektor wurde verstaatlicht und der ganzen Gesellschaft zur Verfügung gestellt, anstatt nur die reichsten Kubaner:innen zu versorgen. Zusätzlich investierte der Staat massiv in die Ausbildung von Ärzt:innen und schuf gezielt dabei auch Landärzt:innen. Bis heute sind Ärzt:innen eins der größten Exportprodukte Kubas. Regelmäßig werden diese auch in andere Länder geschickt, um dort zu helfen.
Kubas Revolution von 1959 bis heute: Über bedeutende Errungenschaften und existenzielle Bedrohungen
Invasion der Schweinebucht und Beginn des Embargo
Schon während des Bürgerkrieges setzten die USA vor allem durch geheimdienstliche Mittel alles daran, ihre Marionette Batista an der Macht zu halten und eine Revolution zu verhindern. Nachdem diese aber Erfolg hatte, organisierte die CIA eine Invasion auf die wenige Kilometer von Florida entfernte Insel.
In der Invasion in der Schweinebucht versuchten mehr als 1000 von den USA entsandte Exilkubaner:innen mit der Hilfe des US-Militärs die Insel zu stürmen. Die junge kubanische Armee war jedoch in der Lage, den Angriff abzuwehren. Fidel Castro führte die Abwehr des Angriffs persönlich an.
Nach dem Scheitern einer schnellen Unterwerfung Kubas wechselten die USA den Kurs. Statt einer militärischen Intervention verhängten die USA 1962 ein totales Handelsembargo. Die Blockade verhindert nahezu jeden Handel mit dem kleinen Karibikstaat. Unternehmen, die dennoch Handel betreiben, werden von der seit Jahrzehnten größten Volkswirtschaft der Welt abgeschnitten und von der Konkurrenz zerquetscht.
Kuba geht die Luft aus
Nach dem Zerfall der Sowjetunion hat sich die Lage für Kuba deutlich verschärft. Als einziger Handelspartner und Öllieferant blieb das befreundete Venezuela. Mit der Entführung Maduros Anfang des Jahres und der Unterordnung Venezuelas unter die Interessen der USA ist die letzte Rettungsleine gerissen.
US-Angriff auf Venezuela: Einigung mit der „Boli-Bourgeoisie“?
Die kleine Insel ist nicht nur von Wasser umgeben, sondern auch von Feinden und dessen Vasallen. Es ist Monate her, dass der letzte Öltanker die Insel versorgt hat. Täglich gibt es Stromausfälle, die in der Stadt bis zu 22 Stunden anhalten, auf dem Land teilweise noch länger. Die Konsequenzen sind weitläufig. Von nicht funktionierenden Kühlschränken und verschimmeltem Essen bis hin zu einem unter den Sanktionen zusammenbrechenden Gesundheits- und Bildungssystem. Die UN warnte bereits davor, dass Kuba zu einem „stillen Gaza“ werden könnte.
Als wäre der Druck damit noch nicht groß genug, drohte Trump bereits offen mit einer militärischen Intervention – Kuba sei als Nächstes dran. US-Außenminister Rubio skizzierte als einzigen Ausweg für Kuba, seine Wirtschaft für amerikanische Investoren zu öffnen, sich also freiwillig unter den Stiefel der USA zu begeben. Tatsächlich verabschiedete die kubanische Regierung erst kürzlich drastische marktwirtschaftliche Maßnahmen, die dem Wirtschaftsmodell Chinas und Vietnams ähneln.
Öffnung für ausländisches Kapital soll die Krise in Kuba lösen
In der Bevölkerung macht sich zusätzlich Unzufriedenheit mit der Regierung breit. Die Bevorzugung der Tourismusindustrie im Bauwesen vor den Nöten der Bevölkerung und zerfallender Häuser sowie die allgemeine wirtschaftlich desaströse Lage zerren an den Menschen.
Doch bei all der Unzufriedenheit überwiegt selbst unter den ärgsten Feinden der Regierung noch ein großer Hass auf die Feinde des Landes: „Ich bin gegen die Regierung. Aber wenn die Yankees kommen, werde ich wieder zu den Waffen greifen“, erklärt ein kubanischer Veteran in der Zeitschrift analyse & kritik. Nach 60 Jahren Blockade sind die Menschen auf Kuba noch immer nicht bereit, die Freiheit, die sie sich mit Fidel Castro erkämpft haben, aufzugeben.

