Im Juli 2026 waren erstmals seit April wieder über drei Millionen Menschen ohne Job – die Quote stieg auf 6,4 Prozent. Aussicht auf Besserung gibt es kaum: BMW, VW und Porsche streichen zehntausende Arbeitsplätze.
Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im Juli 2026 erstmals seit April wieder über die Marke von drei Millionen gestiegen. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) waren 3.007 Millionen Menschen ohne Job – 71.000 mehr als im Juni und 28.000 mehr (0,1 Prozent) als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote kletterte damit um 0,2 Punkte auf 6,4 Prozent.
Zwar steigt die Arbeitslosigkeit zu Beginn der Sommerferien traditionell an, doch fiel der Zuwachs in diesem Jahr nach Einschätzung von BA-Vorstand Daniel Terzenbach „relativ groß“ aus. Zu den saisonalen Effekten kommen andere Probleme wie hohe Energiepreise infolge des Iran-Kriegs hinzu, die zu steigenden Preisen insgesamt führen. Im Juli waren zudem nur 653.000 freie Arbeitsstellen bei der Bundesagentur gemeldet – also selbst, wenn alle Stellen besetzt werden würden, würden vier Fünftel der arbeitslosen Menschen weiterhin ohne Job dastehen.
Arbeitslosenquote steigt seit zwei Jahren wieder
Setzt man die aktuelle Quote von 6,4 Prozent in den längerfristigen Vergleich und guckt sich die letzten 15 Jahre an, zeigt sich eine deutliche Trendwende: Nach dem Höchststand von 7,9 Prozent im Jahr 2011 war die Arbeitslosenquote über Jahre hinweg kontinuierlich gesunken – auf 6,8 Prozent im Jahr 2016, 5,8 Prozent 2018 und schließlich 5,5 Prozent im Jahr 2019, dem niedrigsten Stand seit 1990.
Die Corona-Pandemie ließ die Quote 2020 auf 6,5 Prozent steigen, danach normalisierte sich der Arbeitsmarkt zunächst wieder etwas: 2022 lag der Jahresdurchschnitt bei 5,8 Prozent, im Mai jenes Jahres wurde mit 4,9 Prozent sogar ein mehrjähriges Tief erreicht. Seit 2023 dreht sich der Trend jedoch erneut – die Monatswerte kletterten von rund 5,5 Prozent auf zuletzt 6,4 Prozent, mit einem Zwischenhoch von 6,6 Prozent im Januar 2026. Der aktuelle Wert reiht sich damit ein in eine seit gut zwei Jahren anhaltende Aufwärtsbewegung und liegt so hoch wie schon länger nicht mehr.
Stellenabbau in der Autoindustrie
Bei 6,4 Prozent wird es allem Anschein nach auch nicht bleiben, denn in vielen Branchen stehen Stellenabbau und Werkschließungen auf der Tagesordnung – allen voran in der Autoindustrie. So gut wie alle großen Autohersteller haben die Streichung von Stellen angekündigt: BMW möchte bis Ende 2027 weltweit 8.000 Stellen streichen, vor allem in Verwaltung und Entwicklung am deutschen Standort. Bei Volkswagen sind sogar bis zu 100.000 Arbeitsplätze in der Diskussion, betroffen sind unter anderem die Werke Hannover, Emden, Zwickau und Audi Neckarsulm.
Der Stellenabbau trifft auch Beschäftigte von BMW und Porsche
Porsche wiederum baut in der Region Stuttgart rund 5.000 Stellen ab, zusammen mit bereits beschlossenen Kürzungen summiert sich der Abbau dort auf etwa 8.900 Arbeitsplätze – nach Unternehmensangaben ohne betriebsbedingte Kündigungen bis 2035.

