Bauen für Prestige und Profit: Berlin plant 95 neue Hochhäuser

In Berlin sollen 95 neue Hochhäuser gebaut werden. Während die Reichen durch Büroflächen und Luxuswohnungen profitieren, kämpfen die Berliner:innen mit fehlendem Wohnraum und absackenden U-Bahntunneln. – Ein Kommentar von Georg Möwe.

Berlin soll in die Höhe wachsen. So sehen es zumindest der städtische Bauplan und die Vision des amtierenden CDU-Bürgermeisters Kai Wegner vor. Dafür ist einiges geplant: Im gesamten Stadtgebiet sollen 95 neue Hochhäuser entstehen – die meisten davon am Alexanderplatz, in Lichtenberg und Charlottenburg-Wilmersdorf. Knapp ein Drittel der Gebäude soll über 60 Meter hoch werden, einige davon auch deutlich über 100 Meter.

Für Bürgermeister Wegner ein eigenes kleines Prestigevorhaben. Seit seiner Reise nach New York schwärmte er immer wieder von der markanten Skyline und beteuerte die Notwendigkeit einer solchen Skyline für Berlin. Mit den tatsächlichen Notwendigkeiten für die Berliner Gesellschaft hat das aber relativ wenig zu tun.

Bei den Plänen geht es nämlich weder Wegner noch den Investor:innen darum, die akuten Probleme der Berliner:innen anzugehen. Bereits im Jahr 2024 haben in Berlin rund 56.000 Wohnungen gefehlt und der Bedarf an bezahlbarem Wohnraum steigt immer weiter. Naheliegend wäre es dann ja, die neu entstehenden Bauten genau dafür zu nutzen. Das sehen die Investor:innen und Immobilienfirmen aber anders: Der Großteil der neuen Flächen soll für lukrative Büroflächen oder Luxuswohnungen genutzt werden – fast schon zynisch vor dem Hintergrund, dass in Berlin bereits jetzt rund zwei Millionen Quadratmeter Büroflächen leerstehen.

Luxuswohnungen statt Sozialbau

Gleichzeitig sind viele Stadtteile Berlins schon jetzt durch die Anzahl an Menschen überfordert. In Friedrichshain-Kreuzberg soll ein 167 Meter hohes Gebäude mit über 1.000 Wohnungen entstehen. Dabei mangelt es jetzt schon an Infrastruktur wie Kitas, Spielplätzen und Parks. Probleme, die nur verstärkt werden, wenn noch mehr Menschen in die Nachbarschaft gepresst werden.

Hinzu kommt, dass ein Großteil der Wohnungen als Luxuswohnungen vorgesehen sind. Wenn dann in den unteren Etagen auch Sozialwohnungen entstehen sollen, kann von kaum mehr als einem Alibi die Rede sein – ganz abgesehen davon, dass Sozialwohnungen nach deutschem Gesetz nicht lange solche bleiben müssen.

Jeder neunte Haushalt: Millionen Menschen leben in zu kleinen Wohnungen

Die Kasse klingelt, Berlin leidet

Als wäre es nicht schon schlimm genug, dass der Nutzungsplan komplett an den Bedürfnissen der Berliner:innen vorbei geht, bringt das Bauvorhaben noch potentiell schwerwiegendere Folgen mit sich: Wer in Berlin wohnt, kann sich in nächster Zeit auf noch mehr Baustellen, Dreck und Baulärm einstellen als zuvor schon. Dazu kommt, dass die Hochhäuser die bestehende Infrastruktur akut gefährden.

Seit Jahren ist bekannt, dass die U-Bahntunnel der U2 immer weiter absacken. Einerseits liegt das an 100 Jahre alten Bauplänen, die nicht mehr komplett nachvollziehbar sind, andererseits liefern die Verantwortlichen keine sicheren Nachweise, wie es um die Sicherheit der Tunnel steht. Zwar gibt es verschiedene Möglichkeiten wie z.B. die Injektion von Beton, um das Erdreich nachträglich zu festigen, einen garantierten Schutz bietet aber auch das nicht. So besteht die reale Gefahr, dass der Bau der Hochhäuser die Absackungen am Alexanderplatz verschlimmert oder sogar mit Einstürzen zu rechnen ist.

Wohnraum statt Profite

In der Vergangenheit gab es diverse Versuche der Berliner:innen, dagegen vorzugehen. Mit dem Volksentscheid Deutsche Wohnen & Co. enteignen wurden eigentlich genug Stimmen gesammelt, um große Wohnungsunternehmen mit mehr als 3.000 Wohnungen zu vergesellschaften. Die Hoffnung bestand darin, die Profitgier auf dem Berliner Wohnungsmarkt einzudämmen und mehr bezahlbaren Wohnraum zu ermöglichen.

Nachdem die Umsetzung davon jahrelang bewusst verschleppt wurde, wird jetzt sogar darüber debattiert, die Vergesellschaftung zu verbieten. Ein Gesetz auf Bundesebene soll es den Ländern untersagen, Wohnungen im Privatbesitz zu vergesellschaften.

Angriff auf die Vergesellschaftung

So skandalös das Vorgehen gegen die Initiative auch ist, verwunderlich ist es nicht: Solange Wohnungsbau und Stadtplanung in privater Hand sind und die Politiker:innen nur allzu gerne gemeinsame Sache mit Investor:innen machen, wird sich an der katastrophalen Situation nichts ändern. Auch hier werden die Herrschenden alles dafür tun, ihre Macht und ihre Profite nicht aufgeben zu müssen. Ein wirkliches Ende der Wohnungsnot kann es erst geben, wenn Wohnungen und Bauvorhaben in allererster Linie den Bedarf an Unterkünften zu decken haben und nicht Profite erwirtschaften sollen.

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