Der kommunistische Schriftsteller Bertolt Brecht hatte vor kurzem seinen 70. Todestag – Zeit, auf das Werk des Genossen zurückzublicken. – Ein Kommentar von Fiete Jahnsen.
Geboren 1898 in Augsburg, wird Bertolt Brecht schon früh schriftstellerisch aktiv – erst in einer Schülerzeitschrift, dann zur Zeit des Ersten Weltkriegs mit noch patriotischen Reportagen und Gedichten. Doch dies sollte sich schließlich schon sehr zeitnah ändern, denn bereits 1915 schlug der Ton in seinen Schriftstücken um, sodass er sogar fast einen Verweis vom Gymnasium erhielt. Dem Krieg kritisch gegenüberstehend, begann er schon im Jugendalter einen Lebensweg als Schriftsteller zu verfolgen.
In die Zeit rund um den ersten imperialistischen Weltkrieg fällt auch sein Gedicht „Die Legende vom toten Soldaten“, welches er 1918 verfasste. Das Gedicht handelt – wie schon der Titel sagt – von einem toten Soldaten und macht deutlich, dass jene an der Front nichts zu gewinnen haben außer für die Herrschenden zu sterben.
Brecht als kommunistischer Künstler und Denker
Mit der Zeit zeigt sich, dass Bert Brecht nach den Jahren des Ersten Weltkriegs immer politischer schreibt. In den 20er Jahren hat er dann auch erste Erfolge als Autor und thematisiert seine kommunistische Weltanschauung auch immer wieder in seinen Werken – so auch in seinem Stück „Die Maßnahme“.
Allein in seinem Entstehungsprozess soll er sich mit Lenins Schrift „Der ‚Linke Radikalismus‘, die Kinderkrankheit im Kommunismus“ auseinandergesetzt und auch mit verschiedenen Arbeiter:innenbewegungen gesprochen haben. Außerdem schrieb er das Stück in Zusammenarbeit mit dem sozialistischen Komponisten Hanns Eisler.
Der auf den ersten Blick sehr brutal scheinende Text, handelt davon, dass ein Jugendlicher aus der Partei gesäubert wird, da er ungenügend strategisches Kalkül besitzt. Allerdings spiegelt das Lehrstück viel mehr eine Diskussion innerhalb der 1920er Jahre, die es in der kommunistischen Bewegung gab, wider. Beispielsweise inwiefern man Bündnisse mit bürgerlichen Kräften eingehen sollte.
Das Stück ist außerdem immer wieder gespickt mit Gedichten. So auch mit dem „Lob der Partei“, worin er die Kommunistische Partei neuen Typs erklärt und preist, obwohl er selbst der KPD immer nur nahe stand und nie selbst Mitglied gewesen ist. Hier wird sehr pointiert dargestellt, dass eine kommunistische Partei mehr ist als die Summe ihrer Teile, dass sie aus einer wissenschaftlichen Betrachtung entstanden ist und dass sie ein Kampforgan ist, welches die Massen zum Sieg führen wird.
Der Einzelne hat zwei Augen
Die Partei hat tausend Augen.
Die Partei sieht sieben Staaten
Der Einzelne sieht eine Stadt.
Der Einzelne hat seine Stunde,
Aber die Partei hat viele Stunden.
Der Einzelne kann vernichtet werden,
Aber die Partei kann nicht vernichtet werden.
Denn sie ist der Vortrupp der Massen
Und führt ihren Kampf
Mit den Methoden der Klassiker, welche geschöpft sind
Aus der Kenntnis der Wirklichkeit.
– Lob der Partei
Leben und Schreiben im Exil
Was Bert Brechts Schreiben auch geprägt hat, ist seine Zeit im Exil. Wie viele andere kommunistische, antifaschistische und jüdische Schriftsteller:innen hatte er nach der Machtübernahme Hitlers seine Zeit im Ausland verbracht. Dabei war er sowohl in Europa als auch in den USA im Exil. Schriftstellerisch aktiv war er dort natürlich auch – bekannte Texte wie „Mutter Courage und ihre Kinder“ aber auch „Das Leben des Galileis“ stammen genau aus dieser Zeit.
Besonders im ersteren Werk stellt er auch noch heute gültige Verhältnisse dar. Einerseits zeigt „Mutter Courage“, dass Krieg nur die Weiterführung von Geschäften und Politik mit anderen Mitteln ist, andererseits aber auch, dass Bedürfnisse von Arbeiter:innen und Profitinteressen niemals miteinander übereinstimmen. Das Drama ist somit gerade in Zeiten von neuen Kriegen und Aufrüstung besonders lesenswert.
Rückkehr nach Berlin und Tod
Nach dem Krieg ist Brecht wieder nach Deutschland in die DDR zurückgekehrt. Dort wirkte er weiter als Autor, schrieb auch weiterhin Gedichte und Stücke über beispielsweise die Pariser Kommune, allerdings verbrachte er seine Zeit auch damit, im Ministerium für Kultur rund um Johannes R. Becher als Beisitzer tätig zu sein.
Im Jahr 1956 verstarb Brecht schließlich an Herzbeschwerden, die er seit seiner Kindheit hatte und damals wenig bekannt waren. Brechts Werk hinterlässt vor allem viele interessante Stücke, die als Parabeln auf die Gesellschaft im Kapitalismus funktionieren – wie zum Beispiel „Mutter Courage“ – aber auch Beiträge zur kommunistischen Bewegung, wie in „Die Maßnahme“.

