Nach 36 Jahren streicht das CDU-geführte Familienministerium die Rahmenförderung des Vereins Lambda. Dieser warnt vor dem Aus überlebenswichtiger Angebote für junge queere Menschen. Fast 200 Organisationen unterstützen mittlerweile einen offenen Brief an Ministerin Karin Prien.
Die Bundesregierung hat dem queeren Jugendnetzwerk Lambda e.V. nach 36 Jahren die staatliche Finanzierung gestrichen. Das zuständige CDU-geführte Familienministerium beendete die jährliche Rahmenförderung in Höhe von 380.000 Euro den Angaben von Lambda abrupt und ohne vorherige Ankündigung.
Der 1990 gegründete Verein unterscheidet sich von den anderen Verbänden wie dem CSD Deutschland e.V. oder dem Lesben- und Schwulenverband in Deutschland e.V. (LSVD) vor allem durch den Anspruch, junge LGBTI+ zur Selbstorganisierung zu ermutigen. Hierzu führt er regelmäßige Jugendbegegnungen und Workshops durch.
Der Verein betont, dass ein besonderer Fokus auf der Erarbeitung von Angeboten für Jugendliche liege, die kaum oder keinen Zugang zu LGBTI+ Angeboten haben. Schon jetzt verfügen laut Lambda über 30 Prozent von jungen LGBTI+ Personen über keine queeren Treffpunkte in ihrer Umgebung. Im ländlichen Raum sei die Lage besonders schlecht.
Lambda sieht sich zudem als politische Vertretung und führt in diesem Sinne Lobbygespräche mit Politiker:innen durch, um die eigenen queerpolitischen Forderungen an diese heranzutragen.
Finanziell vor dem Aus
Durch den Entzug der Rahmenförderung steht der Verein eigenen Angaben zufolge vor dem finanziellen Aus. In einem offenen Brief an Bundesministerin Karin Prien (CDU) spricht Lambda davon, dass man „gezwungen [werde], unsere Tür am Ende des Jahres zu schließen“. Das würde bedeuten, „genau die Jugendlichen alleine zu lassen, die besonders stark von Einsamkeit, psychischen Belastungen und Diskriminierung betroffen sind“. Für diese Jugendlichen seien die Angebote „überlebenswichtig“.
Statt einer Rahmenförderung habe das Bundesministerium eine Projektförderung in den Raum gestellt. Für ein erstes Konzept von Lambda gebe es aber noch keine Rückmeldung: „Für Lambda ist daher derzeit weder absehbar, wann mit einer Entscheidung gerechnet werden kann, noch wie realistisch eine tatsächliche Projektförderung ist.“
Zudem könne eine mögliche Projektförderung eine Rahmenförderung nicht ersetzen: „Jugendverbandsarbeit besteht nicht nur aus einzelnen Projekten, sondern braucht eine stabile Grundfinanzierung“, betont der Verein in seinem offenen Brief. Die Beratungsanfragen bei Lambda würden derweil immer weiter ansteigen. Dazu zählen auch Jugendliche, die sich mit Krisenthemen wie Suizid, selbstverletzendem Verhalten oder wegen Gewalt in der Familie an den Verband wenden.
196 Organisationen unterzeichnen offenen Brief
Lambda ruft die Bundesministerin dazu auf, die Kündigung der Rahmenvereinbarung zurückzunehmen. Dieser Forderung haben sich zahlreiche Vereine, NGO und Parteien angeschlossen. Den offenen Brief zeichnen mittlerweile über 196 Organisationen mit, darunter unter anderem Amnesty International Deutschland, die DGB-Jugend und der AWO Bundesverband.
Auch Politiker:innen verschiedener Parteien wie Grüne, SPD und Linke kritisieren die Kürzungen. So urteilt der Linken-Politker Maik Brückner, es würden „damit allenfalls Kleinstbeträge eingespart, die im Haushalt kaum ins Gewicht fallen“.
Haushaltsentwurf 2027: Fast jeder dritte Euro für Aufrüstung und Kürzungen bei Klima und Sozialem
In dem angesprochenen Haushalt plant die Bundesregierung aktuell Rekordausgaben für das Militär. Im aktuellen Haushaltsentwurf für 2027 will die Merz-Regierung fast jeden dritten Euro für Aufrüstung zur Verfügung zu stellen, allein 109 Milliarden für den Etat von Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD). Währenddessen plant sie weitere soziale Kürzungen durch die Reform der Krankenkassen, beim Elterngeld oder bei der gesetzlichen Rentenversicherung.
Die aktuellen Kürzungen berühren junge Menschen besonders: Kürzungen wie beim Wohngeld oder Kindergeld betreffen viele jungen Menschen, die zur Schule gehen, eine Ausbildung machen oder studieren. In den vergangenen Jahren haben zudem zahlreiche Treffpunkte wie Jugendzentren geschlossen oder sind von einer Schließung bedroht.

