Der Stellenabbau trifft auch Beschäftigte von BMW und Porsche

Tausende Jobs sollen gestrichen werden, Boni und Sonderzahlungen sinken und BMW plant ab 2027 nur noch 35-Stunden-Verträge. Grund ist die anhaltende Absatzkrise der deutschen Autoindustrie, allem voran der Einbruch in China.

Auch bei BMW wird der Sparkurs eingeschlagen: Beginnend im Oktober sollen weltweit etwa 8.000 Stellen abgebaut werden. Zudem werden ab April 2027 keine 38- bis 40-Stunden-Verträge mehr abgeschlossen. Neue Arbeitsverträge sollen dann ausschließlich mit einer wöchentlichen Arbeitszeit von 35 Stunden aufgesetzt werden.

Mit dieser Maßnahme versucht der Konzern, weniger Lohn zahlen zu müssen, ohne direkt Arbeiter:innen zu entlassen. Bereits im Jahr 2019 hatte eine Verkürzung der vertraglich geregelten Arbeitszeit stattgefunden – damals von 40 auf 38 Stunden. Damit wollte BMW 100 Millionen Euro einsparen. 2021 kehrte der Konzern aber zur 40-Stunden-Woche zurück, da zuvor die Überstunden enorm angestiegen waren.

Der nun beschlossene Stellenabbau soll vorwiegend in den Bereichen Planung und Verwaltung durchgeführt werden. Es sollen dem Vernehmen nach zehntausende Büroangestellte ein Angebot zum freiwilligen Ausscheiden erhalten haben.

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Kürzungen auch bei Porsche

Bei VW ist die krisenhafte Situation aktuell noch drastischer als bei BMW: Zuletzt kündigte der Konzern an, bis zu 100.000 Stellen abzubauen. Auch das Tochterunternehmen Porsche, das zum Volkswagenkonzern gehört, bleibt von der Krise nicht verschont.

In den nächsten Jahren soll es allein in der Region Stuttgart einen Stellenabbau von etwa 5.000 Arbeitsplätzen geben. Zusammengerechnet mit den bereits im letzten Jahr beschlossenen Streichungen beläuft sich die Anzahl insgesamt sogar auf etwa 8.900 Stellen, die gekürzt werden sollen. Das heißt, dass in der Heimatregion des Konzerns ungefähr jeder dritte Arbeitsplatz wegfallen soll. Konkret trifft es das Stammwerk in Stuttgart-Zuffenhausen und das Entwicklungszentrum in Weissach.

Porsche verspricht seinen Mitarbeiter:innen dafür eine Standortsicherung bis zum Jahr 2035. Betriebsbedingte Kündigungen sollen in dieser Zeit laut Unternehmen und Betriebsrat nicht stattfinden, sondern der Stellenabbau durch „sozialverträgliche“ Maßnahmen vollzogen werden. Das bedeutet, dass zum Beispiel freiwerdende Stellen nicht neu besetzt werden oder Altersteilzeit und Aufhebungsverträge zur Anwendung kommen.

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Durch ein umfassendes Sparmaßnahmenpaket sollen Investitionen in Höhe von 2,1 Milliarden Euro in die Standorte Zuffenhausen und Weissach getätigt werden. Zu den Sparmaßnahmen gehört die Senkung des Weihnachtsgelds und des Mitarbeiterbonus. Auch Tariferhöhungen sollen teilweise einbehalten werden. Zudem soll Homeoffice künftig nur nicht mehr an zwölf, sondern nur noch an acht Tagen im Monat möglich sein. Auch Teile des Managements sollen 2027 und 2028 auf Erhöhungen der Grundvergütung verzichten.

Das jetzt verabschiedete Maßnahmenpaket ist nicht die erste Runde im Kampf gegen die Krise. Bereits letztes Jahr wurde der Abbau von rund 1.900 Stellen in der Region um Stuttgart beschlossen, und auch im Leipziger Werk wurden Stellen gestrichen. Hinzu kommt die angekündigte Schließung der drei Tochterfirmen Cellforce, Cetitec und eBike Performance GmbH, bei denen aktuell etwa 500 Arbeiter:innen beschäftigt sind.

Exporteinbruch bei deutschen Autobauern

Die größten deutschen Autokonzerne BMW, Mercedes-Benz und Volkswagen haben im ersten Halbjahr 2026 zusammen nur noch 6,3 Millionen Fahrzeuge ausgeliefert. Das ist ein Rückgang von rund sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr und der schwächste Wert seit 2022.

Haupttreiber ist der massive Einbruch in China: Dort sanken die Auslieferungen um mehr als 25 Prozent auf gut 1,4 Millionen Fahrzeuge, mit Rückgängen von etwa 20 Prozent bei BMW und 26 bzw. 28 Prozent bei VW und Mercedes. Neben der lange bekannten Schwäche im E-Auto-Segment gerät nun auch das für die deutschen Hersteller besonders gewinnträchtige Verbrenner-Geschäft in China unter Druck, unter anderem wegen gestiegener Kraftstoffpreise infolge des Irankriegs. Zudem steigt in China der Anteil an E-Autos schnell an.

Die deutsche Autoindustrie setzt auf Osteuropa – wird die Rechnung aufgehen?

Auch der Markt in den USA ist durch die Zollpolitik belastet. Dort entwickeln sich die Absatzzahlen zurzeit ja nach Hersteller unterschiedlich: BMW und Mercedes konnten zulegen, Mercedes sogar um 15 Prozent. Volkswagen hingegen verzeichnete unter anderem wegen der Zölle einen Rückgang von über sieben Prozent.

In Europa erzielten die drei Konzerne einen Absatz von 2,7 Millionen Autos, was einen Anstieg gegenüber dem Vorjahr bedeutet. Doch auch hier steigt die Konkurrenz aus China, die mittlerweile rund 11 Prozent des Marktes einnimmt. Besonders im Segment der günstigen Autos legt China weiter zu, während teurere Modelle von Mercedes und BMW weniger Konkurrenz aus China haben.

Die deutsche Autoindustrie verlagert aufgrund ihrer Krise zudem zunehmend die Produktion nach Osteuropa, vor allem nach Ungarn. Mercedes verdoppelt sein Werk in Kecskemét, BMW baut für über 2 Milliarden Euro eine neue Fabrik in Debrecen, und auch Cupra (VW) sowie der Zulieferer ZF expandieren dort. Der Hauptgrund sind laut Mercedes rund 70 Prozent niedrigere Produktionskosten.

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