Erstmals seit sieben Jahren schreibt die Deutsche Bahn wieder schwarze Zahlen – 147 Millionen Euro Gewinn im ersten Halbjahr 2026. Während der Fernverkehr wieder Gewinn macht, bleibt die Güterbahn DB Cargo tief in den roten Zahlen und soll bis 2030 fast die Hälfte ihrer Stellen abbauen. Bei der Pünktlichkeit hat der Konzern weiterhin deutlich Luft nach oben.
Der Vorstand der Deutschen Bahn AG (DB) verkündete Ende Juli, dass man das erste Mal seit sieben Jahren schwarze Zahlen schreibe. 147 Millionen Euro an Profit konnte die DB in den ersten sechs Monaten des Jahres erzielen. Laut Eigenangaben der DB ist dies vor allem auf gestiegene Einnahmen aus dem Personenverkehr zurückzuführen.
In der Sparte des DB Fernverkehrs betrug das operative Ergebnis vor Abzügen durch Zinsen und Steuern („earnings before interest and taxes“, kurz: Ebit) 148 Millionen Euro. Im ersten Halbjahr 2025 wurden hier noch Verluste gemacht. Bei DB Regio betrug das Ebit einen Wert von 89 Millionen Euro und ist somit ebenfalls gewachsen. Anders sieht es jedoch bei dem Gütertransport aus: DB Cargo verzeichnete beim Ebit ein Minus von einer Million Euro. Diese Verluste könnten sogar Strafen durch die EU-Kommission zur Folge haben, da man in Brüssel den Ausgleich dieser roten Zahlen durch staatliche Zuschüsse als unzulässige Benachteiligung privater Eisenbahnunternehmen ansieht.
Aufgrund von gestiegenen Kraftstoffpreisen im Zuge des Iran-Kriegs würden mehr Personen auf den Zugverkehr setzen. Auf der anderen Seite hemme die allgemeine Wirtschaftskrise das Geschäft mit dem Gütertransport.
Diese Aspekte erklären allerdings nur die Einnahmenseite. Auf der Kostenseite setzt Vorstandsvorsitzende Evelyn Palla auf einen konsequenten Sparkurs. Mit eigenen Worten beschreibt sie ihr Vorgehen so: „Ich überprüfe jeden Job auf den Mehrwert für unsere Kunden.“ In der Praxis bedeutet das einen massiven Stellenabbau – am stärksten trifft es die DB Cargo: Dort soll die Zahl der Stellen bis zum Jahr 2030 von 14.000 auf 8.000 sinken. Hintergrund ist eine Entscheidung der EU-Kommission: Weil Brüssel die bisherige Verlustübernahme durch den Konzern als unzulässige Subvention wertet, muss DB Cargo spätestens Ende 2026 eigenständig profitabel wirtschaften.
Stabile Preise im Fernverkehr bei steigenden Preisen im Nahverkehr
Im Fernverkehr hat die DB die Ticketpreise zum Fahrplanwechsel im Dezember 2025 erstmals seit sechs Jahren nicht erhöht – weder Flexpreise noch Spar- und Super-Sparpreis-Tarife oder BahnCard-Konditionen wurden teurer. Der Umsatzzuwachs in dieser Sparte, die mit einem Ebit von 148 Millionen Euro nach einem Verlust im Vorjahr operativ in die Gewinnzone zurückkehrte, geht damit tatsächlich auf mehr Fahrgäste zurück und nicht auf höhere Preise. Seit April zog der Ticketverkauf laut DB wieder an, unter anderem gestützt durch Sonderangebote für Familien und Kurzentschlossene.
Anders stellt sich die Lage im Nahverkehr dar. Auch DB Regio verbesserte sein Ergebnis auf ein Plus von 89 Millionen Euro – hier verweist der Konzern vor allem auf gestiegene Spritpreise, die Pendler:innen zum Umstieg vom Auto auf die Bahn bewegt hätten. Unerwähnt bleibt dabei allerdings, dass zum 1. Januar 2026 auch das Deutschlandticket von 58 auf 63 Euro monatlich verteuert wurde und mehrere Verkehrsverbünde ihre Tarife zum Jahreswechsel anhoben. Wie groß der Anteil dieser Preiserhöhungen am verbesserten Regio-Ergebnis tatsächlich ist, lässt die DB offen – ein Punkt, den der Konzern auf Nachfrage präzisieren müsste.
Steigende Investitionen und ausfallende Züge
Über die gebesserte betriebswirtschaftliche Lage der Deutschen Bahn äußerte sich Vorstandsvorsitzende Palla wie folgt: „Ich freue mich sehr über diesen wichtigen Meilenstein, aber ich bin erst zufrieden, wenn auch die Qualität im täglichen Eisenbahnverkehr überzeugt!“
Von diesem selbstbewusst nach außen getragenen Ziel ist die DB allerdings noch recht weit entfernt. Insgesamt betrug die Quote an pünktlichen Zügen in den letzten sechs Monaten 87,5 Prozent. Als pünktlich gilt ein Zug, wenn er maximal 6 Minuten zu spät gekommen ist. Im Fernverkehr betrug die Quote zuletzt nur 59 Prozent. Wenn man dort die Toleranzgrenze auf maximal 15 Minuten Verspätung anhebt, dann waren 76 Prozent der Fernzüge pünktlich.
Deutsche Bahn: Verspätungen nehmen weiter zu – neue DB-Chefin will „aufräumen“
Die Deutsche Bahn begründete dies mit der hohen Anzahl an Baustellen, wobei jetzt zur Jahresmitte viele Bauvorhaben vollendet seien. Insbesondere die Fertigstellung der Streckensanierung Hamburg-Berlin wird wohl die Bewohner:innen der zwei größten deutschen Städte besonders freuen.
Für das Gesamtjahr bleibt die DB bei ihrer Prognose: Der Umsatz soll auf rund 28 Milliarden Euro steigen, das operative Ergebnis auf etwa 600 Millionen Euro. Evelyn Palla selbst dämpft jedoch die Erwartungen an einen schnellen Wandel: nach ihrer Einschätzung werde es noch rund zehn Jahre dauern, bis der Bahnverkehr wieder zuverlässig und stabil läuft.

