Europas Waldbrände: Vorboten der Klimakatastrophe

Die immer wiederkehrenden Waldbrände sind ein deutliches Beispiel für die Klimakrise, doch es kommt noch viel mehr auf uns zu. Dass wir nicht den Kopf in den Sand stecken sollten, und wie wir uns wehren, erklärt Walter Kranich in einem Kommentar.

In den Nachrichten kann man momentan zahlreiche Bilder von Waldbränden sehen, wie man sie in dieser Größenordnung sonst vor allem aus Südamerika, den USA oder Kanada kennt. Diesen Sommer kommen die Nachrichten allerdings direkt aus Europa. Auch hier wurden Waldbrände in den letzten Jahren immer häufiger, dieses Jahr scheinen sie allerdings ein noch nicht gekanntes Ausmaß angenommen zu haben.

Dabei erstrecken sich die Waldbrände zuletzt über ganz Europa: Um Bordeaux und Dijon in Frankreich, an mehreren Orten in Spanien und an der Grenze zu Portugal, auch werden neue Waldbrände aus Griechenland und der Türkei gemeldet. In Deutschland kam es dieses Jahr ebenfalls schon zu mehreren Bränden. Zuletzt hatten im Nationalpark Müritz 400 Hektar Wald gebrannt.

Waldbrände in Südeuropa treiben über 300.000 Menschen in die Flucht

Nicht nur werden durch die Brände riesige Ökosysteme zerstört und viel CO2 freigesetzt – was den Klimawandel wiederum weiter beschleunigt –, sondern es sind auch viele Menschen akut von den Feuern betroffen. Neben mindestens vier Toten durch die Brände der letzten Tage und Wochen führte allein der Brand bei Bordeaux zur Evakuierung von 224.000 Personen und der Zerstörung von mindestens 240 Häusern. Mittlerweile konnten viele der Betroffenen wieder in ihre Heimat zurückkehren. Andere jedoch haben nichts mehr, zu dem sie zurückkehren könnten.

Es wird noch deutlich schlimmer

Neben den Waldbränden führt der Klimawandel auch zu Extremwetterereignissen wie der Ahrtalflut, die 2021 über 100 Menschenleben kostete und zahlreiche Häuser zerstörte. Naturkatastrophen dieser Art werden in Zukunft wohl nicht mehr wegzudenken sein und bedrohen zahlreiche Existenzen. Doch in Zukunft werden noch weitere Faktoren das Leben der Menschen erschweren, auch hier in Europa.

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Ein Horror-Szenario stellt dabei die Grenze von 3 Grad Erderwärmung über der Temperatur der vorindustriellen Zeit dar. Lange wurde es als ein unmögliches Szenario angesehen, dass diese Temperaturen erreicht werden würden, doch mittlerweile wird diese eigentlich als „Worst Case Szenario“ bezeichnete Schwelle immer wahrscheinlicher. Ein Anstieg auf diese Erwärmung ist bis 2050 möglich und hätte enorme, noch nicht vollkommen absehbare Folgen.

Bei einer solchen Erwärmung wären große Teile der Erde in jedem Fall nicht mehr ohne Weiteres bewohnbar. Dies würde massive Fluchtbewegungen und den Ausfall von Ressourcen und Lebensmitteln bedeuten. Die Hitzewellen, die heute schon tausende Menschenleben kosten, würden sich deutlich verschlimmern. Auch ist mit einer Verschlimmerung der schon angesprochenen Extremwetterereignisse wäre zu rechnen.

Trinkwasser würde ebenfalls deutlich knapper werden. Allein bei einer Steigerung der Durchschnittstemperatur um 2 Grad ist damit zu rechnen, dass ein Drittel der Bevölkerung Südeuropas unter Wasserknappheit leiden würde. Entsalzungsanlagen zur Nutzbarmachung von Meerwasser sind sehr teuer und würden vermutlich nicht den Wasserbedarf von Landwirtschaft und sonstigen Pflanzen decken.

Ein Begriff, den man im Zusammenhang mit der Klimakatastrophe öfters hört, ist der der sogenannten „Kipppunkte“. Kipppunkte beschreiben dabei solche Zeitpunkte, ab denen der Hitzeanstieg dafür sorgt, dass verschiedene Naturphänomene ausfallen. Beispiele für Kipppunkte sind das Schmelzen bestimmter Gletscher, das Auftauen der Permafrostböden oder das Ausfallen von Meeresströmungen. Das Überschreiten dieser Kipppunkte hat gravierende Folgen auf das Leben auf der Erde, allerdings sind diese Folgen nicht gänzlich vorhersehbar, wodurch sie zu einer besonderen Gefahr werden. Nun wird davon ausgegangen, dass einige Kipppunkte weitaus früher erreicht werden als bisher angenommen und einige der Punkte befinden sich aktuell schon in einem „Kippprozess“.

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Klimawandel bedroht Lebensmittelversorgung

Die Erderwärmung ist allerdings nicht das einzige Problem, vor dem die Natur – und damit auch der Mensch – steht. Das Artensterben, insbesondere das Insektensterben, das vor allem auf den Verlust von Lebensraum, den Ackerbau und den Klimawandel zurückzuführen ist, bedroht die Stabilität von Lebensräumen und die Produktion von Lebensmitteln.

Auch eine Verringerung der Bodenqualität durch konventionelle Landwirtschaft und deren Ausweitung gefährdet mittelfristig die Lebensmittelversorgung. So wird abgeschätzt, dass die Böden keine 60 Ernten mehr produzieren können. Ackerflächen, die zweimal jährlich abgeerntet werden, würden folglich keine 30 Jahre mehr bewirtschaftet werden können, andere Flächen nur noch knapp unter 60 Jahre lang.

Auch jetzt schon ist eine Bewirtschaftung bei vollem Ertrag auf vielen Flächen nur noch durch erhebliche Düngung möglich. Alternative Anbaumethoden bringen oft weitere Kosten oder Ertragseinbußen mit sich, weshalb sie nicht breitflächig angewandt werden. Eine ausreichende Versorgung der Bevölkerung wäre daher in Zukunft gefährdet.

Keine Klimarettung im Kapitalismus

Sich mit einer Einschätzung über die Entwicklung von Klima und Umwelt zu beschäftigen – wie sie hier nur sehr knapp wiedergegeben ist – kann sehr ernüchternd sein. Dabei gilt zu bedenken, dass sich der Klimawandel nicht mehr aufhalten lässt. Allerdings ist es noch möglich, die schlimmsten Szenarien abzuwenden und sich auf die sich verändernden Verhältnisse vorzubereiten.

Staaten und Unternehmen suchen die Verantwortung für die nötigen Änderungen bei Verbraucher:innen. Diese sollen Verantwortung beweisen, indem sie vermeintlich umweltfreundlichere Produkte kaufen. Unternehmen jedoch können sich angeblich von jeder Verantwortung der Gesellschaft gegenüber freikaufen, indem sie Klimazertifikate erwerben.

Zielführenden Klimaschutz können sie allerdings nicht betreiben. Sie sind durch die kapitalistische Produktionsweise dazu gezwungen, möglichst günstig zu produzieren und möglichst viel zu verkaufen, um in der Konkurrenz zu anderen Unternehmen bestehen zu können. Daher können sie keine Rücksicht auf die Umwelt nehmen.

Auch auf Staaten kann man sich im Kampf für eine klimagerechte Zukunft nicht verlassen. Sie stehen in Konkurrenz untereinander und können daher nicht die benötigten Ressourcen in den Klimaschutz investieren. Von dem Staat, welcher den Klimaschutz als Erstes angemessen umsetzen würde, würden auch dessen Konkurrenten profitieren, während er als Einziger sein Kapital ausgäbe und daher selbst weniger Mittel für wirtschaftliche oder kriegerische Auseinandersetzungen mit anderen Staaten hätte.

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Nicht aufgeben, selbst aktiv werden!

Da wir uns folglich nicht auf Staat und Unternehmen verlassen können und unsere individuellen Konsumentscheidungen die Produktionsweise der Unternehmen nicht verändern können, müssen wir uns für echten Klimaschutz gegen Staat und Unternehmen stellen.

Langfristig muss das die Abschaffung des Kapitalismus und die Errichtung einer Gesellschaft bedeuten, in der nicht nach Profitmaximierung, sondern nach den Bedürfnissen von Mensch und Natur produziert wird.

Kurzfristig kann man allzu heftigen Eskapaden von Wirtschaft und Staat entgegenwirken, indem man sich in der Bevölkerung solchen entgegenstellt. Auch wenn es innerhalb des Kapitalismus nicht gelingen kann, den Klimawandel endgültig zu stoppen, ist Protest und Widerstand nicht zwecklos. Beispielsweise sind Aufrüstung und Kriege riesige Faktoren in der Klimaerwärmung. Sich der derzeitigen Militarisierung entgegenzustellen, kann daher ein großer Beitrag für den Klimaschutz sein.

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Solidarisch organisiert gegen die Klimafolgen

Trotz aller Bemühungen werden Menschen jedoch erst einmal mit den Folgen des Klimawandels zu kämpfen haben. Hier kann es helfen, sich in der Nachbarschaft zu organisieren, bevor es zu einem Extremwetterereignis oder einer Naturkatastrophe kommt. In einem solchen Fall kann es Leben retten, mit seinen Mitmenschen vernetzt zu sein und einem Vorfall solidarisch zu begegnen.

Beispielsweise ist es hilfreich, im Notfall zu wissen, wer in der Nachbarschaft einen Generator besitzt oder wo sich Kranke oder ältere Menschen befinden, die Unterstützung benötigen. Auch kann sich eine solche nachbarschaftliche Gruppe lokal organisieren, um eine Anpassung der Infrastruktur an die Klimakrise einzufordern und damit die Wahrscheinlichkeit und die Auswirkungen eines Vorfalls abzuschwächen.

Walter Kranich
Walter Kranich
Perspektive Autor seit 2026. Walter Kranich ist in der Informatikbranche tätig. In seiner Freizeit liest er gerne und baut Gemüse auf seinem Balkon an. Sein politischer Interssensschwerpunkt bildet die Innenpolitik.

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