Extreme Hitzewellen: Schwitzen für den Profit der Reichen

Hitzewellen treten immer häufiger auf, und wir müssen den Preis zahlen. Obwohl immer wieder gewarnt wird, dass die Infrastruktur nicht für so große Hitze ausgelegt sei, wird nichts getan, um das zu ändern. – Ein Kommentar von Maxim Steinert.

Ende Juni herrschte in Europa eine extreme Hitzewelle: Innerhalb von etwa zwei Wochen wurden in Deutschland gleich mehrere aufeinanderfolgende Hitzerekorde gemessen. Temperaturen bis zu 41,7 Grad machten selbst einfachste Tätigkeiten wie Einkaufen oder den Weg zur Arbeit zu einer Herausforderung. Das extreme Wetter sorgte für tausende Krankenhausaufenthalte und forderte in Deutschland laut RKI über 5.000 hitzebedingte Todesfälle. Vor allem für ältere und kranke Menschen stellen solche Extremtemperaturen eine Bedrohung dar.

Dass der Klimawandel zu Extremwetter führt und es in den letzten Jahren immer wieder zu neuen Temperaturrekorden kam, dürfte für die meisten keine Überraschung mehr sein. Warum traf die Hitzewelle Ende Juni das Land so hart? Mit der Annahme, dass die Temperatur weiter ansteigt, könnten schließlich Maßnahmen ergriffen werden, um dem entgegenzuwirken.

So wird als unvermeidlich dargestellt, dass Schulen, Krankenhäuser und Arbeitsplätze sich in nicht mehr aushaltbarem Maß aufheizen werden. Auch im ÖPNV kommt es zu Beeinträchtigungen: Passagiere müssen sich in überfüllte Bahnen oder Busse ohne Klimaanlage quetschen. Oder sie können ihn gar nicht nutzen, wenn die Straßenbahnen wie in Leipzig wegen geschmolzenem Material zwischen den Schienen und Weichen nicht fahren.

Rekordhitze, Niedrigwasser, Unwetter: Der Klimawandel zeigt seine Folgen

Die Infrastruktur wird nicht angepasst

Dass die Infrastruktur nicht an die veränderten Bedingungen durch den Klimawandel angepasst wird, ist nicht unbedingt das Ergebnis von Sturheit oder Inkompetenz von Politiker:innen, sondern vor allem eine Folge daraus, wie unsere Gesellschaft organisiert ist: Profite von Kapitalist:innen stehen über den Bedürfnissen der Arbeiter:innen.

Hohe Ausgaben in der Rüstung bedingen die Kürzungen in der (sozialen) Infrastruktur. Die Städte, in denen wir leben, sind so gebaut, dass die vorhandene Fläche möglichst gewinnbringend genutzt wird. Obwohl mehr Grünflächen und Kaltluftschneisen in Stadtzentren dazu beitragen würden, diese abzukühlen, sind die Innenstädte übersät mit versiegelten Flächen. So können Investor:innen mehr Profit aus dem Städtebau schlagen.

Das Leben während Hitzewellen könnte auch durch kurzfristige kleinere Maßnahmen erträglicher gemacht werden: Technische Nachrüstungen z.B. durch Ventilatoren in Schulen und Krankenhäusern, Hitzeschutzpläne in Betrieben mit angepassten Arbeitszeiten und mehr Pausen sind sinnvolle Maßnahmen. Für die Kapitalist:innen aber bringt das mehr Kosten als Gewinn.

Wir Arbeiter:innen sind es, welche die Infrastruktur bauen und nutzen. Doch im Kapitalismus dürfen wir nicht darüber entscheiden, wie unsere Umwelt gestaltet ist.

Über 5.000 hitzebedingte Tote im Juni

Nicht alle sind gleich betroffen

Wen eine Hitzewelle trifft und wie sehr, ist am Ende des Tages eine Klassenfrage. Wir Arbeiter:innen müssen uns täglich schwitzend und mit Schwindel zur Arbeit schleppen. Danach verkriecht man sich erschöpft in der Wohnung, um zur Nacht hin wegen der Hitze im Zimmer nicht richtig schlafen zu können. Wer ausreichend Geld hat, kann sich hingegen schützen: Gut gedämmte Wohnungen, Klimaanlagen oder vielleicht sogar die Möglichkeit, zu verreisen sorgen dafür, dass die Hochtemperaturen für Reiche eher eine Unannehmlichkeit darstellen, als eine bedrohliche Gefahr, der man ausgeliefert ist.

Die 5.000 Todesfälle sind vergleichbar mit Fällen aus der Hochphase der Corona-Pandemie. Diese Zahlen sind Hochrechnungen, da Hitze meistens zur Verschlimmerung von bereits vorhandenen Herz-Kreislauf und Atemwegserkrankungen führt und nicht direkt zum Hitzeschlag. Doch für die Herrschenden scheint das kein Problem zu sein, denn diese Katastrophe betrifft mit vorwiegend älteren und kranken Menschen besonders diejenigen, die im kapitalistischen Sinne nicht mehr verwertbar sind.

Für die herrschende Klasse ist lediglich wichtig, dass weiter zur Arbeit gegangen und Profit erwirtschaftet wird. Die Frage ist nicht, ob Städte und Arbeitsplätze dem veränderten Klima angepasst werden sollten oder nicht, sondern in wessen Interesse Entscheidungen getroffen werden.

Während wir Arbeiter:innen es sind, die allen gesellschaftlichen Reichtum hervorbringen, haben wir in diesem System keine Möglichkeit zu bestimmen, wo dieser hineinfließt. Um langfristig gegen Hitzewellen gewappnet zu sein, müssen wir eine Gesellschaft errichten, in der nicht der Profit entscheidend ist, sondern das Wohl der Menschen.

Dieser Text ist in der Print-Ausgabe Nr. 113 vom August 2026 unserer Zeitung erschienen. In Gänze ist die Ausgabe hier zu finden.

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