In der Schule und im Studium: Frauen sind im deutschen Bildungssystem inzwischen deutlich erfolgreicher als Männer. Doch auf dem Arbeitsmarkt werden sie weiter stark benachteiligt.
Frauen erwerben im Durchschnitt höhere Schulabschlüsse. Auch an Universitäten haben sie eine höhere Abschlussquote als Männer. Das geht aus Daten des Statistischen Bundesamts hervor. Die Zahlen beziehen sich dabei auf das Abgangsjahr 2024 und das laufende Jahr 2025. So erwarben 258.300 Absolvent:innen im Jahr 2024 eine allgemeine Hochschulreife. Die Absolvent:innen waren zu 55 Prozent Frauen und 45 Prozent Männer.
Dieser Vorsprung setzt sich auch nach dem Schulabschluss fort. Von den Studienanfängerinnen des Jahrgangs 2020 schlossen 34 Prozent ihr Bachelorstudium nach acht Semestern ab, bei den Männern waren es nur 25 Prozent. Auch im Masterstudium lagen Frauen mit einer Abschlussquote von 53 Prozent nach sechs Semestern vor ihren männlichen Kommilitonen mit 48 Prozent.
Außerdem zeigt sich, dass die niedrigeren Schulabschlüsse von mehr Männer absolviert wurden. Unter den 133.100 Absolvent:innen, die 2024 einen ersten Schulabschluss erlangten, befanden sich nur 41 Prozent Frauen und 59 Prozent Männer. Beim Mittleren Schulabschluss lag das Verhältnis ausgeglichen bei 49 Prozent Frauen und 51 Prozent Männern.
Junge Männer häufiger ohne Schul-, Aus- oder Weiterbildung
Aus den Zahlen lässt sich ziehen, dass junge Männer häufiger und früher als Frauen von der Schule abgehen. So stellt auch das Statistische Bundesamt fest, dass im Jahr 2025 15 Prozent der Männer im Alter von 18 bis 24 Jahren maximal einen ersten oder mittleren Schulabschluss hatten und weder eine abgeschlossene Berufsausbildung noch einen Aus- oder Weiterbildungsplatz vorweisen konnten. In der gleichen Statistik liegt der Wert für Frauen bei 11 Prozent.
Im Zehnjahresvergleich zu 2015 hat sich hier ein klarer Unterschied herausgebildet: Damals lag der Wert bei den verschiedenen Geschlechtern noch bei jeweils 10 Prozent. Das Statistische Bundesamt weist hier auf den gestiegenen Anteil von Personen ohne deutsche Staatsbürgerschaft hin. So hatte im Jahr 2025 schon ungefähr ein Drittel der jungen Männer ohne deutsche Staatsbürgerschaft keine abgeschlossene Berufsausbildung, 2015 war es nur knapp ein Viertel. Bei den Frauen stieg der Anteil nur leicht von 22 auf 26 Prozent.
Hierbei ist zu beachten, dass für die Bewerbung auf Ausbildungsplätze, für die allgemeine Hochschulreife und auf Studienplätze in den meisten Fällen Sprachniveaus zwischen B1 und B2+ erforderlich sind. Auch die Anerkennung bereits abgeschlossener Schul-, Hochschul- und Berufsausbildungen erweist sich je nach Herkunftsland als schwierig.
Gender Pay Gap zeigt große Unterschiede
Im Gegensatz zu den höheren Schulabschlüssen zeigt sich jedoch ein Unterschied in der Entlohnung von Männern und Frauen. Der sogenannte „bereinigten” Gender Pay Gap beschreibt den Unterschied bei der Bezahlung von Männern und Frauen im gleichen Beruf und bei gleicher Arbeitszeit. Dieser lag im Jahr 2025 gleichbleibend bei 6 Prozent. Der „unbereinigte” Gender Pay Gap vergleicht hingegen alle erwerbstätigen Frauen und Männer, unabhängig von Berufswahl und Arbeitszeit. Hier wurde eine Diskrepanz von 16 Prozent ermittelt.
Sie zeigt sich auch darin, dass sich Frauen (25 Prozent) mehr als doppelt so oft wie Männer (10 Prozent) in atypischen Beschäftigungsverhältnissen befinden. Dazu zählen etwa Teilzeit, Minijobs oder befristete Anstellungen. Dies führt dazu, dass Frauen strukturell weniger Geld verdienen.
Zahl befristeter Anstellungen steigt – Reformpaket könnte Trend weiter verschärfen
Ursache dafür ist unter anderem, dass die Zeit der Schwangerschaft für die einzelnen Unternehmer:innen wirtschaftlich unattraktiv ist, da Frauen in dieser Zeit keinen Profit erwirtschaften. Trotz formellem Verbot fragen sie daher bei der Bewerbung immer wieder nach der Lebensplanung von Frauen. Bei einem potenziellen Kinderwunsch werden diese dann im Bewerbungsverfahren nicht selten benachteiligt.
Zudem sind es vor allem Frauen, die nach der Geburt eines Kindes die sogenannte Elternzeit in Anspruch nehmen und dadurch zwar weiter ein – wenn auch geringeres – Einkommen beziehen, jedoch nicht die gleiche Chance besitzen, sich in ihrem Berufsfeld weiterzuentwickeln und kontinuierlich neue Qualifikationen zu erlangen.
Zudem leisten Frauen immer noch den Großteil der unbezahlten Reproduktionsarbeit. Im Jahr 2022 lag der Unterschied zwischen Männern und Frauen bei 43 Prozent. So leisteten Frauen pro Tag mehr als eine Stunde länger unentgeltliche Care-Arbeit.

