Gewässerqualität in Deutschland durch Blaualgen in Gefahr

Steigende Temperaturen und nährstoffreiche Gewässer bieten Blaualgen ideale Bedingungen. Die sogenannten Cyanobakterien breiten sich derzeit in deutschen Seen und der Ostsee aus – mit Folgen für Menschen, Tiere und den Tourismus.

Die aktuelle Hitzewelle sorgt nicht nur für Ernteausfälle oder große Waldbrände. Auch viele Gewässer in Deutschland leiden darunter. Die Ursache: giftige Cyanobakterien, besser bekannt als Blaualgen. Diese vermehren sich in den nährstoffreichen, warmen Gewässern aktuell besonders gut, beeinträchtigen das Ökosystem und verursachen Badeverbote.

Denn neben unschönen „Algen“-Teppichen verursachen Blaualgen bei Kontakt auch gesundheitliche Schäden wie Hautreizungen, Atemnot, Leberschäden und Übelkeit. Für kleine Kinder kann dies sogar tödliche Folgen haben. Auch Hunde sind hiervon betroffen. Doch auch Fische und andere Wassertiere leiden unter einem hohen Vorkommen an Blaualgen. Bei deren Abbau durch Mikroorganismen wird Sauerstoff verbraucht, der dann Fischen und anderen Gewässerlebewesen fehlt.

Rekordhitze, Niedrigwasser, Unwetter: Der Klimawandel zeigt seine Folgen

Unter diesen Bedingungen können Blaualgen andere Wasserpflanzen verdrängen und sich schnell ausbreiten. Besonders warme und nährstoffreiche Gewässer bieten ihnen ideale Voraussetzungen. Eine zusätzliche Belastung stellt die Landwirtschaft in Ufernähe dar: Gelangen Nährstoffe aus Düngemitteln in die Gewässer, kann dies das Wachstum der Blaualgen weiter begünstigen. Durch Wind und Strömungen können sich die entstehenden Blaualgenteppiche anschließend im Gewässer verteilen. Sinkt die Wassertemperatur, wird ihre Vermehrung dagegen eingeschränkt. Langfristig können vor allem Wasserpflanzen wie Seerosen sowie schattenspendende Bäume dazu beitragen, kleinere Seen und Kanäle vor einer starken Erwärmung zu schützen und Erosionen von Feldern in Gewässer zu verringern.

Ostsee und Seen in Bayern besonders betroffen

Doch neben Seen treten Blaualgen auch in der Ostsee in gesundheitsgefährdender Höhe auf. Für mehrere Strände in Schleswig-Holstein gibt es offizielle Warnungen vor Blaualgen, an zwei Stränden ist das Baden in der Ostsee verboten. Auf Bildern, die der NDR veröffentlichte, sieht man riesige Algenteppiche in Küstennähe, aber auch weiter davon entfernt.

Zehn Millionen Tonnen Ernteausfälle: Europäische Landwirtschaft zwischen Dürre und Krieg

Auch in Bayern sind vor allem Seen in Nordbayern und Franken davon betroffen. Diese meist künstlich angelegten Seen sind nicht besonders tief und durch Kanäle miteinander verbunden. Die Blaualgen gelangen so von See zu See.

Ursache: Klimawandel

Durch die globale Erderwärmung verändert sich auch in Deutschland das Klima. Das Jahr 2025 war laut Umweltbundesamt das achtwärmste Jahr seit Beginn der Messungen 1881. Mit 41,7 Grad Celcius wurde Ende Juni ein neuer Temperaturhöchstwert erreicht. Auch die Anzahl der sogenannten „heißen Tage“ steigt an, wenn auch schwankend. Dieses Jahr wurden bis Mitte Juli bereits an 16 Tagen Temperaturen über 30 Grad Celcius erreicht. Im Jahr 2025 waren es im gesamten Jahr 11 heiße Tage. Dies begünstigt das Wachstum von Blaualgen.

Die Gewässer in Deutschland sind auch ohne Blaualgen meist in keinem guten ökologischen Zustand. Nur 8 Prozent der Flüsse und Bäche gehören laut Umweltbundesamt dazu. Bei den Seen ist es nur jeder vierte. Auch Nord- und Ostsee sind hiervon betroffen. Die Ursachen hierfür sind vielfältig: Landwirtschaft, Gewässerbegradigungen, Schiffsverkehr oder das Ableiten von Abwasser in Flüsse. Auch industrielle Kühlanlagen, die mit Flusswasser funktionieren, erhöhen die Wassertemperatur. Dadurch kann das Wasser weniger Sauerstoff speichern. Aber auch Medikamenten- oder Hormonrückstände aus dem Abwasser können von den Kläranlagen nicht herausgefiltert werden, gelangen so in die Flüsse und beeinträchtigen dort das Ökosystem.

Extreme Hitzewellen: Schwitzen für den Profit der Reichen

Unter den Badeverboten leidet neben der Natur auch der Tourismus. Wegbleibende Badegäste sorgen für wirtschaftliche Schäden in Millionenhöhe. Gerade Badeseen sind für viele eine Alternative zu den meist überfüllten und mit hohen Eintrittspreisen verbundenen Schwimmbädern. Der Wegfall dieser Möglichkeit trifft vor allem diejenigen, die sich keinen Pool im Garten oder eben die Eintrittspreise für das Schwimmbad leisten können.

Perspektive Online
Perspektive Onlinehttp://www.perspektive-online.net
Hier berichtet die Perspektive-Redaktion aktuell und unabhängig

MEHR LESEN

PERSPEKTIVE ONLINE
DIREKT AUF DEIN HANDY!