Grundwasser in Brandenburg auf Rekordtief

In Brandenburg stehen nahezu alle Niedrigwasserpegel auf Rot und mehrere Landkreise erlassen Entnahmeverbot. Zeitgleich nutzen Großkonzerne Millionen Kubikmeter an Grundwasser.

Aktuell herrscht in Brandenburg eine akute Trockenheit. Diese wurde begünstigt durch die steigenden Temperaturen, die geringen Niederschläge und den dadurch sinkenden Grundwasserspiegel. Obwohl Brandenburg mit ungefähr 3.000 natürlichen Seen und über 33.000 Kilometern Flussläufen und Kanälen als gewässerreich gilt, gehört das Land zu den trockensten Regionen Deutschlands.

Fast alle Grundwasserleiter in Brandenburg liegen nahe den oder unter ihren historischen Tiefständen. Viele Seen erreichten bereits einen Allzeit-Tiefststand und fast alle Niedrigwasserpegel stehen auf Rot. Umweltministerin Hanka Mittelstädt rief daher zum sparsamen Wasserverbrauch auf: „Da Wasser ein gesamtgesellschaftliches Anliegen ist, muss die Gesellschaft auch dafür einstehen.“

Trockenperiode sorgt für drastische Maßnahmen

Aufgrund der anhaltenden Trockenheit gelten bereits in mehreren Landkreisen Entnahmeverbote aus Seen und Flüssen. Ein paar Landkreise sprachen ein direktes Verbot aus.

So wurde beispielsweise in Brandenburg an der Havel die Wasserentnahme aus allen Oberflächengewässern bis Ende August verboten. Zusätzlich wurde die Nutzung des Grundwassers eingeschränkt. Private Grün- und Gartenflächen dürfen nur noch in der Zeit von 18 Uhr bis 8 Uhr bewässert werden.

„Die Stadt Brandenburg an der Havel bittet alle Bürgerinnen und Bürger um einen verantwortungsvollen Umgang mit der Ressource Wasser. Jeder eingesparte Liter trägt dazu bei, Gewässer und Grundwasser in der aktuellen Trockenperiode zu schützen“, teilte der Oberbürgermeister Daniel Keip mit. Verstöße gegen die besagten Regelungen können als Ordnungswidrigkeit mit einem Bußgeld von bis zu 50.000 Euro geahndet werden.

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Wasserknappheit durch Konzerne

Genau in solch einer der trockensten Regionen und einem Trinkwasserschutzgebiet wurde die Tesla-Gigafactory Berlin-Brandenburg in Grünheide gebaut. Sie ist der erste Tesla-Produktionsstandort in Europa. In einem Vertrag zwischen Tesla und dem Wasserverband Strausberg-Erkner (WSE) im Jahr 2020 wurde eine Vereinbarung getroffen, dass Tesla 1,8 Millionen Kubikmeter Wasser erhalten soll. Erst im Juni 2025 unterschrieb Tesla einen neuen Vertrag mit dem Wasserverband, da laut Tesla weniger Wasser verbraucht werde, als im vorherigen Vertrag vereinbart. Somit soll der Wasserverband die Wasserrechte von knapp 400.000 Kubikmetern pro Jahr zurückerhalten.

Die Geschäftsstelle Tesla in Grünheide plante zwischenzeitlich jedoch schon den weiteren Ausbau der Produktionskapazitäten. Schon im April 2026 stellte das Tesla-Werk 1.000 neue Mitarbeiter:innen ein. Die Produktion soll auf 7.500 neue Elektroautos pro Woche gesteigert werden. Das entspricht einer Anzahl von 375.000 Fahrzeugen pro Jahr.

Wasserkrise in Brandenburg: Klimawandel und Großunternehmen

Auch andere Großkonzerne haben ihre Finger in Brandenburg im Spiel. Im Juli 2023 haben die österreichischen Unternehmen Red Bull und Rauch die Baruther Urstromquelle in Baruth/Mark aufgekauft. Mit diesem Aufkauf haben Red Bull und Rauch auch den Vertrag des Wasserwerks übernommen. Rund 2,35 Millionen Kubikmeter Grundwasser können die Unternehmen pro Jahr entnehmen.

An dem Standort Baruth/Mark werden bis jetzt die Energy-Drinks von Red Bull abgefüllt. Zukünftig sollen dort auch die Aluminium-Dosen hergestellt werden. Für diese Erweiterung sollen insgesamt 17 Hektar Kiefernwald gerodet werden.

Eine Bürgerinitiative wehrt sich und organisiert sich im Ressourcen-Bündnis Baruth. Denn Red Bull und Rauch sichern sich 92 Prozent des Grundwassers, während nur 8 Prozent für die Bevölkerung bleiben. Was genau in den Verträgen mit dem Wasserwerk Baruth/Mark vereinbart wurde, ist unklar. Die Stadt Baruth verweigert jegliche Einsicht.

Foodwatch kämpft für Transparenz, wenn es um Grundwasser geht und recherchiert dort, wo Behörden keine Auskunft geben. Alina Nitsche vom Kampagnen-Team war vor Ort: „Wenn es um das Allgemeingut Grundwasser geht, muss Transparenz Pflicht sein. Es darf keine geheimen Absprachen zwischen Stadt und Red Bull geben“, so Nitsche.

Dürre setzt der Landwirtschaft zu

„Ohne ausreichende Wasserversorgung unserer Kulturpflanzen wachsen keine guten Ernten heran, unter sinkenden Grundwasserständen leidet die ganze Natur“, sagt Bauernbund-Präsident Lutz Wercham. Der niedrige Grundwasserstand sorge dafür, dass die tieferen Bodenschichten nicht mehr ausreichend nachversorgt werden können. Für die Landwirtschaft bedeute das ein hohes Planungsrisiko. Sollten die Niederschläge ausbleiben, drohe damit Ernte- und Qualitätsverlust.

Der Deutsche Bauernverband (DBV) rechnet mit deutlichen Ertragseinbußen. „Die aktuellen Erntezahlen erhöhen den wirtschaftlichen Druck auf unsere Betriebe erheblich. Schwächere Erträge, geringere Erlöse und hohe Betriebskosten treffen die Landwirtschaft in einer ohnehin angespannten Lage“, teilt DBV-Präsident Joachim Rukwied mit.

Höchstes Waldbrandrisiko bundesweit, Hauptlast liegt bei Ehrenamtlichen

Sinkende Grundwasserstände verschärfen in Brandenburg nicht nur die Trinkwasserversorgung und Landwirtschaft, sondern erhöhen zusätzlich die Waldbrandgefahr.

Aufgrund ungünstiger Waldstrukturen und standörtlicher Besonderheiten gehört Brandenburg zu den Regionen mit dem höchsten Waldbrandrisiko und den meisten Brandereignissen bundesweit. „Mit dem März beginnt offiziell die Waldbrandsaison“, hieß es in der Presseinformation der Landesregierung Brandenburg. Im Jahr 2025 brannte es 305 Mal in Brandenburg. Eine Fläche von rund 247 Hektar war betroffen.

Waldbrände in Südeuropa treiben über 300.000 Menschen in die Flucht

In Brandenburg ruht der Brand- und Katastrophenschutz überwiegend auf den Schultern der ehrenamtlichen Kräfte in den freiwilligen Feuerwehren in den Gemeinden. Über 38.000 Menschen engagieren sich hier ehrenamtlich. Dazu kommen rund 1.900 hauptberufliche Personen und über 17.600 engagierte Jugendliche in den freiwilligen Jugendfeuerwehren.

Fünf Berufsfeuerwehren gibt es derzeit in Brandenburg: in Brandenburg an der Havel, Potsdam, Cottbus, Eberswalde und Frankfurt (Oder).

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