Am Montag rief die Gewerkschaft ver.di in deutschen Hafenstädten zu Warnstreiks auf. Die Forderungen nach höherem Lohn bei längerer Laufzeit wurden bislang von der Kapitalseite abgelehnt. Dabei wird bereits im September der Hamburger Hafen erneut zum Austragungsort von Protesten.
In den Morgenstunden des Dienstags waren die Containerbrücken in zahlreichen deutschen Hafenstädten hochgeklappt. Im Zuge eines Tarifstreits legten über 11.000 Arbeiter:innen ihre Arbeit nieder. Gestreikt wurde dabei in den Häfen von Hamburg, Bremen, Bremerhaven, Wilhelmshaven, Emden sowie Brake.
Hintergrund des Warnstreiks, welcher in der Nachtschicht am Montag begann und am Dienstag endete, waren anhaltende Tarifverhandlungen zwischen der ver.di und dem Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS). Zuvor hatte der ZDS das Angebot der Ver.di von 8,2 Prozent Lohnerhöhung – mindestens aber 2,5 Euro mehr pro Stunde – bei 12 Monaten Laufzeit nicht angenommen.
„Unser Hafen, nicht euer Casino!“: Kämpferischer Protest gegen Hafenprivatisierung
Als Gegenvorschlag bot die Kapitalseite einen Anstieg der Löhne um 5,1 Prozent sowie Einmalzahlungen bei einer Laufzeit von 19 Monaten an. Dieses Angebot wurde von der Gewerkschaft abgelehnt, welche sich dabei auf eine Befragung der Belegschaft berief, bei der mehr als die Hälfte der Befragten das Angebot als nicht ausreichend bewertet hätte. Bei einer steigenden Inflation und den anhaltenden Preissteigerungen könne die Lohnerhöhung ohnehin nicht die wachsenden Lebenserhaltungskosten decken.
Der ZDS zeigte daraufhin Unverständnis und hatte vorerst keinen weiteren Verhandlungstermin angeboten. Laut Florian Keisinger, Hauptgeschäftsführer des ZDS, soll infolge des Warnstreiks die dritte Gesprächsrunde am Montag in Hamburg starten.
„Hafenweit streikbereit“: 2.000 Beschäftigte protestieren in Hamburg
In Hamburg wurden die zwei Terminals von „Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA)“ und „Eurogate“ bestreikt. Während des Streiks fuhr kaum ein Frachtschiff in den Hafen, lediglich zwei Schiffe liefen montagabends noch ein, andere sahen davon ab, um nicht 24 Stunden im Hafen festzusitzen.
In Hamburg versammelten sich am Dienstagmorgen etwa 2.000 Beschäftigte bei einer Demonstration durch das Hafengebiet. Dabei hielten sie eine Kundgebung am Containerterminal Burchardkai ab. Sie riefen Parolen wie „Hafen streikbereit“ und auf einem Transparent war der Spruch „Zwei Firmen, ein Hafen, ein Kampf“ zu sehen.
Dabei ist der Hamburger Hafen nicht nur ein Austragungsort ökonomischer Kämpfe, sondern auch ein Ort politischen Protests: Im September übt die Bundeswehr gemeinsam mit Behörden und Unternehmen im Hamburger Stadtgebiet sowie am Hafen den Kriegsfall. Gegen das Manöver unter dem Namen „Red Storm Charlie“ ist breiter antimilitaristischer Protest angekündigt, bereits im vergangenen Jahr demonstrierten tausende Menschen gegen das NATO-Militärmanöver „Red Storm Bravo“ mitten in Hamburg.
Red Storm Bravo: Proteste gegen NATO-Kriegsübungen im Hamburger Hafen

