Der Krieg im Iran läuft nun schon seit sechs Monaten. Eine Lösung auf diplomatischem Weg ist weiterhin nicht in Aussicht. Für beide Seiten wird der Krieg mehr und mehr zur Niederlage. – Ein Kommentar von Fevzi Ayçiçek.
Erstmals seit Juli hat das US-Militär nach eigenen Angaben am Sonntag wieder direkte Ziele im Iran angegriffen. Als Vergeltungsschlag eines iranischen Angriffs auf US-Stützpunkte in Jordanien griff das US-Militär die iranische Insel Larak an. Damit sollte verhindert werden, dass Seeminen in der Straße von Hormus platziert werden. Der Iran kündigte wiederum „Reaktion und Bestrafung“ an.
Auch Trump drohte dem Iran immer wieder mit der Zerstörung ganzer Inseln, wie etwa Kharg Island. Letztlich kam es aber nicht dazu. So, oder so ähnlich, verlaufen die Kriegshandlungen im Iran seit Wochen. Immer wieder kommt es zu Drohungen und einzelnen Angriffen, insbesondere rund um die Straße von Hormus. Militärische Durchbrüche oder Friedensverhandlungen sind nicht zu beobachten.
Halbes Jahr Krieg
Am 28. August erreichte der von den USA und Israel gestartete Krieg gegen den Iran die Marke von sechs Monaten. Was als schneller militärischer Schlag gegen das iranische Atomprogramm geplant war, hat sich zu einem langwierigen Konflikt entwickelt.
Im Wahlkampf hatte Trump noch versprochen, die Inflation zu senken und lange Kriege zu vermeiden. Nach den gemeinsamen Angriffen mit dem verbündeten Israel argumentierte er, der Krieg sei der einzige Weg den Iran an der Entwicklung einer Atomwaffe zu hindern. „Es wird vier Wochen dauern – oder weniger“ von Trump so noch kurz nach Kriegsbeginn angekündigt, sieht sich die USA nun damit konfrontiert, dass keins der zentralen Ziele bislang erreicht wurde.
Das Ziel hinter dem Angriff
Mit dem Beginn des Krieges verfolgten die USA und Israel mehrere miteinander verbundene Ziele: Das iranische Atomprogramm sollte zerstört, die militärischen Fähigkeiten Irans sollten geschwächt und der politische Druck auf die iranische Führung massiv erhöht werden. Trump warf Teheran im Vorhinein vor, „Raketen zu bauen, die bald die Vereinigten Staaten von Amerika erreichen werden.“ Belege dafür lieferte er jedoch nicht.
Der US-Präsident hatte den Angriff zudem damit begründet, dass es eine iranische Unterstützung für bewaffnete Milizen gäbe, wie etwa die Hisbollah im Libanon. Dies, sowie das Atom- und Raketenprogramm nahm Israel zudem als existenzielle Bedrohung wahr. Laut übereinstimmenden Medienberichten war es dessen Ministerpräsident Benjamin Netanyahu, der Trump zu den Angriffen überredet hatte. Mit dem Ziel Iran zu schwächen und den eigenen Einfluss in Westasien zu verbreitern.
Hinzu kam die Hoffnung, dass eine militärische Niederlage zu einem Zusammenbruch des iranischen Regimes oder zumindest zu einer grundlegenden politischen Neuordnung führen könnte. Mittlerweile gibt jedoch auch das Pentagon zu, keinen „Demokratie-Aufbau“ im Iran durchführen zu wollen.
Insgesamt konnten die USA und Israel sehr wohl erheblichen Schaden anrichten. Iran verlor wichtige militärische Infrastruktur sowie Teile der Raketen- und Luftabwehr. Nach eigenen Angaben habe die USA etwa ein Drittel des iranischen Raketenarsenals nachweislich zerstört. Schon im Mai erklärten US-Streitkräfte, es wären 161 iranische Kriegsschiffe vernichtet und 82 Prozent der Luftabwehrsysteme ausgeschaltet.
Vor allem sollen zentrale Einrichtungen des Atomprogramms zurückgeworfen sein. Schon bei den Angriffen im Juni 2025 und zu Beginn des aktuellen Krieges wurden drei bekannte Anlagen zur Urananreicherung sowie weitere mutmaßliche Nuklearstandorte beschädigt. Israelische Angriffe töteten zudem nach eigen Angaben führende iranische Atomwissenschaftler:innen.
Nach Angaben des US-Geheimdienstes ist der Iran nun genötigt, bis zu ein Jahr an der Herstellung von ausreichend Spaltmaterial für eine Atombombe zu arbeiten. Vor dem Krieg wurde diese Zeitspanne auf sechs Monaten eingeschätzt. Unabhängig prüfen lassen sich diese Angaben nicht.
Die wahre Bilanz des Krieges
Wie der tatsächliche Zustand eines Atomprogramms ist, bleibt jedoch ungewiss, da UN-Inspektor:innen keinen Zugang zu diesen Anlagen haben. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) konnte den Verbleib von angereichertem Uran seit den Angriffen im Jahr 2025 nicht überprüfen. Die These der USA und Israels ist, Uran könnte im Geheimen weiter angereichert werden. Der Iran bestreitet derweil weiter, überhaupt die Absicht zu haben, eine Atombombe zu bauen.
Iran hat trotz der massiven Angriffe seine Fähigkeit zur Gegenwehr noch immer nicht verloren. Das bedeutet, keines der gesetzten Ziele der USA wurde bisher wirklich erreicht. Die iranische Regierung ist in neuer Besetzung weiterhin im Amt und der Deal vom Juni ist geplatzt. Die Straße von Hormus ist nicht frei und die daraus resultierenden hohen Ölpreise und die Inflation haben auch die USA getroffen. Und das alles, während die politische Opposition Irans noch mehr am Boden liegt als zuvor.
Trumps Hoffnung, die Bombardierungen würden eine Revolte gegen das Regime entfachen, hat sich nicht erfüllt. Stattdessen verschärfte der Krieg die schon herrschende Wirtschaftskrise und hinterlässt tausende Tote. Die genauen Opferzahlen sind umstritten. Die unabhängige Organisation für Menschenrechte Hengaw registrierte nach 18 Tagen bereits 5.300 Tote, die HRANA (Human Rights Activists New Agency) berechnet 3.636. Darunter 1.701 Zivilisten, und mindestens 254 Kinder.
Aus Angst vor möglichen Protesten, hat die iranische Regierung die Repressionen gegen die die eigene Bevölkerung erhöht. Es kam seit Kriegsbeginn offenbar verstärkt zu Hinrichtungen, die Zahlen sind merklich gestiegen.
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Hohe Kosten für die USA
Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters hat das US-Militär die weltweiten Vorräte an spezifischen Präzisionsraketen nahezu vollständig aufgebraucht. Um die Kosten des Iran-Konflikts zu bewältigen und militärische Vorräte aufzufüllen, hat die Trump-Regierung beim US-Kongress Gelder in Höhe von mehreren Milliarden Dollar beantragt. Das Pentagon weist Berichte über knappe Waffenreserven jedoch weiter zurück und verweigert jeden offiziellen Kommentar.
All dies ging einher mit Wahlergebnissen, die im Vergleich mit Zeiten des Vietnamkrieges eine Unzufriedenheit in der Bevölkerung zum Krieg zeigt. Nur 31 Prozent der US-Amerikaner:innen unterstützen den Krieg. Selbst zum Afghanistan-Krieg blieb der Zuspruch dauerhaft bei über 50 Prozent.
Die Beliebtheit Trumps fällt auf 33 Prozent und damit auf einen Tiefpunkt in seiner Präsidentschaft. Der Krieg erhöht die Energiepreise und damit genau jene Kosten, deren Senkung Trump im Wahlkampf versprochen hatte. Trump versucht dennoch den Krieg als Erfolg darzustellen und seine eigenen Fehleinschätzungen zu überspielen. Ein neuer Schuldenrekord von 40 Billionen Dollar verschlimmert die Lage weiter. Die Treiber für diesen Höchststand sind neben dem Iran-Krieg Trumps Steuersenkungen und die hohen Ausgaben für ICE.
Und trotz alldem präsentiert sich der US-Präsident online, mit Flugzeugträger, Kampfflugzeugen und US-amerikanischen Flaggen unterstützt, als Gewinner. Er behauptet gegenüber Reportern am Donnerstag: „Es gibt nicht viel zu besprechen“. Trump lehne ein Interesse an Verhandlungen mit dem Iran ab, behauptet stattdessen realitätsfern: „Wir wollen nicht mit ihnen sprechen; wir wollen uns nicht treffen oder so. Die Meerenge ist offen Millionen und Millionen Barrel Öl kommen jeden Tag aus der Meerenge.“
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Die Waffenruhe aus dem Juni scheiterte schnell
Am 17. Juni vereinbarten die USA und Iran unter Vermittlung Pakistans in Islamabad eine Waffenruhe. Das Abkommen sollte eine 60-tägige Phase für weitere Verhandlungen einleiten und neben der Einstellung der Kampfhandlungen auch die Wiederaufnahme des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus ermöglichen.
Im Gegenzug waren unter anderem eine Aufhebung beziehungsweise Lockerung der US-Sanktionen, der Zugang zu eingefrorenen iranischen Geldern und ein Wiederaufbauprogramm für Iran vorgesehen. Die ungenaue Formulierung zahlreicher Vertragsklauseln führte jedoch zu massiven Disputen. Schon wenige Tage nach der Vereinbarung begann diese auch schon zu zerfallen.
Streitpunkt war vor allem die Frage, wer die Kontrolle über den Seeverkehr durch die Meerenge behält. Das geschah nachdem der Iran Schiffe attackierte, die vom vorgeschriebenen Kurs abgewichen waren. Darauf nahmen die USA ihre Luftschläge gegen den Iran wieder auf, was wiederum iranische Gegenangriffe auf US-Stützpunkte nach sich zog.
Trump erklärte das Abkommen schon Anfang Juli für beendet. Am 17. August lief das 60-Tage-Memorandum schließlich offiziell aus. Damit ist auch der bisher wichtigste Versuch gescheitert, den Krieg noch auf einen diplomatischen Weg umzuleiten. Seitdem gibt es zwar weiterhin Vermittlungsversuche, einen neuen direkten Verhandlungsprozess zwischen Washington und Teheran gibt es jedoch bislang nicht.
Unterdessen drohte Trump auch dem Oman: „Wenn der Oman uns in die Quere kommt, werden wir sie in Grund und Boden bombardieren.“ Der Oman soll derzeit mit dem Iran klären, wie die Schifffahrt künftig durch die Straße von Hormus geregelt sein soll – das iranische Korps der Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) sagte am Mittwoch, die beiden Länder hätten sich auf den Anteil jedes Landes an den Gewässern und alle Einnahmen aus der Verwaltung der Wasserstraße geeinigt.
Iran macht eine Öffnung unter anderem von Zugeständnissen der USA abhängig. Die Meerenge wird nicht wieder geöffnet, es sei denn, die Seeblockade wird beendet. Iranische Vermögenswerte im Ausland sollen freigegeben werden und die Ölsanktionen gestoppt werden.
Strategiewechsel der USA
Nachdem die militärische Gewalt Iran nicht zur Aufgabe gezwungen hat, setzt die US-Regierung nun auf ein Strategiewechsel: US-Finanzminister Scott Bessent kündigte einen wirtschaftlichen „D-Day“ gegen Iran an. „Wirtschaftskrieg und Isolation in einem beispiellosen Ausmaß“, lobte Trump das Vorgehen.
Es bleibt jedoch ungewiss ab wann die Sanktionen gegen Irans Handelspartner tatsächlich in Kraft treten. Ohnehin ist Teheran bereits mit massiven Strafmaßnahmen konfrontiert und fast vollständig vom globalen Finanzmarkt abgeschottet. Wer bleibt, ist China. Als der entscheidende wirtschaftliche Partner hat China einer Ausweitung der US-Sanktionen gegen chinesische Unternehmen gewarnt und mit Gegenmaßnahmen gedroht.
Washington kann zwar versuchen, chinesische Unternehmen über sogenannte Sekundärsanktionen zu bedrängen, aber sobald Washington chinesische Unternehmen ins Visier nimmt, wird aus dem Wirtschaftskrieg gegen Iran zunehmend ein Konflikt mit China. China wiederum kann seine Position ausbauen, ohne selbst direkt in den Krieg einzutreten. Es kann iranisches Öl weiter beziehen, wirtschaftliche Beziehungen aufrechterhalten und sich gleichzeitig als Befürworter einer diplomatischen Lösung präsentieren.
Angesichts knapper Waffenbestände und der enormen Kosten des Krieges bleibt den USA jedoch ohnehin kaum eine andere Wahl, als ihre Strategie neu auszurichten. Denn auch der Versuch, zeitgleich zum Krieg gegen den Iran Chinas Einfluss zurückzudrängen, ist bislang nicht aufgegangen.
Kein Kriegsende in Sicht
Wie der Krieg endet, bleibt damit offen: Entweder gelingt es einer Seite, den wirtschaftlichen und politischen Zwang soweit zu erhöhen, dass die andere zu Zugeständnissen gezwungen wird, oder der Konflikt zieht sich weiter in die Länge. Wie auch in Afghanistan, droht den USA der nächste „Endless War“ in Asien. Für allen Seiten bringt der weitergeführte Krieg vor allem steigende Preise. Die Bevölkerung muss bei der Finanzierung eines Krieges mithelfen, dessen Kosten sie mit ihren Steuern, ihrer Existenzsicherung und womöglich ihrem Leben tragen müssen.
So leidet Iran an einer massiv ansteigenden Inflation und Lebensmittelknappheit. Insbesondere Lebensmittelpreise erreichen nach Angaben der Weltbank ein historisches Hoch von 99 Prozent Preissteigerung in einem Jahr. Auch die iranische Regierung räumte mittlerweile öffentlich wirtschaftliche Probleme ein.
Das stärkt jedoch das Regime nur weiter und reduziert die Aussichten für ein Abkommen, erklärte Mehrdad Sepahvand, ein ehemaliger Wirtschaftsberater der iranischen Zentralbank. „Die Hardliner im Staat nutzen die Situation tatsächlich aus und das macht es schwieriger, eine Einigung mit den USA zu erzielen.“
Die Belastung fällt unterdessen auf einkommensschwache Iraner:innen und die jungen Menschen, die mit steigenden Preisen, verschwindender Infrastruktur und etwa einer Million verlorenen Arbeitsplätzen konfrontiert sind, sagte er. Beide Seiten werden Zugeständnisse machen müssen, die sie nicht machen wollen und aktuell glaubt keiner, dass die Kosten für diesen Frieden sich lohnen.
„Der Konflikt lässt sich in einem Zermürbungskrieg nieder und die Aussichten für eine Verhandlungslösung sind düster“, erklärte Allison Minor, die ehemalige Direktorin für Angelegenheiten der Arabischen Halbinsel im Nationalen Sicherheitsrat unter Donald Trump. „Beide Seiten scheinen zu denken, dass die Zeit auf ihrer Seite ist und dass sie in der Lage sein werden, bessere Bedingungen zu sichern, da die andere Seite durch wirtschaftlichen und politischen Druck abgenutzt ist.“
„Shield of the Americas“: USA formieren imperialistisches Militärbündnis gegen China
Die Einflusssphäre der imperialen Mächte verschiebt sich
Der US-Iran-Krieg zeigt damit auch die Grenzen der amerikanischen Macht. Die USA können ihre Kräfte nicht mehr beliebig an mehreren Fronten gleichzeitig einsetzen. Für den Krieg gegen den Iran mussten militärische Kapazitäten und große Mengen an Munition aus anderen Regionen her.
Inzwischen wurde sogar der letzte US-Flugzeugträger aus Asien abgezogen, wodurch dort eine Lücke entsteht. Ausgerechnet in der Region, in der Washington China entgegen treten will. Die US-Hegemonie bleibt zwar weitestgehend bestehen, wird aber zunehmend herausgefordert. Und die USA kann nicht mehr überall bestimmen, wie sich die Weltordnung verschiebt. Auch wenn Trump es weiter behauptet.
Die bisherige US-dominierte Weltordnung gerät zunehmend ins Schwanken. Keine der großen Mächte kann ihre Interessen mehr völlig unabhängig von den anderen durchsetzen. Stattdessen werden weltweit neue Bündnisse geschlossen, Einflussgebiete abgesichert und militärische Kapazitäten ausgebaut. Die weltweiten Militärausgaben sind bereits das elfte Jahr in Folge gestiegen. 2025 wurden insgesamt rund 2,9 Billionen US-Dollar für das Militär ausgegeben, während insbesondere Europa und Asien ihre Ausgaben massiv erhöhen. Auch die Wehrpflicht soll in vielen Ländern wieder eingeführt werden.
Die zunehmende Aufrüstung ist dabei kein zufälliges Nebeneinander einzelner Konflikte. USA und China ringen um die Vorherrschaft im Indopazifik. Russland und die NATO stehen sich in Europa gegenüber und in Westasien wird nun schon viel länger um die Kontrolle strategischer Handels- und Energierouten gekämpft.
Die imperialistischen Mächte bereiten sich zunehmend auf eine Welt vor, in der die bisherigen Kräfteverhältnisse nicht mehr selbstverständlich sind. Die Gefahr besteht deshalb nicht nur in Eskalation regionaler Konflikte, sondern zunehmender Militarisierung in Konkurrenz zwischen den Großmächten. Bis hin zur der offener Vorbereitung und Ausübung von Kriegen um die Neuaufteilung von Einfluss- und Machtsphären.

