Hitzewelle in NRW: Historische Waldbrände und Rekord-Tiefstand am Rhein

Die Hitzewelle der vergangenen Woche hat neue Rekorde gebrochen: NRW erlebte den größten Waldbrand seiner Geschichte, der Wasserpegel des Rheins sank auf einen neuen Tiefpunkt. Die Auswirkungen der Klimakrise werden nun auch in Deutschland immer spürbarer.

In Nordrhein-Westfalen geht eine Woche mit extremer Hitze und Trockenheit zu Ende. Das Bundesland erlebte dabei den größten Waldbrand seiner Geschichte. Weitere Schwierigkeiten bringt die Situation am Rhein mit sich – die Pegel des Flusses befinden sich aktuell auf einem Rekord-Tiefstand.

Aufgrund der möglichen Ausbreitung eines enormen Brandes in Belgien über die deutsche Grenze hinweg waren Bewohner:innen der nordrhein-westfälischen Stadt Monschau zunächst von einer Evakuierung bedroht. Nachdem die Feuerwehr am Sonntagmittag Entwarnung gab, wurden am späten Abend dennoch maximal 30 Menschen in Monschau aus ihren Häusern evakuiert.

Im wenige Kilometer entfernten Hürtgenwald wiederum erlebte Nordrhein-Westfalen den größten Waldbrand seiner Geschichte. Aufgrund der akuten Bedrohungslage mussten am Freitag über tausend Bewohner:innen des Ortsteils Gey in Hürtgenwald ihre Häuser verlassen, mittlerweile sind sie zurückgekehrt.

Während der konkrete Auslöser des historischen Waldbrands bislang ungeklärt ist, mutmaßt der NRW-Innenminister Herbert Reul, dass „irgendein Idiot das Feuer verursacht“ habe. Gleichzeitig haben auch die diesjährigen Waldbrände in Südeuropa und weiteren Teilen des Kontinents gezeigt, dass die sich verschärfende Klimakrise das Risiko und das Ausmaß von derartigen Naturkatastrophen massiv vergrößert.

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Rekord-Tiefstand im Rhein fordert Binnenschifffahrt heraus

Am Montagmorgen hat währenddessen der Pegelstand des Rheins in Düsseldorf einen neuen Tiefpunkt erreicht. Erstmals in seiner Geschichte ist er mit minus drei Zentimetern unter einen Wert von Null gesunken – zuvor war der bisherige Rekord-Tiefstand 23 Zentimeter, gemessen im Oktober 2018.

Zwar steigen die Pegel langsam, dennoch führt der Rhein aktuell so wenig Wasser wie nie. Der Fluss ist dabei essenziell für den deutschen Wasserverkehr, rund 80 Prozent des landesweiten Gütertransports auf deutschen Wasserstraßen entfallen auf den Rhein. Entsprechend hart kann dieser Umstand die Binnenschifffahrt treffen. Gleichzeitig wird die Verkehrsleistung in Deutschland weiterhin durch den Transport über die Straße und den Bahnverkehr dominiert, die Wasserstraßen spielen eine untergeordnete Rolle.

Der Chemiekonzern BASF in Ludwigshafen meldete jedoch im Zuge der Rekord-Tiefstände am Rhein bereits erste Lieferengpässe. Das Bundeskartellamt wiederum warnte vor steigenden Spritpreisen im Westen des Landes. Um den Unterbrechungen in der Binnenschifffahrt entgegenzuwirken verordneten einzelne Bundesländer Lockerungen des Sonntagfahrverbots für Lastkraftwägen, was jedoch vielfach für Kritik sorgte.

Scharfe Kritik an der Lockerung des Sonntagsfahrverbots für LKW

Dürre führt zu massiven Ausfällen in der Landwirtschaft

Nicht zuletzt hat die Hitzewelle der vergangenen Woche auch die Landwirtschaft getroffen. Der Präsident des Deutschen Bauernverbands Joachim Rukwied sprach etwa von einer „brutal angespannten“ wirtschaftlichen Lage. In Baden-Württemberg führte die Dürre gar zu einem extremen Futtermangel, weswegen das Land den Katastrophenfall für landwirtschaftliche Ökobetriebe ausrief.

Zehn Millionen Tonnen Ernteausfälle: Europäische Landwirtschaft zwischen Dürre und Krieg

Bei bei der aktuellen Dürre kann die Versorgung mit Lebensmitteln momentan durch Importe aus dem Ausland ausgeglichen werden. Gleichzeitig betreffen die Teuerungen aktuell auch weiterhin besonders die Lebensmittelpreise, was nicht zuletzt auch beim Einkauf im Supermarkt bemerkbar wird.

Außerdem betrifft die Dürre auch weitere Teile Europas: In Ungarn etwa vertrocknen Hauptanbauprodukte wie Mais, Sonnenblumen und Zuckerrüben auf den Feldern, es wird mit einem Schaden von rund einer halben Milliarde Euro gerechnet. Ähnliche Probleme zeigen sich in Frankreich und Österreich.

Die Klimakrise fordert etliche Menschenleben – und sorgt für Streit in der Regierung

Die verheerenden Auswirkungen der Klimakrise werden mittlerweile auch in Deutschland immer spürbarer. Neben den Ernteausfällen, Waldbränden und Wassertiefständen fordert die Hitze auch etliche Menschenleben: Allein in diesem Sommer hat es knapp 12.500 Hitzetote gegeben. Dem Robert-Koch-Institut zufolge seien das bereits jetzt schon deutlich mehr als in den Jahren des vergangenen Jahrzehnts.

Die SPD-geführten Ministerien haben im Zuge dessen einen Hitze-Aktionsplan vorgestellt. Dieser sieht unter anderem eine Änderung des Grundgesetzes vor, darin solle fortan eine „Gemeinschaftsaufgabe für Klimaanpassung und Naturschutz“ verankert werden. Der Vorstoß könnte für weiteren Streit in der Bundesregierung sorgen, die Union hat den Vorschlag zur Anpassung des Grundgesetzes bereits zurückgewiesen.

Darüber hinaus sind auch einzelne Sofortmaßnahmen Teil des SPD-Vorschlags. So sollen unter anderem Fassadenanpassungen von Gebäuden gefördert werden. Gleichzeitig bleibt im Großen und Ganzen dennoch unklar, wie die Bundesregierung den sich zuspitzenden Auswirkungen der Klimakrise langfristig entgegenwirken will.

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