Integration der Rojava-Selbstverwaltung in syrischen Staat zu „70 Prozent“ vollbracht

Im Zuge des Abkommens zwischen der syrischen Übergangsregierung und der Selbstverwaltung in Rojava werden zurzeit vier SDF-Brigaden in die syrischen Armee integriert. Unter die Vereinbarung fällt auch die Integration der Rojava-Universität in das staatliche Hochschulsystem. Der Auflösung der SDF und DAANES stehen jedoch noch einige Faktoren im Weg.

Nach dem Fall des Assad-Regimes, den anhaltenden Kämpfen im Jahr 2025 und Übernahme einer neuen Regierung fanden wochenlange Verhandlungen über die militärische und politische Zukunft Syriens statt.

Die islamisch-fundamentalistische Miliz Haiʾat Tahrir asch-Scham (HTS) etablierte sich als Übergangsregierung Syriens, mit dem früheren Dschihadisten Ahmad al-Scharaa an ihrer Spitze. An dem anderen Ende des Tisches saß Mazlum Abdi, SDF-Oberkommendant und die Vertreter:innen der kurdischen Selbstverwaltung im Norden und Osten Syriens (DAANES/Rojava).

Das Ergebnis der Verhandlungen war ein Abkommen im Februar 2025 (Damaskus-Abkommen), welches die Integration der kurdisch angeführten Syrian Democratic Forces (SDF) in das syrische Militär vorsah. Darüber hinaus sollen nicht nur die militärischen Institutionen, sondern DAANES als Verwaltungsorgan komplett aufgelöst werden. Damit sollen kurdische Organe in den syrischen Staat integriert werden und Teilhabe sowie Selbstbestimmung garantieren.

Verhandlungen in Damaskus: SDF sollen Teil der syrischen Armee werden

Integrationsprozess zu 70 Prozent vollbracht

Nun berichten mehrere internationale Medien über den aktuellen Stand des Abkommens und deren Umsetzung. Laut Medienberichten betont Dr. Jihan Said Hassam, Direktorin des Qamişlo-Distriktes in Rojava, dass die Auflösung der SDF kurz bevor stünde. Laut ihr habe man als ein vereintes Team zusammengearbeitet, um die Integration der verschiedenen Institutionen zu sichern.

Der Bürgermeister von Hesekê, Nourredin Ahmed, schätzt, dass rund 70 Prozent des Integrationsprozesses vollbracht sei. Darunter fallen Sektoren der Bildung, Gesundheit, Agrar und Kultur. Dem letzten Schritt – der vollständigen Auflösung der SDF sowie DAANES, stünden jedoch noch einige Faktoren im Weg. So etwa die Rückkehr intern vertriebener Menschen, Eigentumsrückkehrer und die mögliche Überarbeitung der Verfassung.

Siban Hamo, Verteidigungsminister für die Ostregion Syriens, erklärt in einem Interview, dass sich nun vier Brigaden der SDF in die Staatsarmee integrierten. Darunter Fallen die Brigaden in Kobanê, Hesekê, Qamişlo und Derik. Auf die Frage, ob die autonomen Militärstrukturen wie die Frauenverteidigungseinheiten (YPJ) oder die Volksverteidigungseinheiten (YPG) auch den Integrationsprozess durchliefen, erwiderte Hamo: „Sie allein entscheiden, welchen Schritt sie in dieser Integrationsphase gehen wollen.“

Integration der Universitäten

Die Universität in Rojava, welche 2016 in Qamişlo gegründet wurde, soll ebenfalls teil des syrischen staatlichen Hochschulsystems werden. Dafür hat die HTS-Regierung auch schon einen Fahrplan festgelegt, welchen der Minister für Hochschulwesen und Forschung, Marwan al-Halabi, vorstellte. Im ersten Schritt soll eine umfassende Bestandsaufnahme der Universität erfolgen, in der die Strukturen, die Studiengänge, die Situation der Studierenden sowie die Infrastruktur geprüft werden.

Danach sollen alle Mängel und Defizite ausgeglichen, und an den aktuellen wissenschaftlichen Standards angeglichen werden, so al-Halabi. Dabei sollen Abschlüsse und Studienleistungen der Rojava-Universität in ganz Syrien anerkannt werden.

Rojava: Was das Abkommen zwischen SDF und HTS bedeutet

Neuer Waffenstillstand und neue Regeln?

Am Ende der Angriffe der syrischen und türkischen Regierungen auf die Selbstverwaltung in Rojava Anfang 2026 kam ein neues Waffenstillstandsabkommen zustande. Dieses beinhaltete die gleichen Ziele wie das Abkommen aus dem Februar 2025, jedoch wurde darin das Fortbestehen der Frauenverteidigungseinheiten YPJ und einiger autonomer Kommandostrukturen festgehalten. Dazu gehörten die vier Brigaden, welche sich nun in die syrische Armee integrieren.

Darüber hinaus soll die kurdische Autonomie auch durch lokal eigenständige politische Verwaltungsstrukturen gesichert werden. Diese sollen innerhalb des gesamtsyrischen Staates weiterhin existieren. Demnach wäre die komplette Auflösung der DAANES nicht mehr ein festgelegtes Ziel zwischen der Selbstverwaltung und dem syrischen Staat. Ob die vollständige Integration der Selbstverwaltung in den syrischen Staat stattfinden wird, bleibt abzuwarten.

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