Nach wochenlangen Luftangriffen und einer festgefahrenen militärischen Lage zeichnet sich ein Strategiewechsel der USA im Konflikt mit dem Iran ab. Präsident Donald Trump signalisiert eine Abkehr von großflächigen Militärschlägen hin zu verstärktem wirtschaftlichem Druck. Der Iran stellt Bedingungen für die Öffnung der Straße von Hormus, während die USA unter erheblichen Problemen bei der Wiederauffüllung ihrer Waffenbestände leiden.
Der seit Ende Februar 2026 anhaltende Iran-Krieg, der mit überraschenden US-Angriffen begann, hat sich zu einem zermürbenden Konflikt entwickelt. Schon länger zeichnete sich ab, dass die USA ihre anfänglichen Kriegsziele verfehlen würden. Was als schneller Schlag gegen die iranische Führung geplant war, ist zu einem Abnutzungskampf geworden, dessen Zentrum die strategisch bedeutende Straße von Hormus ist.
Die Straße von Hormus als Schlüssel des Konflikts
Die Straße von Hormus, die Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman, ist für die Weltwirtschaft von entscheidender Bedeutung – rund 20 Prozent des weltweit gehandelten Öls passierten sie vor Beginn des Krieges. Der Iran hat sie als Antwort auf die US-amerikanischen Angriffe weitgehend für den internationalen Schiffsverkehr gesperrt und damit eine wirtschaftliche Druckwaffe eingesetzt, die weltweit spürbare Auswirkungen hat.
Die USA haben ihrerseits eine Seeblockade gegen iranische Häfen errichtet und versuchen, die Straße militärisch zu kontrollieren. Trump erklärte kürzlich, die USA hätten die Kontrolle über die Straße von Hormus und die dortigen iranischen Gelder. Die Behauptung einer vollständigen US-Kontrolle wird jedoch durch die anhaltenden Angriffe auf Handelsschiffe und den faktischen Stillstand des Öltransports widerlegt.
Iranische Vertreter stellen weitreichende Forderungen für eine Öffnung der Meerenge. Dazu gehören die vollständige Aufhebung der US-Sanktionen, die Freigabe eingefrorener iranischer Vermögenswerte und verbindliche Sicherheitsgarantien. Die USA haben diese Forderungen als überzogen zurückgewiesen.
Trumps widersprüchliche Strategie
Trump zeigt sich in seinen Äußerungen widersprüchlich. Einerseits droht er weiterhin mit massiven Militärschlägen, sollte die Straße nicht bald geöffnet werden. Andererseits signalisiert er eine Abkehr von großangelegten Angriffen und setzt verstärkt auf wirtschaftlichen Druck.
In einem Interview erklärte Trump, die USA hätten mehrere Optionen im Umgang mit dem Iran: Sie könnten die wirtschaftliche Isolation fortsetzen, bis das Land kollabiert, oder sie könnten es „wirklich, wirklich hart treffen“. Er selbst bevorzuge die wirtschaftliche Lösung, da der Iran ökonomisch ohnehin am Boden liege, so Trump. Als Belege verweist er auf die großen Preissteigerungen innerhalb des Landes sowie auf die iranische Währung Rial, welche zunehmend unter Druck steht.
Parallel dazu behauptet Trump, dass seine militärischen Schläge den Iran bereits daran gehindert hätten, eine Atomwaffe zu entwickeln, das erklärte Hauptziel der US-Intervention. Ein formelles Abkommen zur Beendigung des Krieges, das unter Vermittlung Pakistans ausgehandelt wurde, scheiterte jedoch an der Frage der Kontrolle über die Straße von Hormus.
Die Grenzen der US-Militärmacht
Ein wesentlicher Grund für die US-Rückhaltung dürfte die schwindenden Waffenbestände sein. Medienberichte und Experten des Center for Strategic and International Studies (CSIS) weisen darauf hin, dass die Raketenreserven der USA durch den Iran-Krieg massiv geschrumpft sind.
Die Bestände an Patriot-Abfangraketen sollen von geschätzten 2.330 vor dem Krieg auf weniger als 830 gesunken sein. Bei THAAD-Abwehrraketen liegt der Rückgang von 452 auf unter 278. Diese Zahlen nähren Zweifel an der militärischen Schlagkraft der USA für eine groß angelegte Offensive gegen den Iran.
Das Pentagon reagierte mit einem dringenden Appell an die Rüstungsindustrie: Der stellvertretende Verteidigungsminister Steve Feinberg gab den Unternehmen drei Wochen Zeit, um Pläne für eine drastische Beschleunigung der Waffenproduktion vorzulegen. Der Aufruf fällt in eine Zeit, in der die US-Streitkräfte bereits unter den Folgen monatelanger Kämpfe leiden. US-Kriegsminister Pete Hegseth fordert einen generationenprägenden Wandel in der amerikanischen Rüstungsindustrie, um die Versorgung der Armee sicherzustellen.
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Die Grenzen der amerikanischen militärisch-industriellen Produktion
Die Probleme der US-Streitkräfte sind nicht nur eine Frage der schwindenden Bestände, sondern auch der Produktionsstruktur. Die amerikanische Rüstungsindustrie ist auf kleine, hochwertige Stückzahlen ausgelegt, nicht auf Masse. Sie produziert keine Raketen für einen jahrelangen Krieg, sondern einzelne, teure Systeme für kurze, intensive Konflikte. Diese Produktionslogik ist Ausdruck eines imperialen Militärapparats, der für kurze, heftige Interventionen optimiert ist – oder der Androhung dieser. Gezielte, hochintensive Schläge gegen Milizen, die routinierte Patrouille von Seewegen und Feuerunterstützung durch einzelne Patriot-Raketen benötigen, erfordern grundlegend andere Produktion als ein langer Abnutzungskrieg gegen einen zähen Gegner wie den Iran.
Die strukturellen Defizite wurden in den letzten Wochen deutlich, als Berichte über die mangelnde Bereitschaft von US-Rüstungsunternehmen zur Produktion neuer Waffensysteme für die Ukraine auftauchten. Diese Unternehmen befürchten, dass durch die Produktion moderner Raketensysteme in der Ukraine deren Exklusivität und technologische Überlegenheit kompromittiert würden. Die Angst, dass die Ukraine zu viele und bessere Raketen bauen könnte, zeigt, wie sehr die Sicherheit des US-Imperiums von den Profitinteressen seiner Waffenhersteller abhängt. Und gleichzeitig, wie sehr die US-Rüstungsunternehmen eine Figur auf dem Verhandlungstisch zwischen den Ländern sind.
Private Militärtechnologie bleibt eine Schlüsselressource, während die traditionelle Rüstungsindustrie mit ihren eigenen Engpässen kämpft. Berichten zufolge haben iranische Drohnen Rechenzentren von Amazon Web Services (AWS) in Bahrain und den Vereinigten Arabischen Emiraten getroffen, ein Angriff auf die digitale Infrastruktur, die für die US-Kriegsführung in der Region unverzichtbar ist. Die Abhängigkeit der US-Streitkräfte von privaten Technologiekonzernen für Kommunikation, Aufklärung und Logistik ist im Iran-Krieg noch deutlicher zutage getreten – Amazon, SpaceX und andere Konzerne sind längst zu stillen Teilhabern der US-Kriegsführung geworden.
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Diese Entwicklung offenbart, wie sehr die US-Kriegsführung auf private Unternehmen angewiesen ist und wie verwundbar diese Infrastruktur gegenüber gezielten Angriffen ist. Die militärische und kommerzielle Raumfahrt- und Technologieinfrastruktur verschmelzen Stück für Stück weiter zu einer untrennbaren Einheit. Ein Angriff auf sie ist nicht nur ein Schlag gegen die Technologiekonzerne, sondern gegen die logistische Basis der US-Streitkräfte – ein Punkt, den der Iran mit seinen Drohnenangriffen auf AWS-Rechenzentren gezielt adressiert hat.
Strategiewechsel ohne Ausblick
Die derzeitige Situation gleicht der Pattsituation vom Frühjahr, die schließlich zu dem gescheiterten Memorandum von Islamabad führte. Die USA können die Straße von Hormus nicht vollständig kontrollieren, aber auch nicht aufgeben – die wirtschaftlichen und geopolitischen Kosten wären zu hoch. Der Iran wiederum zeigt sich bereit für Verhandlungen, stellt jedoch natürlich Forderungen, die ein Durchsetzen der amerikanischen Politik gegenüber dem Iran verhindern oder erheblich erschweren.
Trump versucht derweil, die widersprüchliche Lage als Teil eines „Schachspiels“ zu interpretieren, das er zu gewinnen gedenkt. Die anhaltenden Attacken auf Handelsschiffe und die widersprüchlichen Aussagen beider Seiten lassen jedoch eine schnelle Lösung nicht erwarten. Der Iran-Krieg bleibt ein zermürbender Konflikt, in dem beide Seiten ihre militärischen und wirtschaftlichen Grenzen offenbaren.

