Die kurdisch geführten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) haben am 25. August 2026 ihre Auflösung als eigenständige Militärorganisation erklärt. Ihre Kämpfer:innen und Institutionen sollen künftig in den syrischen Staat integriert sein.
Mazloum Abdi, der ehemalige Oberbefehlshaber der Demokratischen Kräfte Syriens (SDF), erklärte im Präsidentenpalast in Damaskus das „Ende der Mission“ des Militärbündnisses und ihre Auflösung als unabhängige militärische Kraft. Die SDF waren der militärische Arm der Selbstverwaltung von Rojava in Nordost-Syrien. Nach Abdis Darstellung sei die Eingliederung der Einheiten in Brigaden der syrischen Armee abgeschlossen.
Verhandlungen in Damaskus: SDF sollen Teil der syrischen Armee werden
Institutionen der Selbstverwaltung von Rojava sollen außerdem in staatliche Behörden übergehen. Der syrische Staat soll die Kontrolle über Einrichtungen wie Gefängnisse, Ölstandorte und Grenzübergänge im Nordosten übernehmen.
Wer waren die Demokratischen Kräfte Syriens?
Die SDF entstanden im syrischen Bürgerkrieg und wurden vor allem von kurdischen Kräften getragen, hauptsächlich die Volksverteidigungseinheiten YPG und Frauenverteidgungseinheiten YPJ. Das Militärbündnis hat den wichtigsten Beitrag zur Zurückdrängung des sogenannten Islamischen Staates in Syrien geleistet und kontrollierte zeitweise etwa ein Viertel des Landes, hauptsächlich im kurdisch geprägten Nordosten Syriens. Dort entstanden zugleich eigene militärische, zivile und administrative Strukturen, bekannt als Selbstverwaltung von Rojava.
Integration der Rojava-Selbstverwaltung in syrischen Staat zu „70 Prozent“ vollbracht
Nach dem Sturz von Baschar al-Assad Ende 2024 und dem Machtantritt der Übergangsregierung unter Ahmad al-Sharaa verschob sich das Kräfteverhältnis. Die SDF verloren im Januar 2026 nach einer Regierungsoffensive große Gebiete und vereinbarten anschließend mit der Übergangsregierung in Damaskus einen Eingliederungsprozess.
Die Auflösung bedeutet deshalb nicht zwingend, dass alle bisherigen Kämpfer:innen ihre militärische Funktion verlieren. Entscheidend ist vielmehr: Sie sollen nicht länger einer autonomen SDF-Kommandostruktur unterstehen, sondern dem syrischen Staat beziehungsweise dessen Verteidigungsministerium zugeordnet werden.
Ranghohe Posten für ehemalige SDF-Politiker:innen in Aussicht
Berichte nennen eine mögliche Ernennung von Mazloum Abdi zum Berater für kurdische Angelegenheiten von Präsident al-Sharaa. Damaskus hatte diese Personalie zunächst jedoch nicht offiziell bestätigt.
Ilham Ahmed, Außenbeauftragte der Autonomen Verwaltung Nord- und Ostsyrien und ranghohe politische Vertreterin der Selbstverwaltung, soll nach Berichten einen Platz in der syrischen Parlamentsverwaltung erhalten. Auch dazu gibt es derzeit keine offizielle Bestätigung seitens der syrischen Übergangsregierung.
Bei der YPJ – den Frauenverteidigungseinheiten – bleiben wichtige Fragen offen. Präsident al-Sharaa traf in Damaskus neben weiteren politischen und militärischen Repräsentant:innen aus Rojava auch die YPJ-Kommandantin Newroz Ahmed, um ihre Rolle in der nächsten Phase der Integration zu besprechen. Demnach sollen die YPJ Teil des syrischen Innenministeriums werden und als Anti-Terror-Einheiten eingesetzt werden.
Reaktionen aus Damaskus und offene Fragen
Al-Sharaa selbst empfing Abdi, Ilham Ahmed und Vertreter:innen von YPG und YPJ am 25. August in Damaskus. Seine Regierung stellt die Einigung als Bestandteil eines umfassenden staatlichen Integrationsprozesses dar: Bewaffnete Gruppen und parallele zivile Strukturen sollen unter staatliche Institutionen fallen.
Trotz der formellen Auflösung ist die Umsetzung politisch nicht abgeschlossen. Offen bleiben insbesondere der tatsächliche Befehlskanal der früheren SDF-Einheiten, der Status der YPJ, die Verwaltung kurdischer Gebiete, die Kontrolle über IS-Gefangene und die konkrete Absicherung kurdischer Rechte.
Abdi verwies jedoch auf Zusagen zu kurdischsprachiger Bildung. Bereits während früherer Verhandlungen hatte al-Sharaa zudem Maßnahmen zu kurdischen Rechten angekündigt, darunter die Anerkennung der Kurdischen Sprache neben Arabisch im Nordosten des Landes sowie die Wiederherstellung der Staatsbürgerschaft für viele zuvor staatenlose Kurd:innen im Gouvernement Hasaka. Ob diese Zusagen dauerhaft rechtlich und institutionell abgesichert werden, wird darüber entscheiden, ob die Integration als politische Einigung standhält.

