Nachdem Paula Maier am Mittwoch ihre Erfahrungen von sexualisierter Gewalt in türkischer Abschiebehaft öffentlich machte, gingen bundesweit hunderte Menschen auf die Straße und solidarisierten sich mit ihr. In den kommenden Tagen sind weitere Aktionen geplant.
„Staaten politisieren unsere Körper, und es liegt an uns, sie uns wieder zurückzunehmen. Die Scham muss die Seite wechseln.“ Mit diesen Worten der Aktivistin Paula Maier beginnt ein am Mittwoch veröffentlichtes Video, in dem sie über ihre Erfahrungen mit Repression und sexualisierter Gewalt berichtet. Maier beschreibt darin Repressionen durch die Behörden des türkischen Staates als Reaktion auf die internationalistische Delegation, an der sie sich Anfang des Jahres beteiligte. Ziel der Delegation war es, in Zeiten, in denen die Rojava-Revolution massiv angegriffen wurde, internationale Solidarität mit dem Kampf um Demokratie und Frauenbefreiung zu zeigen.
In dem Video schildert Maier, dass sie durch die türkischen Polizisten sexualisierte Gewalt erfuhr und von einem türkischen Beamten in einer Einzelzelle vergewaltigt wurde. Maier spricht davon, dass sie diese Erfahrung mit vielen weiteren Frauen teile, und sagt: „Es liegt an uns allen, diese Erfahrungen in eine Geschichte des Widerstands zu entwickeln.“
Noch am selben Tag gingen bundesweit zahlreiche Kräfte auf die Straße, um ihre Wut über die Repressionen und ihren entschlossenen Kampf dagegen auszudrücken.
Auch in der Videobeschreibung ist zu lesen: „Wir halten der Repression unsere entschlossene Frauensolidarität entgegen. Wir rufen euch alle auf, euch an Aktionen zu beteiligen. Eure Gewalt bricht uns nicht – unsere Körper, unser Kampf.“
Bundesweite Reaktionen
In Leipzig gab es am Tag der Veröffentlichung der Tat eine Kundgebung, an der sich verschiedene Kräfte beteiligten. In einem Redebeitrag ordnete eine Rednerin die geschlechtsspezifische Repression wie folgt ein: „Solche Erfahrungen sind leider keine Einzelfälle. Der Staat nutzt Repressionen, um uns klein zu halten, zu vereinzeln und einzuschüchtern. Doch eines zeigt uns diese Repression: Der Staat hat Angst vor uns und sieht uns als die kämpferische Kraft an, die wir Frauen sind!“
Im Anschluss zog die Menge dann spontan bis zum Gebäude der Leipziger Volkszeitung (LVZ) mit der Forderung, die Geschichte von Paula zu verbreiten.
In Köln gab es ebenfalls einen spontanen Aufzug, nachdem am Mittwoch eine Kundgebung mit kämpferischen Redebeiträgen an Kalk Post abgehalten wurde. Dort konnten Frauen einen Abdruck ihrer Hände auf ein Banner mit dem Schriftzug „Dieser Staat schützt mich nicht, meine Schwestern schützen mich!“ als ein Zeichen der Verbundenheit im Kampf gegen patriarchale Gewalt setzen. Die spontane Demonstration zog selbstbestimmt die Kalker Hauptstraße entlang.
Wütend und entschlossen zogen Frauen auch in Stuttgart durch die Straßen – dort allerdings vor das türkische Konsulat. Sie brachten dort einen Aushang mit der Aufschrift „Türkei mordet, foltert, vergewaltigt, Deutschland unterstützt, Eure Gewalt bricht uns nicht – unsere Körper, unser Kampf!“ an. Im Laufe der Aktion wurden auch Parolen mit Schablonen auf die Straße gesprüht. Auch in Hamburg gab es eine Kundgebung vor dem türkischen Konsulat.
In Berlin kamen am Mittwochabend etwa 100 Personen am Kottbusser Tor zusammen. Bei der Kundgebung berichtete auch eine andere Person, die Teil der Delegation nach Rojava war, von ihren eigenen Erfahrungen.
Auch in Essen zog eine Demonstration durch die Innenstadt. In Düsseldorf und Gelsenkirchen gab es jeweils eine Kundgebung mit Aushängen und Graffiti. In Chemnitz wurden bei der Kundgebung Laminate ausgehängt, und es wurde ein revolutionärer Halay-Tanz getanzt.
Weitere Aktionen ausstehend
In Frankfurt wurde während der Kundgebung zu einer Demo gegen sexualisierte Gewalt aufgerufen, die am 24. August um 18 Uhr am Hauptbahnhof Kaisersack stattfinden wird.
Auch weitere Aktionen stehen noch aus: In Regensburg und Hannover werden am 15. August Aktionen in Solidarität mit Paula stattfinden. Einen Tag später, am Samstag, gibt es eine Kundgebung in Sangerhausen, und am 19. August gehen in Halle die Menschen auf die Straßen und veranstalten eine Demonstration.

