Nach zehn Jahren Leerstand: Hamburger Holsten-Areal soll endlich neubebaut werden

Im Hamburger Stadtteil Altona wechselte eine hektargroße Brachfläche wieder einmal den Besitzer. Doch anders als in den letzten zehn Jahren soll dort nun tatsächlich Wohnraum entstehen. Mieter:innenverbände üben trotzdem scharfe Kritik an dem Vorhaben.

Für Jahrzehnte wurde in Altona die Biermarke Holsten gebraut. Im Jahr 2016 wurde das 8,6 Hektar große Gelände der Holsten-Brauerei verkauft. Der Senat der Hansestadt hätte hierbei das Vorkaufsrecht gehabt, doch wurde dieses nicht genutzt.Folglich gelangte das Holsten-Quartier in Investorenhand. Die Großfläche inmitten eines angesagten Viertels in einer der reichsten Städte Deutschlands wechselte anschließend immer wieder den Besitzer. Bis zuletzt gehörte das Gelände dem Immobilienkonzern Adler Group.

In all dieser Zeit blieb das Areal ungenutzt, obwohl die Hamburger:innen dringend bezahlbaren Wohnraum gebrauchen könnten. Der Grund für den Leerstand war die profitable Bodenspekulation: beim ursprünglichen Verkauf im Jahr 2016 lag der Wert noch bei 65 Millionen Euro, in den Bilanzen der Adler Group war das Gelände mit als stark übertrieben geltenden 360 Millionen Euro verbucht. Auch wenn der reale Wert eher bei 130 bis 180 Millionen Euro liegen dürfte, handelt es sich dennoch um ein lukratives Geschäft.

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Dies gilt umso mehr für die Art und Weise, auf der die Inhaberwechsel durchgeführt wurden. Verkauft wurden nämlich nicht direkt das Grundstück selbst, sondern Firmenanteile, die mit dem Besitz des Areals einhergehen. Somit konnten das Vorkaufsrecht der Stadt wie auch die Grunderwerbssteuer umgangen werden.

Neue Wohnungen, aber nur für Reiche?

Nach zehn Jahren gibt es nun endlich Hoffnung auf ein Ende von Leerstand und Spekulation: Die Adler Group veräußerte Anfang des Jahres das Holsten-Areal an ein Konsortium mehrerer Unternehmen. Beteiligt sind die Unternehmen Quantum, die Versicherungsgesellschaft Hanse Merkur, die Hamburger Sparkasse (Haspa) und das kommunale Immobilienunternehmen SAGA. Diese Firmen planen nun, eine Milliarde Euro investieren und 2.000 neue Wohnungen bauen zu wollen, wobei die historische Bausubstanz der Brauerei erhalten werden soll.

Die SAGA wiederum verspricht, dass die Hälfte dieser Wohnungen vergünstigte Sozialwohnungen oder Apartments für Studierende oder Auszubildende werden sollen. Die andere Hälfte soll allerdings dem freien Markt überlassen werden, dessen hohe Mietpreise für viele Hamburger:innen unerschwinglich sind. Schätzungen zufolge würde aufgrund der durch die Spekulationen gestiegenen Renditeerwartungen der Mietpreis pro Quadratmeter 19,90 Euro kalt betragen.

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Kritiker:innen werfen der Stadt Hamburg vor, ihre Möglichkeiten zur Schaffung bezahlbaren Wohnraums in Bezug auf das Holsten-Areal nicht genügend zu nutzen. Im Jahr 2022 hatte sich der Senat noch mit der Initiative „Keine Profite mit Boden und Miete“ auf die Errichtung von 1.000 geförderten Wohnungen jährlich geeinigt, die jeweils mit einer Mietpreisbindung von 100 Jahren ausgestattet sein sollten. Die übliche  Bindungsdauer von 30 Jahren bei regulären Sozialwohnungen würde nämlich die Verdrängung der ärmeren Altonaer:innen nicht verhindern können.

Gegen die Pläne des Senats aus SPD und Grünen hatte sich auch die Initiative „[Holsten] Knallt am dollsten“. In den letzten Sätzen ihres Selbstverständnisses werden folgende Ziele benannt: „Wir werden uns weiter für ein lebenswertes Holstenareal für alle einsetzen und uns mit gleichgesinnten Initiativen vernetzen. Unser Engagement folgt der Vision einer freien Stadt der Zukunft, die an den Bedürfnissen der Menschen und nicht am Ziel der Profitmaximierung orientiert ist.“

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