Tech-Milliardär Peter Thiel steigt mit Millioneninvestitionen beim größten argentinischen Öl-Exporteur ein. Neben günstigen Investitionsbedingungen und geringem Umweltschutz lockt ihn vor allem die Vision eines argentinischen Silicon Valley.
Der US-amerikanische Tech-Milliardär Peter Thiel hat sich große Anteile am argentinischen Ölkonzern Vista erkauft. Der Mitgründer von PayPal und Palantir hält beim größten Öl-Exporteur Argentiniens nun Aktien im Wert von 76 Millionen US-Dollar. Thiel verlagert sich in letzter Zeit allgemein immer mehr nach Argentinien und intensiviert seine lange bestehende Beziehung zum neoliberalen Präsident Javier Milei und seiner Riege. Erst kürzlich kaufte er eine Villa im Reichen-Viertel von Buenos Aires.
Milei vertritt ein extrem neoliberales Lager und steht für eine möglichst unregulierte Wirtschaft ein. Seit seiner Wahl im Jahr 2023 setzte seine Regierung etliche Gesetze und Dekrete durch, um Argentinien wirtschaftlich zu öffnen. Vor allem für ausländisches Kapital wird Argentinien immer mehr zum Paradies, Investitionen aus dem Ausland sind einfacher denn je.
Trotz großen Generalstreiks boxte Milei den Abbau von diversen Rechten der Arbeiter:innen durch und führte den 12-Stunden-Tag wieder ein. Gleichzeitig verfügte er, dass das argentinische Militär auch im Inneren eingesetzt werden kann, um den Widerstand gegen die Politik seiner Regierung niederzuhalten. All das sind Schritte, um sich dem US-Imperialismus anzunähern und an Investitionen zu kommen. Für US-Investor:innen sind neben den geringen Arbeiter:innenrechten auch die niedrigen Steuern und der kaum vorhandene Umweltschutz treibende Faktoren.
Milei setzt 12-Stunden-Tag durch, während Generalstreik Argentinien lahmlegt
Tech-Zone ohne Regeln
Das sind Gründe genug für Peter Thiel, sich immer mehr auf Argentinien zu konzentrieren. Dem Gründer von Palantir schwebt aber noch viel mehr in dem südamerikanischen Land vor. Die geringe Regulierung von Künstlicher Intelligenz und Steueranreize für KI-Unternehmen bieten dem Kapital noch viel mehr Möglichkeiten. Thiel plant eine KI- und Tech-Zone ähnlich dem US-amerikanischen Silicon Valley zu errichten. Für das Geschäft mit KI werden in Zukunft immer mehr Platz und Ressourcen benötigt, um den steigenden Anforderungen und dem Konkurrenzkampf gerecht zu werden.
In den USA, die nach wie vor die größten KI- und Softwareanbieter beheimaten, regt sich langsam aber sicher Widerstand gegen die riesigen Datenzentren. Nicht nur kommen die lokalen Stromanbieter nicht mehr hinterher, die Firmen mit Strom zu versorgen, auch die Anwohner:innen leiden immer mehr und beginnen sich zu wehren. Durch die benötigten Kühlanlagen und die Notstromversorgung der Rechenzentren entsteht eine enorme Lärmbelastung, die noch deutlicher wird, wenn die Anlagen teils nur wenige hundert Meter von Wohngebieten errichtet werden.
Die Argentinier:innen sollen für US-Profite leiden
Geht es nach Thiel, sollen diese Probleme jetzt nach und nach einfach auf die argentinischen Arbeiter:innen ausgeweitet werden. Sie werden nicht nur unter der Lärmbelästigung und dem Mangel an Strom und Wasser leiden. Der Klimawandel als Folge der kapitalistischen Wirtschaftsweise sorgt schon jetzt für immer mehr Umweltkatastrophen in Argentinien – Probleme, die sich durch die neuen Maßnahmen nur verstärken werden. Proteste gegen die zerstörerische Politik in Argentinien wurden in der Vergangenheit immer wieder niedergeschlagen.
Sollten die Pläne Thiels Früchte tragen, könnten in der Zukunft weitere Tech-Kapitalisten folgen. Dennoch ist es unwahrscheinlich, dass größere Teile des US-Kapitals das Land verlassen. Immerhin bereiten sich die USA vor, für genau dieses Kapital in den Krieg zu ziehen. Die Kapitalisten hinter den Unternehmen machen es sich aber jetzt schon gemütlich, indem sie sich für alle Eventualitäten absichern.

