Aufgrund der vergangenen Hitzewelle erreichte der Wasserpegel des Rheins einen historischen Tiefstand. Neben Produktionsketten, die dadurch gestört werden, steigen die Kosten unter anderem aufgrund von Spritpreisen erneut an.
Bereits vor mehreren Wochen wurde Deutschland von einer Hitzewelle durchzogen. Auch in den letzten Tagen lagen über Tage hinweg hohe Temperaturen, die auch an die 40 Grad kratzten. Dieser Umstand forderte bereits in diesem Jahr knapp 12.500 Hitzetote. Neben den unmittelbaren Folgen für die Gesundheit wirkt sich die anhaltende Hitze aktuell auch auf wirtschaftliche Faktoren stark aus.
Die Hitzewelle hat unter anderem zu neuen Rekord-Tiefständen im Rhein geführt. Am Montag, dem 17. August, wurde bei Düsseldorf ein Wasserpegel von minus drei Zentimetern festgestellt. Zum ersten Mal jemals liegt dieser damit unter Null.
Hitzewelle in NRW: Historische Waldbrände und Rekord-Tiefstand am Rhein
Dass der Wasserpegel kurze Zeit unter Null gesunken ist, bedeutet jedoch nicht direkt, dass der Rhein am Montag vollständig trockengelegt war. Weiterhin hatte man, trotz eines Pegels von minus drei Zentimetern, in der Mitte des Flusses eine tatsächliche Wassertiefe von knapp 1,6 Metern. Der Wasserpegel orientiert sich nämlich nicht an der absoluten Tiefe des Wassers, sondern an einem Vergleichspunkt. Dennoch ist dieser Wert nicht bedeutungslos und hat tatsächliche Folgen.
Durch die fehlende Tiefe des Wassers müssen Transportschiffe leichter beladen werden. Sie können nicht mehr dieselbe Last transportieren, was Lieferketten auseinanderzieht, Engpässe hervorrufen kann und auch besonders den Treibstoffverbrauch nach oben treibt.
Warum ist der Rhein so bedeutend?
Der Rhein spielt eine wichtige Rolle im deutschen Binnenschiffsgüterverkehr. Ungefähr 80 Prozent des landesweiten Gütertransports auf deutschen Wasserstraßen laufen über den Rhein. Probleme auf diesem Transportweg haben daher eine recht große Wirkung. Bei dem Chemiekonzern BASF in Ludwigshafen ist es bereits zu Lieferengpässen gekommen.
Die Schifffahrt spielt allgemein im Güterverkehr jedoch nur eine geringe Rolle. Lediglich rund sieben Prozent der landesweiten Transport- und Verkehrsleistung werden über Wasserwege gefahren. Zu großen Teilen läuft der Güterverkehr über Straßen und Bahnen, weswegen der niedrige Wasserpegel recht gut kompensiert werden kann.
Die Schifffahrt ist aktuell allerdings zentral beim Transport von wichtigen Gütern, die am Anfang von zahlreichen Produktionsketten stehen. Darunter zählen unter anderem Kohle, Mineralölprodukte, Erze, Baustoffe, Chemikalien und Getreide, aber auch Naphtha und Gasöl. Naphtha und Gasöl sind wichtige Bestandteile in der Gewinnung von Benzin und Diesel. Das führt damit auch zu einem weiteren Problem, das ein niedriger Wasserpegel mit sich bringt: Das Bundeskartellamt warnt bereits vor steigenden Spritpreisen im Westen des Landes.
Ausweichen aufs Land ist keine langfristige Option
In großen Teilen findet der Transport bereits übers Land statt, weswegen die Frage aufkommen kann, warum man nicht diesen letzten Rest auch übers Land verfrachten kann. Doch bislang bleiben die deutschen Konzerne weiterhin auf die Binnenschifffahrt angewiesen.
Das erste Problem ist eine logistische Frage. Der Transport ist schlichtweg nicht darauf ausgelegt, was einen kurzfristigen Wechsel verhindert. Es müssen Strecken, Fahrzeuge, Fahrer:innen, Umschlaganlagen etc. vorhanden sein, was sich nicht in wenigen Tagen bereitstellen lässt. Um das zu umgehen, müsste man also vor allem einen langfristigen Wandel ansteuern.
Solch einem langfristigen Wandel steht allerdings im Weg, dass sich ein alleiniger Transport via Straße und Schiene ökonomisch nicht auszahlen würde. Nur über Schiffe lassen sich riesige Massen an Kohle, Getreide oder schweren Fabrikteilen transportieren. Auch besondere Gefahrgüter wie Chemikalien oder Öl sind auf Schiffen besser aufgehoben.
Rekorde über den ganzen Rhein
Der Wasserpegel bei Düsseldorf ist ein Extremwert gewesen, der sich mittlerweile auch ein wenig erholt hat; außerdem steht er nicht direkt repräsentativ für den Zustand des Rheins. Aber auch an vielen weiteren Messpunkten ist der Wasserpegel auf Rekordtiefständen gewesen, wie beispielsweise der Pegel in Kaub. Der Pegel Kaub gilt seit über hundert Jahren als Richtpegel und auch dieser erreichte in diesem Jahr einen Rekordtiefstand. Auch wenn er nicht ganz unter Null gesunken ist, liegt er mit sechs Zentimetern sehr niedrig.
Mittlerweile steigt der Wasserpegel weiter an. Damit ist das Thema jedoch noch nicht abgeschlossen. Ab einem Pegel von 78 Zentimetern spricht man von einem Tiefwassertag. Wenn der Pegel über 30 Tage darunter liegt, kann man einen Abfall in der Produktion von ungefähr einem Prozent erwarten. Sollte der Pegel sogar unter 40 Zentimeter fallen, so ist eine Fahrt, laut der IHK-Arbeitsgemeinschaft Rheinland-Pfalz, wirtschaftlich nicht mehr sinnvoll. Der Wasserpegel ist aktuell noch um einiges von beiden Grenzwerten entfernt.
Hinzu kommt, dass es in den letzten acht Jahren bereits dreimal zu solchen extremen Umschwüngen beim Wasserpegel gekommen ist. So eine hohe Frequenz hat es bislang noch nicht gegeben.

