Schwarz Gruppe plant KI-Rechenzentrum bei Rostock – deutsche Wirtschaft im Aufholmodus

Im KI-Wettrüsten liegt Deutschland weit hinter den USA und China. Die Schwarz Gruppe will mit Milliardeninvestitionen in diese Liga aufschließen. Gleichzeitig wehren sich in den USA immer mehr Anwohner:innen gegen den Bau weiterer Rechenzentren.

Der Markt rund um die Errichtung neuer Rechenzentren ist nicht nur in den USA auf einem Höchststand. Auch in Deutschland kündigen immer mehr Unternehmen die Errichtung eigener Rechenzentren an. Laut einem Medienbericht von Anfang 2026 sind aktuell über 70 Großprojekte angekündigt, die dutzende Milliarden Euro kosten. So soll Deutschland zu den Spitzenreitern aufschließen. Denn aktuell liegt Deutschland im Wirtschaftszweig KI weit abgeschlagen hinter den USA und China.

Die Neckarsulmer Schwarz Gruppe hat jüngst bekannt gegeben ein Rechenzentrum bei Rostock zu errichten. Die Schwarz-Gruppe ist das größte Handelsunternehmen Deutschlands. Zur Gruppe gehören etwa die Supermarkt-Ketten LIDL und Kaufland. Der Verbrauch des Rechenzentrums soll sich auf 240 Megawatt belaufen. Somit wird es bei der Inbetriebnahme ungefähr so viel Strom verbrauchen wie eine Großstadt mit 200.000 Haushalten.

Telekom und Schwarz-Gruppe: Milliardenschwere KI-Rechenzentren geplant

Ziel sei laut der Schwarz Gruppe, Deutschland in die „erste Liga“ zu befördern und die „digitale Wertschöpfung wieder in Deutschland und Europa“ stattfinden zu lassen. Bisher geplante Rechenzentren in Deutschland bewegen sich zwar schon in der Leistungsspanne von 200 bis 500 Megawatt, jedoch hat die Schwarz Gruppe einen möglichen Ausbau bis 2045 angekündigt, der eine Kapazität bis zu einem Gigawatt, vergleichbar mit 800.000 bis eine Million Haushalte, ermöglichen soll.

Der Standort in der Nähe von Rostock ist dabei gezielt ausgewählt worden. So ließ die Schwarz Gruppe bereits verkünden, dass Rechenzentrum ausschließlich mit Strom aus erneuerbaren Energien betreiben zu wollen und kühle Luft sowie bessere Wasserversorgung für die Kühlsysteme als Faktoren einbezogen zu haben.

Auch der deutsche Staat profitiert von der Großinvestition

Das geplante Rechenzentrum der Schwarz Gruppe soll vor allem die Kapazität des konzerneigenen Cloud-Dienstleisters „Stack IT“ erweitern. Jedoch will sich die Schwarz Gruppe auch auf ein neues Klientel konzentrieren, und zwar auf die Infrastruktur des deutschen Staates. Neben dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk wie dem SWR hat die Schwarz Gruppe auch ein Auge auf Sicherheitsbehörden und Unternehmen der Rüstungsindustrie geworfen.

Diesen geht es bei der Verwaltung von Daten primär um Sicherheit. Daher können Daten oft nicht auf Servern außerhalb  Deutschlands oder auf Servern mit niedrigen Sicherheitsvorkehrungen gespeichert werden. Deswegen legt das Unternehmen einen hohen Wert darauf, sich als Partner deutscher Behörden zu etablieren.

Europa ist im KI-Wettrüsten weit abgeschlagen

Denn auch der deutsche Staat muss in Sachen künstlicher Intelligenz im globalen Wettrüsten zu den USA und China aufschließen. Bisher mag das zwar aussichtslos wirken. Jedoch wurden in den vergangenen Monaten sowohl auf Bundesebene als auch in der EU, wichtige Weichen gestellt um den Einsatz von KI im öffentlichen Raum und zur Überwachung auszubauen. Bisher haben Geheimdienste wie der BND oder der Verfassungsschutz eigene Rechenzentren verwendet. Es ist aber unklar, ob diese bei der systematischen Speicherung großer Datenmengen bald an ihre kapazitären Grenzen stoßen könnten.

Die Verarbeitung und Speicherung der Daten muss dabei auf sicheren Servern stattfinden. Genau dort setzt die Schwarz-Tochter Stack IT an und will in Zukunft genau diese Möglichkeit bieten. Inwiefern dabei tatsächlich eine Annäherung an die führenden Volkswirtschaften wie China möglich ist, bleibt vorerst unklar. China arbeitet etwa gerade daran, Rechenzentren im All zu etablieren. Es ist aber davon auszugehen, dass die Debatte um die Errichtung neuer Rechenzentren auch in Zukunft eine Rolle im Diskurs um Aufrüstung, Überwachung und Wirtschaftswachstum spielen wird.

Meinung zu KI-Rechenzentren in den USA kippt

In den USA wurden schon viel früher als in Deutschland zahlreiche KI-Rechenzentren erbaut. Doch diese Entwicklung könnte ins Stocken geraten. Im vergangenen Monat hat New York als erster US-Bundesstaat ein vorläufiges Verbot für die Errichtung neuer KI-Rechenzentren erlassen. Über ein Dutzend weitere Bundesstaaten ziehen aktuell ein solches Verbot in Betracht.

Die Meinung der US-Amerikaner:innen zu KI-Rechenzentren hat sich stark verändert. Im September 2025 gaben noch 44 Prozent der Befragten an, die Errichtung von Rechenzentren zu befürworten. In einer neuen Umfrage vom Juni 2026 sprachen sich ganze 64 Prozent der Befragten gegen den schnellen Ausbau von Rechenzentren aus. Nur 14 Prozent gaben an, in der Nähe eines solchen leben zu wollen.

Es gibt viele Gründe, die aus Sicht der Bevölkerung gegen die Errichtung von Rechenzentren sprechen. Eine zentrale Beschwerde, die Anwohner:innen oft erst nach der Fertigstellung auffällt, ist die enorme Lautstärke. Diese entsteht vorrangig durch die Kühlsysteme, Notfall-Dieselgeneratoren und Kraftwerke, die teils direkt neben den Rechenzentren gebaut werden.

In Kombination entsteht eine Geräuschkulisse, die eine Anwohnerin, die etwa 150 Meter von einem Rechenzentrum entfernt wohnt, als hohes Heulen beschreibt und an ein ständig laufendes Flugzeug oder eine Maschine erinnert.

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Auswirkungen auf Mensch und Umwelt

Neben dem Lärm entstehen durch KI-Rechenzentren weitere Nachteile für Anwohner:innen und die Natur. Sogenannte Hyperscaler-Rechenzentren, also extrem große Datenverarbeitungsanlagen, verbrauchen pro Tag bis zu 100 Megawatt Strom. Dies ist vergleichbar mit dem täglichen Verbrauch einer kleinen bis mittelgroßen Stadt von bis zu 80.000 Haushalten.

Der enorme Energieverbrauch führt dabei zu steigenden Energiepreisen, auch für Anwohner:innen. Neben anderen Krisen führte das in den letzten fünf Jahren in US-Bundesstaaten mit einer hohen Dichte an Rechenzentren wie Virginia zu einem Anstieg der Energiepreise von bis zu 267 Prozent.

Durch den erhöhten Bedarf an Energie werden außerdem bereits ausgelaufene Kohlekraftwerke weiter betrieben und für mehrere Milliarden Dollar erneuert. Dies ist ein weiterer Faktor, der sich sowohl in den Energiepreisen, als auch in der Lebensqualität der Menschen niederschlägt. Neben diesen Auswirkungen benötigen die Rechenzentren für ihre Kühlsysteme hohe Mengen an Wasser. Dieses wird oft direkt aus den öffentlichen Trinkwassersystemen entnommen, wodurch auch dort Knappheit entsteht.

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