Sexistische und rassistische Äußerungen, Nötigung und Gewalt gegen eine obdachlose Person. Dies wird einem Mitarbeiter der Uni Freiburg aus der Gebäudesicherheit vorgeworfen. Der Uni lagen schon lange vor dem zuletzt genannten Vorwurf Beschwerden über den Mitarbeiter vor, doch getan wurde nichts.
Ende Juli berichtete die Badische Zeitung erstmals über schwere Vorwürfe gegenüber einem Angestellten der Universität Freiburg. Diesem wird vorgeworfen, sich rassistisch und sexistisch gegenüber Mitarbeiter:innen und Studierenden verhalten zu haben. Zudem soll er eine obdachlose Person mit Tritten und Schlägen verletzt haben.
Der Mitarbeiter ist bei der Universität Freiburg im Bereich Gebäudesicherheit angestellt. Zudem arbeitete er zusätzlich bei einer von der Uni angestellten externen Sicherheitsfirma. Gegenüber Mitarbeiterinnen dieser Firma soll er sich aggressiv, obszön und massiv sexistisch verhalten haben. Zudem wurde über rassistische Aussagen berichtet und er wird der Nötigung bezichtigt. Die Badische Zeitung gibt an, dazu auch schriftliche und unterzeichnete Aussagen vorliegen zu haben.
Am 25. November 2025 soll der Mitarbeiter bei einem nächtlichen Kontrollgang eine obdachlose Person, die sich im Institutsviertel der Universität niedergelassen hatte, körperlich angegriffen haben. Die betroffene Person bestätigte dies der Badischen Zeitung.
Uni Freiburg schweigt
Infolge des Vorfalls im Institutsviertel wurde der Mitarbeiter von der externen Firma auf Rat ihres Anwalts schlussendlich gekündigt. Zudem wurde vom Anwalt der Firma Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft erstattet, die bestätigte, dass aktuell ein Ermittlungsverfahren gegen einen männlichen Mitarbeiter der Universität laufe.
Die Universität soll seit Anfang 2025 immer wieder von Mitarbeiterinnen über das Verhalten des Angestellten informiert worden sein, doch getan wurde nichts. Gegenüber Perspektive Online erklärt die Uni Freiburg, erst Anfang April 2026 von den Vorwürfen erfahren zu haben und daraufhin umgehend eine personal- und arbeitsrechtliche Prüfung eingeleitet zu haben. Zu Details verweist sie auf laufende staatsanwaltliche Ermittlungen und die Persönlichkeitsrechte der Beteiligten. Öffentlich äußern will sie sich aus denselben Gründen nicht, verweist aber auf bestehende Schutz- und Meldestrukturen. Sie verurteile zudem jede Form von Diskriminierung sowie physische Gewalt.
Als Anfang dieses Jahres bekannt wurde, dass ein ehemaliger Mitarbeiter der Universität über Jahre hinweg über 800 Frauen heimlich filmte, handelte die Uni ähnlich. Erst nach viel öffentlichem Druck und einer großen Demonstration äußerte sich die Universität öffentlich und versprach Schritte einzuleiten um den Umgang zu verbessern. In einer Rede auf der Demonstration wurde der Universität damals vorgeworfen, „ihr Image schützen und alle Probleme unter den Teppich kehren“ zu wollen.
„Michael, ich schäme mich nicht mehr“ – Protest gegen Ex-Studienberater in Freiburg
Gewalt gegen Obdachlose kein Einzelfall
Laut dem Bundesinnenministerium wurden im vergangenen Jahr mehr als 2.500 wohnungslose Menschen Opfer einer Straftat. Dies entspricht einem Anstieg von rund 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Straftaten reichen von Diebstahl bis hin zu Mord. Zu letzterem Delikt sind neun Fälle bekannt.
Besonders Polizist:innen oder Arbeiter:innen, die bei öffentlichen Institutionen wie der Universität im Sicherheitsbereich arbeiten, gehen häufig gewalttätig gegen obdachlose Personen vor, wenn diese zum Beispiel nachts an Orten schlafen, an denen es nicht gestattet ist.
Nachdem die Universität die externe Firma beauftragt hat, hat sich auch tagsüber die Stimmung verändert. Studierende berichten, dass Mitarbeiter:innen der Firma bei ihren Rundgängen regelmäßig Obdachlose aus der Universitätsbibliothek scheuchen. Zudem würden sie sehr streng kontrollieren, dass nicht gegessen und nur Wasser mitgebracht und konsumiert wird.
Im vergangenen Jahr stellten sich Mitarbeiter:innen derselben Firma Studierenden in den Weg, die in der Uni gegen einen spontanen Raumentzug für eine antikoloniale Filmvorstellung protestierten. Einige Studierende hatten zuvor versucht, das Gebäude zu verlassen, nachdem die Angestellten die Polizei gerufen hatten.
In einem Statement zu dem Fall bezeichnete das Studierendenkollektiv Freiburg die Universität deswegen auch als „Teil des staatlichen Repressionssystems“, welches sich mehr um ihr eigenes Image und den „Exzellenzstatus“ als um die tatsächliche Sicherheit der Studierenden und Angestellten kümmere.

