In Deutschland wird Musik aktuell fast nur noch über Streaming konsumiert. Doch während Anbieter wie Spotify Umsätze in Milliardenhöhe machen, kommt bei Künstler:innen davon kaum etwas an. Währenddessen werden Streamingdienste mit KI-Musik geflutet.
Im Jahr 2025 machte die deutsche Musikindustrie einen Handelsumsatz von 2,42 Milliarden Euro. Der Großteil davon wurde mit mehr als 2 Milliarden Euro durch Streamingdienste eingenommen. Das entspricht einem Anteil von 84,4 Prozent und steht im starken Kontrast zu den Zahlen von vor 10 Jahren. Damals waren CDs noch die größte Einnahmequelle mit 53,8 Prozent. Auch Schalplatten aus Vinyl werden, wie andere physische Formate auch weniger gekauft. Allerdings bleiben die Zahlen hier seit 3 Jahren relativ konstant.
Diese Tendenzen hängen vor allem mit dem Anstieg von Bezahlmodellen wie Spotify Premium zusammen. Diese wurden 2025 viermal so häufig genutzt, wie die kostenlosen Alternativen. Spotify ist unter den Streamingplattformen die weltweit bekannteste und wird auch am häufigsten genutzt. Das zeigt auch der Umsatz des Unternehmens aus 2025, der sich auf 17,2 Milliarden Euro beläuft. Von diesen Rekordeinnahmen sehen die Künstler:innen deren Musik gestreamt wird allerdings deutlich weniger.
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Künstler:innen kreieren, Label profitieren
Spotify behält sich von den gesamten Einnahmen der Premium-Abos 30 Prozent ein, während den großen Musiklabels 42 Prozent ausgeschüttet werden. Für die Musiker:innen bleiben nur noch 22 Prozent. Diese werden im sogenannte Pro-Rata-System verteilt, das nach den jeweiligen Marktanteilen ausgerichtet ist. So verdienen bereits bekannte Bands und Acts aufgrund ihrer höheren Streaming-Rate auch das meiste Geld. Newcomer und Indie-Künstler:innen erhalten durch dieses System oftmals nur Kleinstbeträge.
Eine Studie des Forschungsnetzwerks Digitale Kultur stellte fest, dass 2023 unter deutschen Musiker:innen 68 Prozent weniger als einen Euro Umsatz machen konnten. Spotify steht diesbezüglich schon länger in der Kritik. Die Intransparenz über Netto-Vergütung pro Stream besorgt nicht nur Künstler:innen, die im globalen Durchschnitt etwa 0,3 Cent pro Stream erhalten.
Auch eine Studie im Auftrag der Bundesregierung stellt im Markt des Musik-Streamings strukturelle Ungleichheit für Kreative und Informationsasymmetrie fest. Das Europäische Parlament forderte bereits 2024 die Überprüfung der Geschäftspraktiken von Streaminganbietern durch die EU-Kommission.
Spotify äußerte bereits in der Vergangenheit, Änderungen im Vergütungssystem für Künstler:innen vornehmen zu wollen. Allerdings wollen das wohl vor allem die Musiklabels verhindern. Der Chef des Bundesverbandes Musikindustrie, Florian Drücke, hält die Vorwürfe der unfairen Vergütungen jedoch nicht für gerechtfertigt.
So sagt er: „Die Seite der Investoren wird viel zu oft vergessen. Unsere Mitglieder investieren, sie gehen ins Risiko.“ Diese Aussage kommt nach der Teilnahme an einem von drei „runden Tischen“ mit Akteuren der Musikbranche, zu dem der Kulturstaatsminister Wolfram Weimer eingeladen hatte.
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Zwischen KI-Musik und KI-Abwehr Drohnen
Die meisten Musiker:innen sind trotz des ausbeuterischen Bezahlsystems auf Streamingdienste, wie Spotify, Deezer oder Apple Music angewiesen. Der aktuell größte Teil der Reichweite von Musiker:innen hängt mit den dort verwendeten Algorithmen und kuratierten Playlisten zusammen. Diese bestimmen maßgeblich, wer am meisten vom Pro-Rata-System ausgezahlt bekommt.
Der Anteil, der dabei echten Künstler:innen zukommt, wird seit einiger Zeit zunehmende von KI-generierten „Musiker:innen“ noch weiter nach unten gedrückt. Umso mehr KI-Musik auf Spotify angehört wird, umso weniger verdienen „echte“ Künstler:innen. Das Geschäft läuft unter anderem deshalb so gut, weil die meisten „KI-Künstler:innen“ ihre Musik nicht als KI kennzeichnen. Auch die Plattformen selbst verzichten in Fällen wie Spotify und Apple Music auf eine solche Kennzeichnung.
Andere Anbieter wie Deezer oder Qubuz hingegen bestehen darauf, KI-generierte Inhalte für Nutzer:innen sichtbar zu kennzeichnen. Durch spezialisierte KI-Programme wie Udio oder Suno können mit wenigen eingetippten Sätzen ganze Alben generiert werden. Nicht jede dieser so entstanden Musik schafft es auf Streamingplattformen, doch es reicht für die Plattform Suno um 250 Millionen Dollar an Geld durch Investor:innen einzunehmen.
Spotify-CEO investiert in Rüstung
Und auch außerhalb der Streaming-Plattform investiert der Spotify-CEO in Künstliche Intelligenz. Der schwedische Milliardär und Gründer von Spotify Daniel Ek, hat 600 Millionen Euro in das Münchner Rüstungs-KI Start-Up Helsing GmbH investiert.
Die Helsing GmbH baut U-Boote, Flugzeuge und spezialisiert sich auf KI-gesteuerte Drohnen. 2023 galt das Unternehmen als erstes europäisches Unicorn, also ein „Start-Up-Unternehmen mit einer Bewertung von über einer Milliarde Euro, dessen Anteile nicht an einer Börse gehandelt werden“.
Als Reaktion auf die Investments Eks in Rüstungsunternehmen gab es viel Kritik von Künstler:innen. Einige Bands erklärten etwa ihren Boykott und löschten ihre Musik von Spotify.
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Beruflicher Selbstmord…
Viele Musikschaffende können vom Streaming allein nicht leben, das zeigt auch eine Befragung des britischen Oxford Internet Institute und der niederländischen Universität Groningen. 77 Prozent der befragten Kreativen nahmen im Jahr vor der Befragung jährlich weniger als 10.000 Euro mit ihrer Musik ein. 29 Prozent davon verdienten weniger als 1000 Euro und 26 Prozent hatten gar kein Einkommen durch ihre Musik. Trotzdem würden 81 Prozent nicht auf Streaming-Plattformen als Einnahmequelle verzichten können.
Auch bereits etablierte Künstler:innen stecken in dieser Zwickmühle. Spotify und ähnliche Dienste bringen ihnen zwar Reichweite und Einnahmen, doch diese sind oft noch unter einem Verdienst mit Gehalt auf Mindestlohn.
Der Musiker LGoony rechnet auf Instagram vor, dass bei derzeitigen Bedingungen 15 Stunden lang die Musik eines Acts gestreamt werden müsste, damit diese:r 1 Euro verdienen kann. Gegenüber seinen Fans erklärte LGoony, dass er sich durch die aktuellen wirtschaftlichen Bedingungen in der Musikindustrie gezwungen sieht, seine Karriere zu beenden. Obwohl seine Songs weiterhin tausendfach über viele Plattformen aufgerufen werden.
… oder Spotify-Boykott?
Viele Musiker:innen fordern daher ein Nutzer:innen-zentriertes Geschäftsmodell beim Streaming. Dabei sollen die Abo-Gebühren direkt an die Künstler:innen gehen, die von der Hörerschaft tatsächlich gehört wurden.
Andere Musiker:innen wiederum entscheiden sich Spotify gänzlich zu boykottieren. So zum Beispiel die Band Deerhoof, die sich nach den Schlagzeilen um CEO Daniel Ek dazu entscheidet, ihre neueste Musik von der Plattform zu nehmen. Reaktionen auf das Statement der Band hierzu sind überwiegend positiv und motivieren andere ähnliche Schritte zu gehen.
Auch die Musikerin Laura Burhenn kündigt eine Woche später an, ihre Musik von der Plattform zu entfernen. Auf Instagram fordert sie ihre Follower:innen auf, Spotify zu boykottieren und schreibt, das Unternehmen schaffe „Steuererleichterungen für die wenigen Reichsten, die die Reichen reicher machen, während wir um Krümel kämpfen und hungern – buchstäblich und spirituell.“

