Eine Taliban-Delegation befindet sich aktuell in Deutschland und bereitet weitere Abschiebungen nach Afghanistan vor. Trotz der Menschenrechtslage wurden 2026 bereits 87 Menschen abgeschoben. Gleichzeitig hat die Bundesregierung inzwischen jede zweite Aufnahmezusage für besonders gefährdete Afghan:innen widerrufen.
Laut Informationen des NRD befindet sich gerade eine dreiköpfige Delegation der Taliban für rund drei Wochen in Deutschland. Ziel des Aufenthalts: die Vorbereitung von Abschiebungen nach Afghanistan. Laut dem Auswärtigen Amt kümmert sich die Delegation um die Vorbereitung zur Ausstellung von Dokumenten, welche die Taliban-Regierung bei Abschiebungen anerkennt.
Bereits im vergangenen Jahr reisten Taliban-Angehörige nach Deutschland, um Abschiebungen vorzubereiten. Nebenbei nahmen sie auch die Botschaften und Generalkonsulate Afghanistans in Deutschland ein und verdrängten die dort arbeitenden Diplomat:innen, die von der vorherigen Regierung entsandt worden waren. Die Bundesregierung gab sich damals unwissend über diese Vorkommnisse.
Durch Übernahme der Konsulate steigt Gefahr für Afghan:innen im Exil
Die Übernahme der konsularischen Geschäfte durch die Taliban in Deutschland stellt für im Exil lebende Afghan:innen und Gegner:innen der Taliban eine Gefahr dar. Die Menschenrechtsorganisation Pro Asyl warnt konkret, dass die Übernahme der afghanischen Auslandsvertretungen durch die Taliban Afghan:innen in Deutschland gefährde, weil sie sich für Pass-Angelegenheiten dem Regime aussetzen müssen. Pro Asyl fordert deshalb, dass deutsche Behörden stattdessen Ersatzpapiere ausstellen sollen.
In den Botschaftsakten befinden sich allerdings auch Passkopien, Fotos, Adressen, Telefonnummern und Angaben zu Familienangehörigen – nach Einschätzung des Berliner Flüchtlingsrats könnten diese Daten in Taliban-Hand reale Folgen für Betroffene und deren Familien in Afghanistan haben. Das UN-Unterstützungsmission UNAMA berichtete im Jahr 2022, dass der Geheimdienst GDI gezielt gegen Kritiker vorgeht, Druck auf Familienangehörige ausübt und willkürliche Verhaftungen von Journalist:innen und Menschenrechtler:innen vornimmt.
Verfolgung und Unterdrückung von Frauen und LGBTI+ Personen
Fünf Jahre ist es her, dass das westliche Militärbündnis auf Drängen der USA das Land überstürzt verlassen hat. Die Bilder von Menschen, die sich an startende Flugzeuge klammerten, um den Taliban zu entkommen, gingen damals um die Welt. Seitdem hat die islamistisch-fundamentalistische Bewegung ihren Staat ohne nennenswerten Widerstand errichtet.
Laut Berichten der Menschenrechtsorganisation Amnesty International leiden darunter vor allem die Rechte von Frauen und Mädchen: Ihnen wird der Zugang zu Universitäten sowie zu Schulklassen ab der sechsten Stufe verwehrt, und vielerorts dürfen sie das Haus nicht ohne männliche Begleitung verlassen. Auch Angehörige der schiitischen Ismailit:innen wurden gezwungen, zum sunnitischen Islam zu konvertieren.
Mit der Einführung der Scharia – des islamischen Rechtssystems – und deren Auslegung durch die Taliban wurden LGBTI+-Personen sämtlicher Rechte beraubt: Das Ausleben der eigenen Sexualität ist verboten, wer dagegen verstößt, wird bestraft und gefoltert.
Im Jahr 2026 allein bereits 87 Afghan:innen abgeschoben
Diesen Berichten zum Trotz reisten bereits 2025 hochrangige deutsche Beamte von Bundespolizei und Innenministerium nach Afghanistan, um den „technisch-operativen Kontakt“ herzustellen. Hinter dieser Behördenbezeichnung verbarg sich schon damals die Vorbereitung von Abschiebungen in Deutschland lebender Afghan:innen – die seitdem sowohl über Linienflüge als auch über eigens gecharterte Flüge erfolgen.
Schulterschluss mit Islamisten: Der neue Abschiebedeal mit den Taliban
Dass mittlerweile regelmäßig nach Afghanistan abgeschoben wird, musste die Bundesregierung zuletzt auch zugeben: In ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion gibt sie an, dass zwischen dem 1. Januar und dem 19. Juni 2026 insgesamt 87 Personen nach Afghanistan abgeschoben wurden. Diese Zahl deckt sich nicht exakt mit den bekannten Sammelcharterflügen, da sie offenbar auch Einzelabschiebungen oder andere Rückführungswege einschließt.
Dies zeigt, dass das im Koalitionsvertrag von CDU und SPD vereinbarte Ziel, Abschiebungen nach Afghanistan durchzuführen, trotz der Menschenrechtslage im Land konsequent umgesetzt wird – während die Bundesregierung gleichzeitig Zusagen für besonders gefährdete Afghan:innen zurücknimmt. Nach der Machtübernahme der Taliban im Jahr 2021 hatte die damalige Ampelregierung rund 2.308 Afghan:innen eine Aufnahmezusage für Deutschland erteilt – darunter ehemalige Ortskräfte der Bundeswehr sowie Frauenrechtlerinnen und andere Menschenrechtsaktivist:innen, die als besonders gefährdet eingestuft wurden. Seit dem Regierungswechsel wurde nach Angaben der Bundesregierung fast jede zweite dieser Zusagen widerrufen, mit der Begründung, sie seien rechtlich nicht bindend gewesen und es bestehe kein politisches Interesse mehr an einer Aufnahme.
Vor diesem Hintergrund ist auch der aktuelle Besuch der Taliban-Delegation zu sehen: Er dient dazu, die bereits laufende Abschiebe-Maschinerie weiter auszubauen – mit dem Ziel, künftig noch mehr Menschen nach Afghanistan abzuschieben.

