„Unsere Zukunft liegt in unseren Händen“: Revolutionäre Demonstration vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt

Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt wird die AFD voraussichtlich stärkste Kraft werden. Das Bündnis Jugend Sachsen-Anhalt will sich für eine sozialistische Perspektive im Bundesland einsetzen. Über 100 Personen nahmen an der Auftakt-Demonstration teil.

Am vergangenen Sonntag gingen über 100 Menschen unter dem Motto „Unsere Zukunft, unsere Wahl – Kampf dem Faschismus & dem Kapital“ in Magdeburg auf die Straße. Zur Demonstration aufgerufen hatte die Initiative „Jugend Sachsen-Anhalt“ anlässlich der anstehenden Landtagswahlen im September, bei denen die AFD voraussichtlich die stärkste Kraft werden wird.

Der Fokus der Demonstration war deswegen vor allem die anhaltende Faschisierung im Osten. Mit Parolen wie „Alle zusammen gegen den Faschismus“ oder „AFD – Partei fürs Kapital“ machten die Demonstrant:innen ihre antifaschistische Haltung deutlich. Betont wurde allerdings auch immer wieder, dass Antifaschismus immer auch gegen Kapitalismus und Patriarchat gerichtet sein muss und man sich deshalb nicht auf bürgerliche PolitikerInnen verlassen kann.

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Demonstration gegen Faschismus, Kapitalismus und Patriarchat

Ein Sprecher der Föderation Klassenkämpferischer Organisationen (FKO) sagte dazu in seiner Rede über stellvertretenden Politiker:innen: „Doch, was die versprochen haben, haben die nie gehalten und egal in welcher Farbe sie auftauchen – am Ende bleibt der Kapitalismus und all seine Auswüchse bestehen.“ Ein weiterer Fokus der Demonstration am Sonntag war die patriarchale Unterdrückung von Frauen und LGBTI+ Personen im Kapitalismus und im Faschismus.

Eine Sprecherin von Zora erklärte: „Der Faschismus ist ein patriarchales Projekt“. Auch während der Demonstration riefen mit Parolen wie „Frauen, Leben, Freiheit – Klassenkampf wir sind bereit“ immer wieder Frauen zum Kampf gegen Patriarchat und Kapitalismus auf. Zentrales Thema war zudem die Perspektivlosigkeit der Jugend in Sachsen-Anhalt im Zuge der Wahlen im September.

Aktionsbündnis „Jugend Sachsen-Anhalt“

Aufgerufen zur Demonstration am Sonntag hatte das Aktionsbündnis Jugend Sachsen-Anhalt mit Organisationen aus dem gesamten Bundesland. Zusammengeschlossen haben sich unter anderem Young Struggle, Zora und FKO. Ziel des Bündnisses war es den Protest gegen die AFD in der Landeshauptstadt Magdeburg zu bündeln und mit einer konsequenten antikapitalistischen Haltung zu verbinden, um ein Zeichen der Jugend vor den Wahlen in Sachsen-Anhalt zu setzen. Ein Zeichen im Kampf gegen den Faschismus nicht den bürgerlichen Parteien hinterherzulaufen, sondern als Jugend selbst aktiv zu werden.

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AfD wird stärkste Kraft in Sachsen-Anhalt

Es zeichnet sich ab, dass die AFD bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt im September mit Abstand stärkste Kraft werden wird. In aktuellen Umfragen liegt sie mit 43 Prozent ganze 20 Prozentpunkte vor der CDU mit 23 Prozent. Abhängig davon, welche weiteren Parteien in Landtag einziehen, ist die AFD einer Alleinregierung nahe. Das Aktionsbündnis betont, dass sich viele der bestehenden Probleme in Sachsen-Anhalt mit der AFD in der Regierung nur noch verschärfen würden. Das nimmt dann der Jugend in Sachsen-Anhalt immer mehr die Perspektive.

Die Jugendarbeitslosigkeit liegt mit 10 Prozent in Sachsen-Anhalt deutlich höher als der bundesweite Durchschnitt. Außerdem wird bei Jugendzentren und sonstigen Begegnungsorten für junge Menschen immer weiter gekürzt, sodass der Wegzug oftmals die einzige Perspektive darstellt. Seit 1990 gibt es einen kontinuierlichen Wegzug junger Menschen in westdeutsche Bundesländer.

Wehrpflicht und Militarisierung

Vielen bleibt dann oft die Bundeswehr als letzte Ausweg um Geld zu verdienen. Das ist auch durch Statistiken der Bundeswehr sichtbar. Denn jeder dritte Soldat oder Soldatin stammt aus dem Osten. Weit höher als der Anteil Ostdeutscher an der Gesamtbevölkerung. Seit 2025 kommt im Zuge Militarisierung und der „Zeitenwende“ die Wehrpflicht schrittweise wieder zurück.

Die finanziellen Mittel für Militarisierung und Aufrüstung fehlen dann umso mehr bei Jugendlichen in Ländern wie Sachsen-Anhalt. Sei es bei Jugendtreffs, Schulen oder in der Psychotherapie. Jugendliche müssen sich immer häufiger entscheiden zwischen einer falschen Perspektive: an der Front oder daheim der Perspektivlosigkeit zum Opfer zu verfallen.

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Faschismus als vermeintliche Lösung

Das Bündnis erklärt, wie sich Faschist:innen das zunutze machen, um eine vermeintliche Antwort zu geben. Sie schaffen es sehr erfolgreich Jugendlichen zu erklären, dass Teile der eigenen Klasse wie Migrant:innen, Frauen oder LGBTI+ Personen schuld an ihren Problemen sind. Die herrschenden Politiker:innen und Konzernchefs werden dabei kaum erwähnt.

In den vergangenen Jahren sind auch in Sachsen-Anhalt die Zahlen faschistischer Jugendgruppen stark angestiegen. Sie schaffen es vermehrt deutlich minderjährige Jugendliche zu rekrutieren und sind gut vernetzt bis in die AfD-Landtagsfraktion. Dadurch gibt es gerade für antifaschistische Jugendliche oftmals nur ein Ziel: raus aus Sachsen-Anhalt, um mit all dem endlich nichts mehr zu tun haben zu müssen.

Eine echte Perspektive für die Jugend in Sachsen-Anhalt

Doch das Bündnis will aufzeigen, dass es sehr wohl eine Perspektive für die Jugend in Sachsen-Anhalt gibt. Abseits von Faschismus, Kapitalismus und Patriarchat. Das Bündnis Jugend Sachsen-Anhalt will Jugendlich dazu ermutigen sich gemeinsam zu organisieren, in Schulen Ausbildungsbetrieben, Hochschulen und Betrieben.

Die Organisator:innen der Demonstration haben gezeigt, dass es bereits viele antifaschistische Jugendliche in Sachsen-Anhalt gibt, die aktiv gegen Vereinzelung und Faschismus ankämpfen. Jugendliche, die sich in sozialistischen Organisationen zusammengeschlossen haben, mit dem Ziel die Perspektive des Sozialismus in den Fokus ihrer Kämpfe zu stellen. „Organisieren statt resignieren“, erklärte das Bündnis abschließend.

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