US-Südkorea-Manöver: Trump setzt auf Deal mit Nordkorea

US-Präsident Trump kündigte an, die gemeinsamen Militärübungen mit Südkorea deutlich einzuschränken. Ein Anzeichen für Frieden in Südostasien ist das jedoch nicht.

Am 17. August haben die USA und Südkorea ihre jährliche Militärübung „Ulchi Freedom Shield“ begonnen. Bis zum 27. August trainieren die Streitkräfte auf der koreanischen Halbinsel gemeinsam die Reaktion auf einen möglichen Angriff Nordkoreas. Rund 18.000 südkoreanische Soldat:innen und ein großer Teil der insgesamt 28.500 in Südkorea stationierten US-Soldat:innen sind beteiligt. Geübt werden neben klassischen Gefechtsszenarien zunehmend auch Drohnenangriffe, GPS-Störungen und Cyberangriffe.

Das hat einen konkreten Hintergrund: Nordkorea hat durch seine militärische Zusammenarbeit mit Russland Erfahrungen im Krieg gegen die Ukraine gesammelt. Nordkoreanische Soldat:innen waren dort seit Ende 2013 im Einsatz und konnten moderne Methoden der Kriegsführung kennenlernen. Die USA und Südkorea wollen sich bei ihren Übungen deshalb stärker auf jene Fähigkeiten vorbereiten, die Nordkorea inzwischen selbst anwenden könnte.

Die gemeinsamen Manöver haben eine lange Geschichte. Die USA trainieren seit Jahrzehnten mit Südkorea für einen möglichen Krieg mit Nordkorea. Bereits seit den 1970er Jahren finden regelmäßig große gemeinsame Übungen statt. Seit 2022 trägt das zentrale gemeinsame Manöver den Namen „Ulchi Freedom Shield“. Der Name „Ulchi“ geht zurück auf den Oberbefehlshaber der Armeen des historischen Königreichs Goguryeo, das sich im 7. Jahrhundert über weite Teile der koreanischen Halbinsel und Teile Chinas erstreckte.

Nordkorea betrachtet die Übungen seit jeher als Vorbereitung auf eine Invasion. Die USA und Südkorea bezeichnen sie dagegen als defensive Maßnahmen. Die Übungen sind damit Teil einer gegenseitigen Aufrüstung: Die USA und Südkorea bereiten sich auf einen möglichen nordkoreanischen Angriff und eigene Angriffsstrategien vor, während Pjöngjang die amerikanische Militärpräsenz als Beleg für die eigene Bedrohung darstellt und daraus eine Notwendigkeit zur Aufrüstung ableitet.

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Trump will die Manöver reduzieren

Noch bevor die diesjährige Übung begann, kündigte Donald Trump eine deutliche Reduzierung gemeinsamer Militärübungen mit Südkorea an. Das aktuelle Manöver findet zwar statt, über Umfang und künftige Übungen soll jedoch neu verhandelt werden.

Trump begründet den Schritt unter anderem mit den hohen Kosten der US-Militärpräsenz. Zugleich sieht er die Manöver als mögliches Hindernis für Verhandlungen mit Nordkorea. Über Kim Jong Un sagte Trump in einer Pressekonferenz kürzlich: „I understand him, he understands me – I get along with him very well.“

Damit knüpft Trump an seine Politik aus der ersten Amtszeit an. Bereits 2018 versuchte er nach seinem ersten Treffen mit Kim Jong Un die gemeinsamen Militärübungen mit Südkorea auszusetzen. Trump bezeichnete die Manöver damals als teuer und provokativ, forderte Südkorea unter anderem auf, die Zahlungen für den durch die USA bereitgestellten „Schutz“ zu erhöhen. Im Gegenzug hoffte er auf Fortschritte bei Verhandlungen mit Nordkorea, vor allem in der Frage der freiwilligen atomaren Abrüstung Nordkoreas.

Hinzu kommt diesmal ein weiterer Punkt: der Krieg gegen den Iran. Trump verweist darauf, dass die USA erhebliche militärische Mittel für die Verteidigung Südkoreas bereitstellen. Die südkoreanische Regierung habe sich gleichzeitig geweigert, die USA im Iran-Krieg zu unterstützen. Trump betrachtet die Beziehung zu Verbündeten damit in mittlerweile typischer Manier nach einer offen zur Schau gestellten Geschäftslogik: Wer von den USA militärischen Schutz erhält, soll sich im Gegenzug an den politischen und militärischen Prioritäten der USA beteiligen.

Diese Sichtweise passt zu Trumps grundsätzlicher Kritik an den Kosten amerikanischer Bündnisse wie zum Beispiel auch der NATO. Trump fordert seit Jahren höhere Beiträge der Verbündeten und eine stärkere Übernahme von Sicherheitsaufgaben durch diese Staaten.

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Keine Abkehr von amerikanischer Machtpolitik

Die Reduzierung der Übungen bedeutet jedoch keine grundsätzliche Abkehr der USA von militärischer Machtpolitik. Washington ist weiterhin militärisch in Westasien aktiv und hält auch an seiner strategischen Konkurrenz mit China fest.

Vielmehr versucht Trump, die vorhandenen militärischen Ressourcen anders zu verteilen. Der Iran-Krieg bindet Soldat:innen, Schiffe und andere Mittel. Gleichzeitig wollen die USA ihre Position im Indopazifik gegenüber China erhalten. Südkorea soll deshalb stärker für seine eigene Verteidigung verantwortlich sein.

Auch die südkoreanische Regierung versucht, auf diese Entwicklung zu reagieren. Präsident Lee Jae Myung betont weiterhin das Bündnis mit den USA, spricht sich aber zugleich für eine stärkere eigenständige Verteidigungsfähigkeit Südkoreas aus. Seoul will damit verhindern, dass eine größere Abhängigkeit von Washington entsteht, während die amerikanische Unterstützung möglicherweise weniger verlässlich wird.

Korea im Konflikt zwischen USA und China

Die Entwicklung muss auch im Zusammenhang mit der wachsenden Konkurrenz zwischen den USA und China betrachtet werden. Zuletzt hatte zwar im Rahmen der Gespräche zwischen Trump und Xi Jinping eine begrenzte Entspannung eingesetzt, aber der Konflikt zwischen den beiden Großmächten brodelt weiterhin. Streit gibt es unter anderem über Taiwan, Technologie, Handel und militärische Vorherrschaft im Indopazifik.

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Die Vorgänge in Korea passen in dieses Muster. Südkorea ist für die USA ein wichtiger militärischer Partner im westlichen Pazifik und liegt zugleich unmittelbar an China. Die USA können ihre Kräfte aber nicht unbegrenzt auf der koreanischen Halbinsel binden. Die USA müssen gleichzeitig ihre Position gegenüber China sichern und auf die Herausforderungen in Westasien reagieren.

Trumps Vorgehen kann daher als Versuch verstanden werden, die Kosten der amerikanischen Militärpräsenz zu senken, Verbündete stärker in die Verantwortung zu nehmen und gleichzeitig einen direkten Deal mit Nordkorea zu ermöglichen. Eine grundlegende Veränderung der amerikanischen Strategie gegenüber China oder eine Abkehr von militärischer Machtpolitik ist damit nicht verbunden.

Die Reduzierung der Korea-Manöver ist vielmehr ein Teil einer breiteren Neuordnung amerikanischer Prioritäten. Washington versucht, seine militärischen Ressourcen für mehrere Konflikte gleichzeitig verfügbar zu halten. Südkorea soll einen größeren Teil der eigenen Verteidigung übernehmen, während Trump gegenüber Kim Jong Un auf persönliche Diplomatie setzt. Der Konflikt zwischen den USA und China bleibt dabei der übergeordnete strategische Rahmen.

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