Der Bürgerkrieg im Sudan scheint kein Ende zu finden. Nach Gebietsverlusten greift die Miliz RSF mit Drohnen das Ballungsgebiet um die sudanesische Hauptstadt Khartoum an. Internationale Organisationen warnen weiterhin vor der „verheerendsten humanitären Krise der Welt“.
Auch wenn der Sudan-Krieg weiterhin verhältnismäßig wenig in westlicher Berichterstattung thematisiert wird, ist er aktuell keinesfalls beendet. Seit mindestens April 2023 kämpft die nationale sudanesische Armee (SAF) gegen die Miliz Rapid Support Forces (RSF). Diese war vor einem Militärputsch im Jahr 2019 noch Teil der Nationalarmee.
Beide Seiten erhalten von mächtigen Staaten wie den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) oder der Türkei finanzielle und politische Unterstützung, um die eigenen Interessen im Gebiet durchzusetzen – sei es der Zugang zum Roten Meer oder zu Ressourcen wie Gold und Öl. Die Leidtragenden sind die Bewohner:innen des Sudans. Millionen wurden vertrieben und hunderttausende getötet.
Erst diese Woche berichtet die sudanesische Armee von Drohnenangriffen auf die Hauptstadt Khartoum. Die RSF habe dabei an zwei Tagen in Folge versucht, mit Drohnen militärisch kontrollierte Städte wie Omdurman oder die Provinzhauptstadt El Obeid zu treffen.
Nach dem Angriff in El Obeid sind durch herabstürzende Drohnentrümmer zwei Menschen gestorben. In den übrigen Fällen schoss die Flugabwehr die Drohnen jedoch rechtzeitig ab und verhindert so weitere Opfer.
Endloses Blutvergießen im Kampf um Macht und Profite im Sudan
Rückschlag nach Gebietsverlust
Militärquellen der SAF bewerten die Angriffe rund um die Hauptstadtregion als ein Zeichen des Wiederaufflammens der Kämpfe seitens der RSF. Vor rund zwei Wochen wurde die Miliz aus weiten Teilen dieser Region (Nord-Kordofans) zurückgedrängt und die Kontrolle ging in die Hände der nationalen Armee über. Dabei erlangte die SAF auch den Zugang zu einer taktisch wichtigen Handelsstraße.
Diese reicht von der Hauptstadt Khartoum bis El Obeid, einer Grenzstadt, welche sich zwischen den SAF-kontrollierten Gebieten im Norden und Osten Sudans sowie den RSF-besetzten Territorien im Süden und Westen befindet. Damit hat die Stadt eine militärisch wichtige Bedeutung im Verlauf des weiteren Kampfes. Die Anbindung über die Handelsstraße ermöglicht somit auch eine kontinuierliche Ausstattung und Verstärkung der „Festung El Obeid“ durch die Nationalarmee.
Die Drohnenangriffe unterstreichen die Wichtigkeit dieser Region. Vor der Vertreibung versuchte die RSF wochenlang ihre Position um El Obeid und der Handelsstraße zu festigen. Die Drohnenangriffe und Entsendung weiterer Bodentruppen reichten jedoch nicht aus und so verloren sie vor zwei Wochen ihre Kontrolle über die Region. RSF-Anführer Mohamed Hamdan Dagalo schwor nach dem Verlust Khartoum einzunehmen.
Krieg um die Städte, Krieg um die Berge
Was Anfangs noch als ein Kampf um die Hauptstadt begann hat sich nun längst über das ganze Land ausgeweitet. Nicht nur große Städte oder militärische Zielpunkte sind betroffen, sondern auch umliegende Gebirge. Die Nuba-Berge liegen mehrere Tagesreisen von Khartoum entfernt und auch da sind die Folgen des Krieges spürbar. In der Region befindet sich eine lose Sammlung von Dörfern entlang der Hügel, ausgestattet mit zwei Krankenhäusern .
Vor dem Krieg lebten etwa 2,7 Millionen Menschen auf einer Fläche von der Größe Österreichs. Nun sind es knapp vier Millionen, denn die meisten flüchten vor den Kämpfen in die abgelegene Bergregion in der Hoffnung, Schutz und Sicherheit zu finden. Im Laufe der Zeit siedelten sich mehrere Flüchtlingslager an, um den Vertriebenen eine Unterkunft zu bieten.
Wovor die Menschen flüchten, machen internationale Organisationen wie Amnesty klar: Vertreibung, Massaker, geschlechtsspezifische Gewalt und weiterer Gewalt. Besonders im Kampf um die Eroberung der Stadt El-Fasher wurden die Ausmaße des Krieges deutlich.
Im Oktober 2025 eroberten die RSF die Stadt nach einer 18-monatigen Belagerung. In dieser Zeit wurden die 260.000 Einwohner:innen dem Hunger ausgesetzt und der Zugang zu lebensnotwendigen Ressourcen verweigert. Viele Videos kursierten in den sozialen Medien über die Nacht als die RSF die Stadt überfiel. Von wahllosen Tötungen und Entführung von Zivilist:innen bis hin zu sexualisierter Gewalt gegen Frauen und Mädchen war alles zu sehen. Die Vereinten Nationen sehen deutliche Anzeichen für einen Genozid.
Humanitäre Krise
Amnesty International berichtet von 11,3 Millionen vertriebenen Sudanes:innen innerhalb des Landes. Zahlenmäßig ist das die größte Vertreibung weltweit. Hinzu kommen noch rund 1,8 Millionen Menschen, welche in benachbarte Länder wie Ägypten oder Äthiopien flohen. Die Vereinten Nationen sprachen im Februar 2025 von der „verheerendsten humanitäre Krise und Vertreibungskrise der Welt“.
Zudem leidet der Sudan seit Jahren an einer Hungersnot. In fünf Orten wurde dies schon bestätigt, betroffen sind weitaus mehr. Über 26,4 Millionen Menschen haben keinen sicheren und beständigen Zugang zu Nahrung und leben so in „Nahrungsunsicherheit“. Sowohl die SAF als auch die RSF verhindern den Zugang zu Hilfsgütern im Sudan.
Die Zahl der Fälle von geschlechtsspezifischer Gewalt gegen Frauen und Mädchen stieg auch im Zuge der Kämpfe weiter an. In militärischen Konflikten wird patriarchale Gewalt spezifisch gegen weibliche Kämpferinnen genutzt, um ihren Kampfgeist zu brechen und ein „Symbol“ gegen den Frauenkampf zu statuieren. Hinzu kommen unter anderem auch die Vergewaltigungen, welche als patriarchale Machtdurchsetzung und -behauptung gegenüber der Zivilbevölkerung genutzt werden.
Kolumbianischer Söldner:innen im Sudan
Während der Krieg also weiter tobt und die Bevölkerung darunter leidet, stehen die imperialistischen Großmächte im Hintergrund als Gewinner da. Insbesondere die Golfstaaten unterstützen die Armeen – finanziell, politisch, militärisch – um ihren eigenen Einfluss vor Ort zu stärken.
So dienten die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) als Geldgeber der RSF, um an die massiven Goldvorkommen im Sudan zu kommen und sie auszubeuten. Darüber hinaus unterstützen sie den militärischen Kampf auch auf anderem Wege. Die VAE stellte kolumbianische Söldner:innen über eine Sicherheitsfirma ein, die in den Reihen der Miliz kämpften. Human Rights Watch konnte zurückverfolgen, dass diese Söldner:innen auch bei der Eroberung von El-Fasher beteiligt waren. Damit sind sie maßgeblich an den genannten Folgen des Krieges Schuld.
Emirate verdienen am Goldexport
Laut einem Bericht importierten die VAE fast 90 Prozent des sudanesischen Goldexportes im Jahr 2025, bevor Sudan auf den Handel mit Saudi-Arabien umstieg. Seit Februar 2026 exportiert Sudan sein Gold nun auf offiziellem Wege hauptsächlich an die saudische Goldraffinerie. Doch Berichten zufolge stahlen die RSF Gold im Wert von hunderten Millionen Dollar, um sie in die Emirate zu exportieren.
Auch Qatar bereichert sich an den Mineralvorkommen und bohrt nach Kupfer im Sudan. Dabei arbeiten Bergbauorganisationen zusammen mit dem sudanesischen Mineralministerium an einem Projekt im Wert von 800 Millionen Dollar.
Von den Milliardenprofiten der offiziellen Geschäfte geht auch ein Teil in den Sudan in Form von Hilfspaketen oder Finanzspritzen zurück. Dabei wird die Wirtschaft jedoch laut Medienberichten nicht nachhaltig unterstützt und aufgebaut bzw. ein langlebiger Handel initiiert.
Humanitäre Konferenz ohne Konsequenzen: Berlin verwaltet den Krieg im Sudan
Deutschland liefert mehr Waffen an die VAE
Die Vereinigten Arabischen Emirate gehören zu Deutschlands und Westeuropas engsten Partnerstaaten in der Region. Im Juni kritisierte Human Rights Watch das Schweigen und die Untätigkeit der EU-Staaten. Die Erklärungen der europäischen Staaten und das fehlende politische Eingreifen kritisiert die Organisation als „lauwarm“.
Deutschland könnte etwa den Waffenexport in die VAE einstellen, da die Emirate nachweislich in den Krieg im Sudan mit eigens importierten Waffen eingreifen. Im Zuge des Iran-Krieges erleichterte jedoch die Bundesregierung den Export von Rüstungsgütern und Waffen in die Golfregion. Konkret bedeutet dies eine schnellere Ausfuhrgenehmigung, ohne vorher einen Ausfuhrantrag stellen zu müssen.

