Der Deutsche Wetterdienst verzeichnet einen der heißesten Sommer seit Beginn der Aufzeichnung. Zu erklären sei dies nur durch den Klimawandel. Doch auch nach den Hitzewellen sorgen Extremwetterereignisse weltweit für tausende Vermisste und Todesfälle.
Der Deutsche Wetterdienst (DWD) veröffentlichte vor kurzem eine vorläufige Auswertung des diesjährigen Sommers. Dabei stellt der DWD klar, wie weit außerhalb der Norm Extremwetter und Hitze dieses Jahres ausfielen. „Auffällig und außergewöhnlich waren insbesondere die Extreme: Die Hitzewelle Ende Juni erreichte in Ausmaß und Folgen Dimensionen, wie sie in Deutschland bislang nicht beobachtet wurden.“
Somit sei der Sommer 2026 der zweitwärmste seit Aufzeichnungsbeginn – einzig der Jahrhundertsommer 2003 dürfte laut dem DWD wärmer gewesen sein. „Beispiellos war 2026 die Häufigkeit der Hitze“, hieß es vom DWD weiter. So hatten wir in Deutschland diesen Sommer oftmals Temperaturen von deutlich über 40 Grad. Dazu kamen tropische Nächte, in denen kaum Abkühlung möglich war.
Der Sommer war zudem sehr trocken, besonders im Westen und Südwesten von Deutschland. Diese Trockenheit und ausbleibender Regen führten dazu, dass der Pegelstand des Rheins zeitweise so stark zurückging, dass Güterschiffe gar nicht mehr oder nur ohne Fracht fahren konnten.
Außerdem starben nach konservativen Schätzungen des Robert-Koch-Instituts bis Mitte August etwa 15.800 Menschen an Folgen der Hitze. Allein 9.600 davon durch die Extremhitzewelle Ende Juni, weitere 4.000 dann in den ersten zwei Augustwochen. Damit sind dieses Jahr mehr Menschen in Deutschland durch Hitze gestorben als in den letzten 10 Jahren. Die Dunkelziffer dürfte noch höher sein, lässt sich aber nur schwer abschätzen, da auf Totenscheinen nicht die Hitze als Todesursache benannt wird, sondern nur deren gesundheitliche Auswirkungen.
Dabei macht der DWD den Klimawandel zum Hauptgrund für den historisch heißen Sommer aus: „Eine Attributionsstudie vom DWD zur Hitzewelle Ende Juni 2026 ergab: Ohne den Klimawandel wäre eine Hitzewelle dieses Ausmaßes statistisch unmöglich gewesen.“ Attributionsstudien dienen dazu, die Wahrscheinlichkeit und Intensität von Wetterextremen im Kontext des Klimawandels zu untersuchen.
Die verspätete Reaktion der Bundesregierung
Für immer wiederkehrende Kritik sorgte dabei das größtenteils ausbleibende Handeln der Bundesregierung. Zunächst äußerte sie sich nicht zu diesen dem Klimawandel geschuldeten Extremwetterereignissen. Mittlerweile beteuerte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), aus dem Hitzesommer 2026 Lehren zu ziehen und konkrete Hilfe prüfen zu lassen. Konkrete Maßnahmen bleiben bisher jedoch weiter aus.
Anders sieht das bei den wirtschaftlichen Folgen der extremen Hitze und Trockenheit aus. Hier reagierte die Regierung deutlich schneller auf die Bedrohung der Binnenschifffahrt. Die Tiefstände im Rhein mussten dann vor allem von Lastwagenfahrer:innen ausgeglichen werden, zeitweise wurde dazu auch das Sonntagsfahrverbot aufgehoben.
Scharfe Kritik an der Lockerung des Sonntagsfahrverbots für LKW
Dabei zeigen andere Länder, dass das Problem schon seit langem bekannt ist und Abhilfen schon viel früher bedacht werden konnten. Dass der Klimawandel irgendwann – eher früher als später – seine Folgen zeigen würde, veranlasste beispielsweise Frankreichs Hauptstadt Paris schon 2003 dazu, sich auf starke Hitzewellen vorzubereiten. Dies geschah als Reaktion auf den Jahrhundertsommer 2003. In Deutschlands Hauptstadt Berlin verabschiedete man einen solchen Hitzeaktionsplan erst 2024 – etwa 21 Jahre, nachdem Paris erste Schritte eingeleitet hatte.
Obwohl vor den Folgen des Klimawandels also schon seit Jahrzehnten gewarnt wurde, passte sich der deutsche Staat nicht diesen Bedingungen an. Auch die groß angekündigten „Klimafolgeanpassungen“ scheinen bisher größtenteils auszubleiben. Dieser Hitzesommer war nun ein erster Vorgeschmack auf die Folgen, die solche Versäumnisse mit sich bringen.
Trotz weniger Hitze: Extremwetter hält an
Doch auch wenn der Hitzesommer fürs Erste überstanden scheint, machen sich die Folgen des Klimawandels weiter bemerkbar. Im Hürtgenwald in der Eifel gab es im August beispielsweise einen einwöchigen Großbrand. Menschen mussten einen Ortsteil verlassen und Häuser wurden evakuiert.
Außergewöhnlich schwere Unwetter und Hagelstürme richten derweil starke Schäden in der Region rund um den Bodensee an – neben Deutschland sind auch die Schweiz und Italien betroffen. Die starken Sturmböen seien laut einem Meteorologen des DWD bemerkenswert gewesen. In Friedrichshafen am Bodensee und Weilheim im Südschwarzwald etwa wurden am Freitag Windgeschwindigkeiten von über 110 km/h gemessen.
Der Sturm sorgte für zahlreiche Sachschäden. So gab es umgestürzte Bäume, gesperrte Bahnstrecken und abgedeckte Häuser. In der besonders stark getroffenen Stadt Singen wurden etwa 190 Häuser beschädigt und ein Gebäude ist unbewohnbar und einsturzgefährdet. In Cremona, Italien, wurden laut Medienberichten rund 10.000 Autos von Hagelkörnern beschädigt.
Tödliche Sturzfluten im Grand Canyon und Himalaya
Außerhalb Europas sorgen Extremwettereignisse derweil für großes Aufsehen. Die schwere Sturzflut im Grand Canyon im US-Bundesstaat Arizona zwang dutzende Menschen zur Evakuierung. Bisher ist bekannt, dass zwei Menschen bei der Sturzflut ums Leben kamen, weitere 20 sind allerdings immer noch vermisst. Außerdem wurde die einzige Wasserleitung in den Nationalpark stark beschädigt.
Hunderte Tote und tausende Vermisste bei Sturzflut in Nepal und Tibet
Eine weitere Sturzflut ereignete sich im Himalaya. Sie betrifft laut Hilfsorganisationen wie dem Roten Kreuz oder der Caritas mehr als 90.000 Menschen. Bisher verzeichnet sind mehr als 1.000 Todesopfer, weiterhin werden knapp 5.000 weitere vermisst. Die Flut stammt wohl aus dem Fluss Bhotekoshi, der im tibetischen Hochland entspringt. Was genau die Katastrophe auslöste, wird zurzeit noch untersucht.
Zwar ist der Klimawandel nicht automatisch die Erklärung für jede einzelne Sturzflut, allerdings verändert die Erderwärmung die Bedingungen, die solche Katastrophen wahrscheinlicher und folgenreicher machen können. Meist entstehen Sturzfluten nämlich dann, wenn in kurzer Zeit sehr viel Regen fällt und das Wasser nirgendwo schnell genug hinabfließen oder versickern kann. Der Weltklimarat (IPCC) geht davon aus, dass der Klimawandel für häufigere und intensivere Starkniederschläge sorgt.

