500 Menschen protestierten in der Schweiz gegen das Vergessen des Genozids an dem tamilischen Volk im Jahr 2009 auf Sri-Lanka. Sie verurteilen das Schweigen der Vereinten Nationen zu diesem Völkermord und zur bis heute andauernden Unterdrückung der Tamil:innen.
Am Montag, 14. September, fand in Genf eine Protestaktion der Eelam-Tamil:innen statt. Der Start war eine Demo, die durch die Stadt zum Sitz der Vereinten Nationen in der Schweiz führte. Es beteiligten sich rund 500 Personen an der Demonstration und der anschließenden Kundgebung vor der UN. Anlass des Protests und der Kundgebung war eine Tagung der Vereinten Nationen, welche die Situation der Eelam-Tamil:innen auf Sri-Lanka thematisierte.

Das Mullivaikkal-Massaker 2009
Bis heute sind viele Menschen durch die Massaker in ihrer Heimat traumatisiert und es fällt vielen schwer, über die Ereignisse, vor allem über das Mullivaikkal-Massker im Jahr 2009 zu sprechen. Bei diesem Genozid wurden rund 70.000 Tamil:inen ermordet und über 150.000 werden bis heute vermisst. So tauchen, während immer noch Familien nach ihren Angehörigen suchen, immer wieder neue Massengräber auf.
Eelam-tamilische Diaspora protestiert in Brüssel gegen das Vergessen des Genozids in Sri Lanka
Außerdem wurde beim Massaker von Mullivaikkal die eelam-tamilische Guerilla, die Liberation Tigers of Tamil-Eelam (LTTE), militärisch besiegt. Die LTTE war eine Guerillaarmee, die für die Unabhängigkeit der tamilischen Gebiete auf Sri-Lanka kämpfte. Ihr Widerstand richtete sich aber auch gegen das weitverbreitete Kastenwesen, patriarchale Gewalt und die Unterdrückung von Frauen. So gab es innerhalb der LTTE auch eigene Fraueneinheiten.
Seit dieser Zeit geht die Unterdrückung der Eelam-Tamili:innen aber weiter – durch Landraub, die Entweihung eelam-tamilischer Gedenkstätten sowie andauernde Verhöre zu etwaigen Aktivitäten der LTTE. „Dies schafft ein Klima der Angst, welches dazu führt, dass viele Eelam-Tamil:innen sogar gegenüber ihren eigenen Kindern zu dem Völkermord von 2009 schweigen“, erklärte eine Aktivistin der Tamil Youth Organisation (TYO). Weiter führte sie aus: „Um so wichtiger ist es, dass die eelam-tamilischen Jugendlichen in der Diaspora ihre Stimme erheben, um den Genozid an ihrem Volk, aber auch das Schweigen der internationalen Staatengemeinschaft zu verurteilen.“
Kritik aus internationalistischer und kurdischer Perspektive
Kurd:innen und Internationalist:innen wiesen darauf hin, dass auch die deutsche Regierung eine unrühmliche Rolle spielt und eelam-tamilische Veranstaltungen durch das Verbot ihrer Nationalflagge kriminalisiert. Seit 2021 besteht in der BRD dieses Verbot. „Es ist ein befreiendes Gefühl, in der Schweiz die eelam-tamilische Flagge öffentlich zeigen zu können“, äußerte ein Aktivist aus der kurdischen Bewegung, der sich an der Aktion beteiligte. Die Grundlage des Verbots ist die Behauptung, dass es sich bei der Flagge um das Symbol der LTTE handele, die in Deutschland als Terrororganisation gelistet wird.
Der deutsche Imperialismus und die tamilische Befreiungsbewegung
Die tamilische Jugend erhebt ihre Stimme
Vor allem durch kämpferische Reden und Parolen war deutlich zu erkennen, dass die eelam-tamilische Jugend in Europa die Realität der Unterdrückung ihres Volkes in ihrer Heimat nicht unwidersprochen lässt. Der Protest war lautstark und Vertreter:innen der TYO aus ganz Europa hielten Redebeiträge.

In Reden auf Tamil, Englisch, Französisch sowie auf Deutsch wurden die verschiedenen Themen eingehend behandelt. Die meisten Reden wurden von Aktivist:innen der TYO gehalten, wodurch die Vorreiterrolle der eelam-tamilischen Jugend bei den Protesten deutlich wurde.
Die TYO ist die eelam-tamilische Jugendorganisation, die sich neben politischen Belangen der Eelam-Tamil:innen auch für den Erhalt ihrer Sprache und Kultur einsetzt. Zum Abschluss wurde die Kundgebung mit dem Einholen der eelam-tamilischen Nationalflagge beendet.

