Am 28. Juni ist der Jahrestag des Stonewall-Aufstands, der als Startpunkt der organisierten LGBTI+ -Bewegung gilt. An diesem Tag wurden die ersten Schritte in ihrem Befreiungskampf gegangen. Wir müssen diesen Kampf heute fortsetzen: Durch eine proletarische LGBTI+ -Bewegung, die gegen Imperialismus und Patriarchat bis hin zum Sozialismus kämpft. – Ein Kommentar von Ivan Barker

Der Stonewall-Aufstand 1969 bestand in einer Reihe von Straßenschlachten, bei denen sich die Gäste des „Stonewall Inns“ in New York gegen die Durchsetzung homo- und transfeindlicher Gesetze durch die Polizei zur Wehr setzten. Sie ließen sich die Unterdrückung durch den Staat aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder ihres Geschlechts nicht länger gefallen. Ihr Widerstand war der Beginn eines langen und noch heute andauernden Kampfes von LGBTI+ Personen, in den USA und auf der ganzen Welt.

Vieles konnte seitdem erkämpft werden, wie z.B.  ein Ende der Kriminalisierung von Homosexualität in der BRD oder die Möglichkeit, sich als trans Person einer Hormontherapie zu unterziehen. Dennoch kam es in vielen Ländern in den letzten Jahren auch wieder zu Rückschritten, wie in den USA, Polen oder Ungarn. Auch in der BRD sind LGBTI+ Personen keineswegs gleichberechtigt, geschweige denn befreit. Weiterhin herrscht Homo- und Transfeindlichkeit auf der Straße und in Familien und wird durch den Staat durchgesetzt.

LGBTI+ Personen können auch nicht befreit sein, solange der Imperialismus herrscht: Die Grundlage für ihre Unterdrückung bilden das Patriarchat und der Kapitalismus und die aus ihnen hervorgehende bürgerliche Kleinfamilie. Um die gesellschaftliche Arbeitsteilung zwischen Männern und Frauen aufrecht zu erhalten, muss der Imperialismus zum Beispiel die Auflösung des binären Geschlechtersystems verhindern und gleichgeschlechtliche Beziehungen unterdrücken.

Trotzdem versucht er immer wieder, LGBTI+ Personen für seine Zwecke zu instrumentalisieren, indem er angeblich auch ihre Rechte mit Bomben und Raketen verteidigt. Dabei ist historisch erwiesen, dass zum Beispiel in islamisch geprägten Ländern gleichgeschlechtliche Beziehungen vor der Kolonialisierung durch westliche Imperialisten als selbstverständlicher Teil der Gesellschaft wahrgenommen wurden. Auch die bürgerlichen „Pride“-Paraden dienen dem Kapital: Großkonzerne zeigen sich in Regenbogenfarben, um auch LGBTI+ Personen als Konsument:innen zu gewinnen, und die reine Partystimmung verdrängt jeden Funken von politischem Kampf.

Ebenso dient „Diversity“ in Führungsetagen von Großkonzernen letztendlich nur den LGBTI+ Personen der Kapitalist:innenklasse, ebenfalls einen Teil des Profits von der Ausbeutung der Arbeiter:innenklasse abzubekommen, wie auch gleichzeitig der ideologischen Einbindung der Arbeiter:innenklasse. Die Ursachen für LGBTI+ Unterdrückung, das Patriarchat und der Kapitalismus, werden dabei überhaupt nicht angerührt, sondern im Gegenteil gefestigt.

Die LGBTI+  -Frage ist also eine Klassenfrage. Während Jens Spahn Spitzenpolitiker werden kann, werden LGBTI+ Personen der Arbeiter:innenklasse weiterhin ausgebeutet und durch den Staat unterdrückt. Der Kampf für ihre Rechte ist im Interesse der Arbeiter:innenbewegung, da er die Spaltung unserer Klasse aufgrund von Geschlecht und sexueller Orientierung bekämpft und die patriarchale Ordnung der bürgerlichen Kleinfamilie angreift.

Diese Rechte wirklich erkämpfen und verteidigen kann aber nur eine klassenkämpferische, proletarische LGBTI+ -Bewegung. Sie darf nicht auf die Märchen des regenbogenfarbenen Kapitalismus oder eines klassenübergreifenden Kampfes hereinfallen. Stattdessen muss sie erkennen, dass für die tatsächliche LGBTI+ -Befreiung ein Ende von Patriarchat und Kapitalismus notwendig ist – und beides nur durch den Kampf für den Sozialismus erreicht werden kann.