Die Inflation schlägt weltweit zu. In Argentinien müssen die Menschen mittlerweile zu drastischeren Mitteln greifen und beginnen mit Tauschhandel, um sich über Wasser zu halten.

In Deutschland sind die Waren nach offizieller Inflationsrate 7,5% teurer im Vergleich zum Juli 2021, also vor einem Jahr. In Argentinien liegt die Inflationsrate derzeit bei 7,4% im Vergleich zum Juni 2022, also vor zwei Monaten. Würde man die argentinische Statistik auf die deutsche Statistik anpassen ergibt sich eine Inflationsrate von 71% auf das Vorjahr gerechnet.

Die Preise steigen dort also unglaublich schnell. Derzeit wohnen in dem Land 42 Millionen Menschen. 7% davon sind laut staatlicher Statistik erwerbslos, 40% der Bevölkerung sind von Armut betroffen.

Derzeit schreiben viele bürgerliche Medien davon, dass die Argentinier:innen „wahre Inflationsexperten“ seien. Hintergrund ist, dass die argentinische Inflation im Jahr 1980 schon einmal 3.000% betrug und seit 2018 die jährliche Teuerungsrate nie unter 30% gedrückt werden konnte. Aber die Gewohnheit ändert nichts daran, dass die enorme Preissteigerung aller lebensnotwendigen Waren eine gewaltige Last für die Menschen im Land ist.

Der argentinische Wirtschaftsminister, Sergio Massa, kündigte an, dass der Kampf gegen Inflation ein zentrales Thema seiner Amtszeit sein würde. Doch was passiert, wenn Wirtschaftsminister die Inflation bekämpfen sollen, erleben wir derzeit hautnah am eigenen Finanzminister, Christian Lindner (FDP).

Der macht nämlich großzügige Geschenke und Versprechungen an die Wirtschaft, während der Bevölkerung Sozialleistungen gestrichen und Steuern aufgebürdet werden. In Argentinien werden ebenfalls sozialpartnerschaftliche Verträge mit den Gewerkschaften ausgehandelt. Hierbei erhöhen sich die Gehälter alle sechs Monate um 25%.

Nach Adam Riese hinkt die Lohnsteigerung also der Inflation massiv hinterher. Die Leute können sich immer weniger von ihrem Einkommen leisten.

Tödlicher Tauschhandel im Kapitalismus

Diese Zahlen und Vereinbarungen treiben die Menschen in die Enge. In den Favelas, den armen Vorstädten, greift nun der Tauschhandel um sich. Was den einen oder anderen an urkommunistische Romantik erinnern könnte, ist im Kapitalismus tödlich: Die Menschen versuchen Haushaltsgegenstände oder Spielzeuge gegen Nahrung zu tauschen. Aber die einzutauschenden Gegenstände sind endlich, und die Nahrung wird aufgezehrt. Das Ende dieser Spirale sind Obdachlosigkeit und der Verlust des gesamten Hab und Guts.

Schon seit mehreren Jahren tragen in Argentinien die Menschen immer wieder ihren Protest auf die Straße, um sich gegen die Politik und gegen das System zu wehren. Die Lage ändert sich allerdings bisher nicht. Alles deutet daraufhin, dass der Kapitalismus den Argentinier:innen keinen Ausweg zu bieten hat.