Der Duisburger Stadtteil Marxloh ist der wahr gewordene Alptraum eines jeden AfD-Wählers. Spätestens seit Merkels Besuch 2015 und der darauf einsetzenden Überflutung Marxlohs mit Kamerateams hat der kleine Ort auch bundesweite Bekanntheit. Er gilt sogar als eine der berüchtigten „No-Go-Areas“ des Ruhrgebiets. Doch welche Ursachen hat dieser Ruf?

Die Hetze von Medien und Konservativen hat dafür gesorgt, dass MarxloherInnen häufig ein erschrockenes bis mitleidiges Raunen entgegenschlägt, wenn sie sich anderernorts als solche vorstellen. Es wird das Bild eines Stadtteils gezeichnet, in den sich selbst Polizisten nicht hinein trauten, man als Deutsche/r nicht sicher sei und libanesische Familienclans die Macht inne hätten. Die meisten MarxloherInnen wissen, welch ausgemachter Quatsch das alles ist.

Dennoch hat Marxloh ein Problem und dieses Problem heißt Armut. 43% aller MarxloherInnen müssen von sogenannten „Transferleistungen“ leben. Ein Großteil der Kinder geht jeden Morgen ohne Essen in die Schule. Die Einkommen sind niedrig und die Überschuldung ist hoch. Jedoch werden die Probleme des Stadtteils nicht auf die Armut zurückgeführt, sondern in den meisten Fällen auf die hohe Anzahl an Zuwanderern, vor allem Bulgaren und Roma. Sie sind am stärksten von der Armut betroffen und dadurch in der „Hackordnung“ ganz unten. Manche, schon lange in Marxloh lebende TürkInnen klingen dann gelegentlich selbst wie AfDler, wenn sie von „den Zigeunern“ sprechen.

Ein Großteil der aus Südost-Europa stammenden MigrantInnen lebt hier ohne Krankenversicherung und wohnt in mehrfach überbelegten Wohnungen. HauseigentümerInnen versuchen, aus den Ärmsten unter den Armen noch den letzten Cent Profit herauszuquetschen. Sie ersteigern für Billigpreise heruntergekommene Häuser, renovieren – wenn überhaupt – nur das Allernötigste und vermieten sie dann an die Zugewanderten. Häufig leben dann mehr als doppelt so viele Menschen wie vorgesehen in diesen Wohnungen. Schadensmeldungen durch die BewohnerInnen werden von den VermieterInnen ignoriert. Die daraus entstehenden Müllprobleme und der teilweise katastrophale Häuserzustand werden rassistisch der Lebensart der MieterInnen zugeschrieben.

Die Stadt Duisburg hat sich vorgenommen einzugreifen. Daniela Lesmeister, Duisburgs Dezernentin für Recht und Sicherheit, will sich der Sache annehmen. Sie gründete im letzten Jahr eine sogenannte „Task-Force“, um gegen die sogenannten „Schrottimmobilien“ vorzugehen. Diese sollen nach und nach geprüft, falls erforderlich für gefährlich befunden, geräumt und versiegelt werden. Wer sich ihre Berichte anschaut, kann meinen, hier rette eine tapfere Heldin mit Edelmut die BewohnerInnen vor dem sicheren Tod. In Wirklichkeit geht sie aber nicht gegen das verbrecherische Treiben der EigentümerInnen vor, sondern gegen die MieterInnen. So wurde von Räumungen berichtet, bei denen Beamte des Ordnungsamtes mit Gewalt die BewohnerInnen aus ihren Häusern zerrten. Diese standen dann im Winter nachts buchstäblich auf der Straße. Wer es dann von ihnen schaffte herauszufinden, wo für sie Ersatzunterkünfte bereitgestellt wurden, der fand sich in einer Turnhalle ohne Toilette wieder. Eine Lösung fernab solcher Methoden ist bei Frau Lesmeister nicht vorgesehen. Der Duisburger Oberbürgermeister Sören Link (SPD) hatte 2015 längst mit seinem rassistischen und viel zitierten „Angebot“, doppelt so viele Syrer aufnehmen zu wollen, wenn man ihm dafür die Zuwanderer aus Rumänien und Bulgarien abnehme, eine Agenda der gezielten Vertreibung ausgesprochen.