In Deutschland arbeiten derzeit mehr als 991.000 ArbeiterInnen auf Abruf in sogenannten Zeit- und Leiharbeitsfirmen. Zum Vergleich ist das eine Steigerung von ca. 18% zum Jahr 2013 und um ca. 72,5% zum Jahr 2003. Warum ist die Zahl an Zeit- und LeiharbeiterInnen so stark angestiegen?

Im Jahre 2016 haben die Konzerne und Betriebe allein durch die sogenannten „Arbeitnehmerüberlassungen“ einen Umsatz von 20,3 Milliarden Euro erzielt. Das sagt uns doch, dass das für die Konzerne und Betriebe eine lohnenswerte Alternative zu den normalen Voll- oder Teilzeitarbeitsverträgen ist.

Der Witz dabei ist: Ein Teil dieses – auf Schweiß und Tränen basierenden – erwirtschafteten Geldes fließt in Form von Spenden an die etablierten Parteien, damit diese ihre Unternehmerinteressen in der Politiklandschaft durchboxen. Das führt dazu, dass sich zwar etwas verändert, aber ganz bestimmt nicht zum Positiven für uns ArbeiterInnen.

Vor der diesjährigen Bundestagswahl hat die Automobilindustrie wie z.B. der Automobilhersteller Daimler 100.000 € an die CDU und an die SPD gespendet.
Aus der BMW-Großaktionärsfamilie Quandt gingen 200.000 € jeweils zur Hälfte an CDU und FDP – und das sind nicht einmal die höchsten Spendenbeträge, die unsere sogenannten „Volksparteien“ erhalten haben.

Daimler und BMW gehören zu solchen Großkonzernen, die mit der Zeit- und Leiharbeit ihre Profite maximieren – denn genau das ist der Sinn hinter der kapitalistischen Wirtschaftsweise. Es besteht gar kein Interesse, die mitunter langjährigen Leih- und ZeitarbeiterInnen in “feste“ Arbeitsverhältnisse zu bekommen. Dafür ist dieses Geschäft mit uns viel zu lohnenswert für die Konzerne und Betriebe.

Wie es unsereins damit geht, interessiert niemanden in Politik und Wirtschaft. Ihnen ist das Geld in ihrer Hosentasche „am nächsten“ und sie würden alles tun, um die Konkurrenz im Wirtschaftsmarkt auszuschalten, um ihre Monopolmacht weiter auszubauen.

Das Schlimme dabei ist: Dieses Konkurrenzdenken bleibt nicht nur unter den Herrschenden, sondern ist schon lange bei uns ArbeiterInnen angekommen. Aber ich frage, ist das die richtige Umgangsweise unter uns allen? Nein, denn Jede/r von uns kann in prekäre Arbeitsverhältnisse wie z.B. die Leiharbeit rutschen. Viele von uns mussten schon die schmerzliche Erfahrung machen, sich beim Jobcenter melden zu müssen, um dann mit hoher Wahrscheinlichkeit vom Amt „Jobangebote“ von irgendwelchen Zeitarbeitsfirmen zu bekommen.

Die Einsatzmöglichkeiten für LeiharbeiterInnen ist in den letzten Jahren deutlich ausgebaut worden. Wir müssen mittlerweile in der Logistik, im Gastronomiegewerbe, in der Produktion, im Dienstleistungsgewerbe und im Handel damit rechnen, ein „nettes Jobangebot“ über eine Zeitarbeitsfirma zu bekommen. Das sind nur einige ausgewählte Bereiche, in denen das bislang schon möglich ist.

Die maximale „Verleihzeit“, oder auch „Höchstüberlassungsdauer“ genannt, wurde in den letzten 25 Jahren immer weiter angehoben. Angefangen bei maximal drei Monaten wurde sie mit den Jahren immer weiter erhöht und bis zur Höchstüberlassungsdauer von 24 Monaten ausgebaut.

Ab dem 1. April 2017 ist eine neue Regelung in Kraft gesetzt worden, dass LeiharbeiterInnen maximal für eine Dauer von 18 Monaten verliehen werden dürfen. Aber ist das wirklich eine Verbesserung?

Die Unternehmen werden – wie zuvor auch – die LeiharbeiterInnen nach Ablauf der Überlassungsfrist und einer Pause von ein bis zwei Monaten erneut verleihen, und dann fängt der “Spaß“ wieder von vorne an. Dass der/die LeiharbeiterIn dadurch existenzielle Probleme bekommt, die Lebenshaltungskosten zu finanzieren, ist den Betrieben und der Leiharbeitsfirma meistens völlig egal.

Der Kapitalismus findet immer wieder neue Formen und Wege, mehr Profit aus uns ArbeiterInnen zu quetschen. Daran werden auch keine Reformen von Regierung und der parlamentarischen Opposition wie Linkspartei und Co. etwas ändern. Sie stimmen wie alle anderen Parteien für Sozialkürzungen und für die Beschneidung unserer Rechte und Freiheiten, wie z.B. die Verschärfung der öffentlichen Überwachung.

Früher oder später sind sie alle käuflich, wenn nur genug Geld auf dem Tisch liegt. Was wir brauchen ist eine Partei, die sich bedingungslos für unsere Belange und Interessen einsetzt, und die kann es nur von unten geben. Von hier unten, wo wir als ArbeiterInnenklasse stehen und uns tagtäglich den „Arsch aufreißen“ müssen und am „Malochen“ sind.

Lasst uns nicht weiter auf den Parlamentarismus verlassen, weil die PolitikerInnen genau diejenigen sind, die uns jeden Tag ein Bein stellen. Fang‘ an, dich mit deinen KollegInnen und deinen LeidensgenossInnen zusammen zu setzen! Informiert euch, bildet euch und organisiert euch! Geht auf die Straße!

Wer soll es denn sonst für uns tun?!

 

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