Mit ihrem am 12. Januar veröffentlichten 5. Album „Sturm und Dreck“ sind die ostdeutschen Punker dann auch gleich auf Platz 3 der Album-Charts gelandet. In Zeiten, in denen die AfD zur festen Größe im parlamentarischen System geworden ist, bestimmt kein schlechtes Zeichen. – Eine Kritik von Anton Dent.

Im Jahr 2011 wurde die kleine Punkband namens „Feine Sahne Fischfilet“ offiziell vom Verfassungsschutz Mecklenburg-Vorpommern als staatsfeindlich geadelt. Seitdem ist nicht nur die Anzahl der Feinde, sondern auch die der Fans gewaltig gestiegen.

Dies ist für gewöhnlich der Zeitpunkt, an dem einer solchen Band der Sell Out-Vorwurf entgegen zu kommen droht. Wohl auch deshalb hat man sich beim neuen Album besondere Mühe gegeben, dem Punk treu zu bleiben. Das Plattencover zeigt eine dreckverkrustete Hand, die dem Betrachter einen vermutlich ausgeschlagenen Zahn präsentiert und signalisiert damit: Wenn du Musik zum Wohlfühlen willst, bist du hier falsch. Auch soundtechnisch hat man sich nicht etwa für das Radio glattbügeln lassen, denn es knarzt, rauscht, bollert und dröhnt, wie es sich für Punk gehört.

Neben Party- und Mitgröl-Mucke ist dieses Album auch wieder gewohnheitsmäßig politisch. Gewohnheitsmäßig ist hier aber auch durchaus etwas negativ zu verstehen, denn viel Neues haben die Lieder nicht zu bieten. Der Song „Angst frisst Seele auf“ ist beispielsweise der linken Politikerin und Thüringer Landtagsabgeordneten Katharina König-Preuss gewidmet. Diese engagiert sich seit Jahren im NSU- Untersuchungsausschuss und erhält dafür immer wieder Morddrohungen aus der Nazi-Szene. Dies ist sicherlich kein unwichtiges Thema und auch einen Song wert, aber etwas mehr als Haltung gegen Nazis und Rassismus sollte man schon noch von einer Band aus den Reihen des linken Aktivismus erwarten.

Gänsehaut-Feeling kommt hingegen bei dem Song „Suruç“ auf, der den Terroranschlag dort im Jahr 2015 behandelt, bei dem 34 Menschen getötet wurden. Unter dem Motto: „Gemeinsam haben wir es verteidigt, gemeinsam bauen wir es wieder auf!“ hatte damals die Föderation der sozialistischen Jugendverbände der Türkei „SGDF“ dazu aufgerufen, die vom IS befreite, aber zerstörte Stadt Kobane wieder aufzubauen. Noch vor dem Grenzübertritt sprengte sich auf einer öffentlichen Pressekonferenz ein Selbstmordattentäter selbst in die Luft.

Neben einigen kritischen Textzeilen ist „Sturm und Dreck“ ein optimistisches Werk, denn immer wieder tauchen Motive wie Solidarität, Widerstand und Hoffnung in den Song-Texten auf. Es ist schön, dass man heute noch mit linker Musik Erfolg haben kann, aber beim nächsten Mal dürfte es dann ruhig ein paar mehr Songs geben, die nicht auch auf einer JuSo Feier funktionieren würden.