Die Kritik am Stil Richard Grenell ist überzogen und oberflächlich. – Ein Kommentar von Dirk Paul Shevek

Der US-Botschafter für Deutschland, Richard Grenell, ist kein gewöhnlicher Diplomat. Sein Verhalten und seine Aussagen sind dafür einfach zu undiplomatisch. Schon an seinem ersten Tag sorgte er für empörte Gesichter in der deutschen Politik- und Medienlandschaft, als er über Twitter verkündete, dass deutsche Unternehmen ihre Geschäftsbeziehungen zum Iran mit sofortiger Wirkung zurückschrauben sollten. In der Wahl der Kommunikationsmittel und des Stils kommt der ehemalige FoxNews-Mitarbeiter also ganz nach seinem Chef, Donald Trump. Ex-Bundeskanzler, Gerhard Schröder, warf dem US-Diplomaten gar vor, sich wie ein „Besatzungsoffizier“ zu verhalten.

Als Cheflobbyist deutsch-russischer Wirtschaftsbeziehungen steht Schröder in direkter Konkurrenz zu Grenell. Daher ist seine starke Ablehnung gegenüber dem Botschafter nicht verwunderlich. Dieser droht nämlich nun deutschen Unternehmen mit Sanktionen, wenn sie sich weiterhin am Geschäft der Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 beteiligen würden. Wieder gibt es viel Aufregung. Die Linken-Politikerin und Bundestagsabgeordnete Sevim Dagdelen etwa empörte sich auf Twitter, indem sie Zweifel daran äußerte, dass Angela Merkel und Heiko Maß die „demokratische Souveränität“ Deutschlands ernst nähmen, und forderte die beiden auf, Grenell des Landes zu verweisen. So viel verletzten Nationalstolz erwartet man nicht unbedingt von einer Politikerin der Linken.

Es macht wenig Sinn, sich an Grenell abzuarbeiten und sich über die Art und Weise seines Auftretens in Deutschland aufzuregen. Er macht schließlich nur das, was Diplomaten halt so machen: Sie vertreten die Interessen ihres Nationalstaats. Im Falle Grenell sind dies nun mal die aggressiven Interessen einer imperialistischen Großmacht.

Die Sanktionspolitik gegenüber dem Iran oder der Widerstand gegen Nord Stream 2 entstammen nicht dem Büro Grenells, sondern dem Weißen Haus, und das auch schon, als Barack Obama noch darin hauste. Der Bau der Ostsee-Pipeline berührt schlicht und einfach fundamentale wirtschaftliche und außenpolitische Interessen der USA. Deutsche Botschafter machen im Ausland inhaltlich nichts anderes, nur methodisch. Normalerweise posaunt man seine Aktivitäten nicht so laut hinaus oder hängt diese an die große Glocke.

Zu kritisieren sind nicht der schroffe Ton Richard Grenells oder Donald Trumps, sondern die aggressive Konkurrenz imperialistischer Staaten. Wir brauchen auch die Regierung nicht aufzufordern, deutsche Unternehmen gegen den Druck und die Sanktionspolitik der USA zu schützen, wie es die Linken- Politiker Fabio de Masi oder Sarah Wagenknecht machen. Genauso wenig, wie uns die Profite der amerikanischen Konzerne interessieren, sind auch die der deutschen Konzerne nicht in unserem Interesse. Wir können uns sicher sein, dass die deutsche Regierung alles dafür tut diese zu schützen.

Mal wird das ein oder andere Unternehmen oder werden ganze Branchen den Kürzeren ziehen, wenn es darum geht abzuwägen. Schließlich jedoch sind Merkel und Co. bemüht, dem langfristigen Interesse des deutschen Gesamtkapitals zu dienen.

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