Altersarmut – viele haben Angst davor, viele sind davon betroffen. Wie kommt es, dass die gesetzliche Rente oftmals nicht ausreicht? Viele wären froh darüber, wenn sich etwas ändert – aber wie? – Ein Kommentar von Lisa Alex

Die Standardrente wird mit Hilfe des sogenannten „Eckrentners“ berechnet. Dieser hat 45 Jahre gearbeitet und dabei jeweils den Durchschnittslohn, der 2018 bei 3.045€ lag, verdient. Beim Renteneintritt ist er 67 Jahre alt. Hinzu kommt der sogenannte Rentenwert, der die Rentenauszahlung an die aktuelle Bruttolohnentwicklung anpasst. Die durchschnittliche, also die Standardrente betrug im letzten Jahr 1.381€ in Ost-, bzw. 1.441€ in Westdeutschland.

Altersarmut ist kein Randphänomen

Die Rechnung mit dem Eckrentner geht allerdings nicht auf! Er bleibt eine fiktive Person. Viele ArbeiterInnen verdienen monatlich um einiges weniger als diesen Durchschnittslohn. Auch gibt es wenige, die tatsächlich 45 Jahre durcharbeiten. Erziehungszeiten, Aus- und Weiterbildung oder Arbeitslosigkeit sind einige der Gründe, die Unterbrechungen im Arbeitsleben darstellen. Gleiches gilt für MigrantInnen, die einen Teil ihres Lebens in einem anderen Land gearbeitet haben. Noch hinzu kommt, dass die Lebens- und Arbeitsbedingungen oft langfristig krank machen: Rückenbeschwerden, Depressionen oder Krebserkrankungen führen nicht nur zu längeren Krankheitszeiten, sondern häufig auch dazu, dass ArbeiterInnen gezwungen sind früher in Rente zu gehen.

Da die Rente von der Entwicklung der Gesamtheit der Löhne abhängt, gibt es in Zeiten von hoher Arbeitslosigkeit oder wenn mehr Menschen Rente beziehen als neue sozialversicherungspflichtige Jobs entstehen, Probleme im Rentensystem. Die verschiedenen Rentenreformen, die seit den 1970ern unternommen wurden, führten nicht zur Verbesserung dieses Systems. Aus ihnen folgte vielmehr, dass die Rentenhöhe abgesenkt wurde. Heute ist das Rentenniveau, also das Verhältnis der Rente zum Lohn, auf 48% gesunken. Mitte der 1970er Jahre lag es noch bei 68%.
Real liegt die Durchschnittsrente bei 1.048€ für Neurentner, für Neurentnerinnen gerade einmal bei 716€.

Warum ist das so?

Da die Rente sowohl von der Lohnhöhe der/s Einzelnen, als auch von der Höhe der Gesamtheit der Löhne abhängt, sind es vor allem die niedrigen Löhne, welche die Rente niedrig halten. Bei den Werten, die wir ArbeiterInnen jeden Tag schaffen, müssten unsere Löhne eigentlich locker zum Leben reichen. Doch die Kapitalisten behalten einen großen Teil unseres geschaffenen Wertes ein und zahlen uns nur einen Bruchteil als Lohn aus. Sie zahlen uns gerade so viel, dass wir knapp überleben können. Eine Altersvorsorge ist so nicht möglich!

Frauen verdienen im Durchschnitt 21% weniger als Männer und sind immer noch diejenigen, die Erziehungspausen einlegen, die nur in Teilzeit arbeiten, um sich um Haushalt und Kinder kümmern zu können. Fehlende Betreuungsmöglichkeiten und ein patriarchales Rollenbild machen dies kaum anders möglich. Darum sind Frauen viel häufiger von Altersarmut betroffen. Das führt dazu, dass sie auch im Alter finanziell abhängig von ihren Männern oder Kindern sind, oder dass sie Grundsicherung beantragen müssen. Grund dafür, dass Frauen doppelt unterdrückt sind. Als Arbeiterin und als Frau.

…müssen wir gemeinsam kämpfen!

Viele RentnerInnen spüren es am eigenen Leib, wenn die Rente nicht mehr für den Lebensunterhalt ausreicht. Jedoch geht das Thema nicht nur die aktuellen RentnerInnen an. Auch die ArbeiterInnen und Jugendlichen, die heute noch arbeiten, werden einmal damit konfrontiert sein. Nicht ohne Grund hat die Mehrheit der Jugendlichen heute Angst vor der Armut im Alter.

Die Löhne und Renten müssen für ein menschenwürdiges Leben ausreichen. Dafür müssen sowohl die Löhne, als auch die Renten deutlich steigen. Da die Kapitalisten aber davon profitieren, die Löhne niedrig zu halten, werden diese Forderungen nicht ohne Druck erfüllt werden. Gemeinsam als Teile der ArbeiterInnenklasse müssen RentnerInnen, Jugendliche und ArbeiterInnen diese Forderungen erkämpfen. Dabei dürfen wir uns nicht auf die falschen Versprechungen der Politiker im Bundestag verlassen, sondern müssen auf unsere eigene Stärke vertrauen. Gemeinsam können wir den Druck steigern, gemeinsam können wir diese Veränderungen erkämpfen!