Auf der Münchener Sicherheitskonferenz hat Angela Merkel erklärt, der SchülerInnenprotest von „Fridays for Future“ sei Teil russischer hybrider Kriegsführung. Merkel, es ist deine Politik und die kapitalistische Zerstörung, die uns auf die Straßen zwingt! – Ein Kommentar von Ashraf Khan von der „Internationalen Jugend Freiburg“.

Münchner Sicherheitskonferenz, vergangenen Samstag: Der Journalist Stefan Kornelius fragt Kanzlerin Angela Merkel, was sie denn im Hinblick auf die kommende Europawahl zum Zusammenhalt der Europäischen Union zu sagen habe. Kaum jemand im Saal wird darauf eine klare und konkrete Antwort erwartet haben, die Befragte ist ja immerhin die ranghöchste Politikerin Deutschlands. Niemand wird sich erhofft haben, Merkel würde zum Beispiel zur Bekämpfung der Verelendung in Griechenland aufrufen.

Was Merkel dann aber sagt, ist schon außergewöhnlich wirr: „Europa hat Gegner. Und die hybride Kriegsführung seitens Russland ist täglich zu spüren“, betont sie. Das erste Beispiel, das ihr dazu einfällt: „In Deutschland protestieren jetzt die Kinder für Klimaschutz, das ist ein wirklich wichtiges Anliegen. Aber dass plötzlich alle deutschen Kinder, nach Jahren, ohne sozusagen jeden äußeren Einfluss auf die Idee kommen, dass man diesen Protest machen muss, das kann man sich auch nicht vorstellen.“

Nur Stunden später stellt der „Entschuldiger-vom-Dienst“, Regierungssprecher Steffen Seibert das Ganze dann via Twitter „richtig“: Merkel finde das Engagement der Jugendlichen gut. Doch der Nachgeschmack bleibt.

Merkel, du zwingst die Jugend auf die Straße!

Ich bin Ashraf, 20 Jahre alt und quasi eines dieser Kinder, die für Merkel Soldaten der hybriden Kriegsführung Russlands darstellen. Als Mitglied der Internationalen Jugend in Freiburg habe ich bereits am Klimastreik der „Fridays for Future“-Bewegung teilgenommen. Auch am 15. März werden wir in Freiburg und in vielen anderen Städten in mehreren Ländern wieder auf die Straße gehen, um gegen die profitgetriebene Umweltzerstörung zu protestieren.

Nein, das tun wir ganz sicher nicht ohne jeden äußeren Einfluss: Deine Politik, Merkel, und die deiner KollegInnen im In- und Ausland zwingt uns dazu. Wir können täglich spüren, wie ihr Herrschenden vorgebt, unsere Zukunft retten zu wollen, aber dabei doch nur Politik für die Kohle- und Ölkonzerne macht, die eure Beraterhonorare und eure Parteien bezahlen.

Ihr werdet uns nicht aufhalten

Also kurz gesagt: Nein, wir gehen nicht auf die Straße, weil angebliche russische Hacker uns manipuliert haben. Leider hat Putin auch noch keine Geldkoffer geschickt. Wir streiken und demonstrieren, weil wir keinen Bock darauf haben, dass ganze Landstriche unter Wasser stehen, wenn wir alt sind. Weil wir keinen Bock darauf haben, dass unsere Schwestern und Brüder in anderen Ländern verhungern müssen, weil Dürrekatastrophen die Ernten zerstören.

Darum fordern wir unter anderem den sofortigen Kohleausstieg und einen Ausbau der Stromnetze, damit wir alle mit nachhaltig produzierter Energie versorgt werden können. Wir fordern, dass sich die Wirtschaft an den Bedürfnissen der Menschen orientiert, statt an Profit. Und unser Bedürfnis ist ein gesunder Planet. Bis diese Forderungen erfüllt sind, werden wir weiter auf die Straße gehen. Und egal, was ihr Staatschefs und Kriegsexperten euch auf der Münchner Sicherheitskonferenz so ausgedacht habt: Ihr werdet uns davon nicht abhalten können.