Aus finanzieller Not heraus lassen sich tausende indische Arbeiterinnen die Gebärmutter entnehmen, um leistungsfähiger zu sein. Es ist ein Beispiel für das Elend, das der Kapitalismus hervorbringt. – Ein Kommentar von Lowis Brenner

In Zentralindien werden große Flächen für den Zuckerrohranbau genutzt und sechs Monate im Jahr wird geerntet. Die Beschäftigten sind meist Arbeiterinnen, die vom Tageslohn leben. Während der Menstruation können viele Frauen jedoch nicht auf dem Feld arbeiten. Schlechtere Hygiene und nur provisorische Hygieneartikel führen zu stärkeren Beschwerden. Das heißt, die ArbeiterInnen fallen monatlich circa 4-6 Tage aus und werden nicht bezahlt.

Finanziell bedeutet das einen erheblichen Verlust, der schwer zu tragen ist – der Hunger und Entbehrung bedeutet. Die Frauen müssen Kinder ernähren und werden von ihren Chefs unter Druck gesetzt. Es gibt keine Möglichkeit, woanders zu arbeiten, und die Frauen befürchten Benachteiligung: Benachteiligung im Vergleich zu Frauen, die nicht mehr menstruieren, weil sie sich die Gebärmutter haben entfernen lassen.

„Jetzt bin ich sehr oft krank.“

In den letzten Jahren haben indische Behörden verschiedene Zahlen dazu veröffentlicht, die dann im Nachhinein relativiert und verkleinert wurden. Im Landkreis Beed war zunächst von 80.000 entfernten Gebärmuttern die Rede. Später verschwand der Bericht.

Oft raten Ärzte oder die Besitzer der Plantagen den Frauen zur Operation. So war es auch bei Ushu Bimkaran, einer indischen Arbeiterin. Als sie Mitte zwanzig war, wurde ihr auf Rat eines Arztes die Gebärmutter entfernt. Seitdem hat sie keine Periode mehr. Stattdessen leidet sie an den Folgen des Eingriffs, über die sie im Vorhinein nicht aufgeklärt wurde.

Gegenüber Deutschlandfunknova sagt sie: „Früher habe ich viel mehr Geld verdient. Jetzt bin ich sehr oft krank. Ich habe solche Schmerzen in den Gelenken und im Rücken, dass ich kaum noch arbeiten gehen kann.“

Produkt des Systems

Die Entfernung der Gebärmutter macht nicht nur unfruchtbar. Mögliche Spätfolgen sind Knochenschwund und frühzeitige Wechseljahre. Die hormonellen Veränderungen können sich unterschiedlich und teils erheblich auswirken und zum Beispiel Depressionen verursachen. Zudem gibt es wie bei jeder Operation das Risiko einer Infektion.

Frauen leiden jedoch nicht nur unter den (Spät-)Folgen des Eingriffs. Für die teure Operation müssen sie sich außerdem verschulden. Ushus Chef hat ihr das Geld geliehen und verlangte danach monatliche Zinsen. Das Geld musste sie jahrelang zurückzahlen.

Ihre wirtschaftliche Notlage führt dazu, dass sich Frauen ohne medizinische Notwendigkeit ein Organ entnehmen lassen. Dabei nehmen sie erhebliche Risiken auf sich, über die sie nicht ausreichend aufgeklärt werden.

Das ist ein Symptom der gnadenlosen Profitmaximierung und der Alternativlosigkeit von Arbeiterinnen, die im Konkurrenzkampf gegeneinander ausgespielt werden – ein Produkt der Gesetzmäßigkeiten von menschenverachtender kapitalistischer Produktionsweise und der systematischen Unterdrückung der Frau.