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Samstag, Mai 25, 2024
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    Proteste gegen die Deutsche Fußball Liga (DFL): Ein Sieg, der Hoffnung macht

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    Am 21. Februar 2024 verkündete DFL-Funktionär Aki Watzke das Scheitern des geplanten Investoreneinstiegs. Ein knappes Jahr lang beschäftigte das Gespenst vom Ausverkauf des deutschen Profifußballs die nationale Fußballwelt. – Resümee eines erfolgreichen Kampfes gegen das Kapital von Vinzent Kassel

    Im Mai 2023 kündigte die Deutsche Fußball Liga (DFL) eine Abstimmung über die Möglichkeit von Verhandlungen mit einem externen Investor an. Unter den 36 Vereinen der 1. und 2. Bundesliga wäre eine DreiviertelMehrheit vonnöten gewesen, um diese Verhandlungen aufzunehmen. Das Fanszenen Deutschland”-Bündnis begleitete diesen Prozess von Anfang an kritisch. Es konnte die Verheimlichung der Abstimmung publik machen und eine Debatte anstoßen. Das Bündnis erklärte wo immer möglich, warum der Deal unfair für kleinere Vereine und das Mitspracherecht eines externen Investors schädlich für den Fußball seien. Im Zentrum der Kritik standen außerdem die Kurzfristigkeit des Antrags bis hin zur Abstimmung, sowie die fehlende Transparenz und Kommunikation. Weil nicht nur die Fans, sondern auch die Club-Bosse diesen ersten Vorstoß der DFL bemängelten, scheiterte dieser zu guter Letzt.

    Fragwürdige zweite Abstimmung

    Der zweite Anlauf sollte nicht lange auf sich warten lassen. Bereits Anfang November 2023 kursierten die ersten Gerüchte über ein erneutes Votum. Das Fanszenen-Bündnis äußerte sich schon damals gemeinschaftlich mit den Worten DFL & Investoren: Wir haben euch im Blick!” Mit ihren Befürchtungen sollten sie Recht behalten: Am 11. Dezember 2023 folgte die Wiederholung der Abstimmung. Denkbar knapp erreichten die Befürworter der Verhandlungen exakt die benötigte Stimmenanzahl. Zünglein an der Waage war hierbei Martin Kind von Hannover 96, der entgegen der Weisung seines Vereins r den Investoren-Einstieg stimmte und somit die „50+1-Regel” missachtete. Diese Regel besagt, die Mehrheit der Stimmanteile von einer ausgegliederten Profiabteilung eines Vereins immer in den Händen des von Mitgliedern bestimmten Stammvereins liegen muss. 

    Kreative Proteste

    In der Folge arbeiteten die Fan-Szenen auf mehreren Ebenen gegen die Möglichkeit des Investoreneinstiegs. Am öffentlichkeitswirksamsten waren die Proteste in den Stadien. Angefangen von Spruchbändern über Stimmungsboykotte wurde nach kurzer Zeit zu radikaleren Mitteln gegriffen: Mit Hilfe verschiedenster Methoden wurden Spielunterbrechungen herbeigeführt, um die Aufmerksamkeit auf die Kritikpunkte zu lenken. Waren geworfene Tennisbälle und Goldtaler an den meisten Standorten die am einfachsten umzusetzenden Varianten, gingen die Ultras bald zu einfallsreicheren Formen über. Von ferngesteuerten Autos oder Flugzeugen bis hin zu Fahrradschlössern an Torpfosten waren der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Stets friedlich, aber trotzdem bestimmt und mit sachlich guten Argumenten wurde die Öffentlichkeit immer mehr auf die Seite der Fan-Szene gezogen. Dazu trauten sich die sonst so medienscheuen aktiven Fans auch aus ihrem Kokon und traten in Talkshows wie Doppelpass” oder Hart aber Fair” auf.

    Die dadurch erlangte öffentliche Stimmungshoheit gegenüber den Verantwortlichen der DFL, gepaart mit einer gezielten Kritik an den potenziellen Investoren, führte dazu, dass sich ein Interessent nach dem anderen vom Deal entfernte und sich das DFL-Präsidium zum Rückzug genötigt sah.

    Eine Chance für weiterempfe

    Der gescheiterte Millionendeal zugunsten der Fans ist nicht nur eine große Errungenschaft, sondern vor allem eine Ausnahmeerscheinung in einer kapitalistischen Welt.

    r bedeutende Themen lohnt es sich, Grabenkämpfe beiseite zu legen, um im größeren gemeinsamen Interesse zu handeln, wie hier beim Fanszenen-Bündnis. Auch Personen, die normalerweise gänzlich konträre Standpunkte vertreten, können je nach Herangehensweise für einzelne Themen auf eine Seite gezogen werden. Dafür muss geduldige Aufklärungsarbeit geleistet werden, sowohl im direkten Gespräch, als auch durch eine beständige Öffentlichkeitsarbeit. Seriosität statt Krawall war bei den DFL-Protesten das Stichwort immer mit der Gewissheit im Hinterkopf, dass bei einem Scheitern der Proteste noch einige weitere Eskalationsstufen gezündet werden können. Diese werden ohnehin in Zukunft benötigt, denn die erfolgreichen Proteste waren nur ein Etappensieg im Kampf gegen das Kapital.

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