Faschisten führten jahrelang bewaffnete „Wehrsportübungen“ im Thüringer Wald durch.

Das Landeskriminalamt Thüringen (LKA) führte heute Morgen ab 4:00 Uhr zahlreiche Hausdurchsuchungen im Rahmen eines Ermittlungsverfahrens wegen des „Verdachts der Bildung einer kriminellen Vereinigung“ an verschiedenen Orten in Thüringen und Niedersachsen durch. Bei den insgesamt vierzehn durchsuchten Objekten handelt es sich nach Angaben des LKA überwiegend um Wohnräume der Verdächtigen. Die Wohnungen befinden sich im Raum Erfurt, in Göttingen und Südthüringen.

Das zugrunde liegende Ermittlungsverfahren richtet sich gegen dreizehn Beschuldigte, denen unter anderem vorgeworfen wird, bewaffnete „Lagerfahrten“ und „Wehrsportübungen“ im südthüringer Raum zu veranstalten oder an diesen teilzunehmen. Einige der Beschuldigten sollen zudem Mitglieder einer international agierenden, rechtsextremen Bewegung sein, die sich zum Ziel gesetzt hat, die Staats- und Gesellschaftsordnung Deutschlands und anderer europäischer Staaten abzuschaffen. Dabei soll es sich um das europäische Netzwerk bekannter Holocaust-Leugner, die „Europäische Aktion“, handeln.

Laut Informationen des MDR wurde die Gruppe seit Monaten durch das LKA überwacht, ihre Telefone sollen abgehört und Verdächtige wochenlang observiert worden sein. Bei dem durch die Anti-Terror-Einheit der Bundespolizei „GSG 9“ und weiter Spezialeinheiten des Bundes durchgeführten Durchsuchungen wurden zwei Polizeibeamte durch den Widerstand eines Mannes verletzt. Er wurde, ebenso wie ein weiterer Verdächtiger, gegen den ein Haftbefehl vorlag, festgenommen. Bei mindestens einem Beschuldigten sollen mehrere Kurz- und Langwaffen, Munition, sowie Waffenteile entdeckt worden sein.

Die thüringische Landtagsabgeordnete Katharina König-Preuss (Linke) machte bereits im März 2015 darauf aufmerksam, dass Mitglieder der „Europäischen Aktion“ Wehrsportübungen und Waffentraining veranstalteten. Zudem sollen bereits in diesem Zeitraum „Aufklärungsaufgaben, Abseilübungen, Bergwerksbegehungen und Waldlager“ im Raum Weimar zu Trainingszwecken stattgefunden haben. Damals interessierten sich die Behörden jedoch scheinbar nicht für den Fall.