Immer mehr Pflegekräfte fliehen vor den Arbeitsbedingungen der Krankenhäuser aus Festanstellungen in Leiharbeitsverhältnisse.

Laut NDR 1 und „Hallo Niedersachsen“ zieht es immer mehr Krankenpflegekräfte raus aus den Festanstellungen im Krankenhaus, hinein in die Leiharbeitsfirmen. Die Arbeitsbedingungen würden sich bei fast gleich bleibendem Gehalt wesentlich verbessern.

Bei einem Interview mit einem ehemaligen Krankenpfleger der „Medizinischen Hochschule Hannover“ (MHH), der größten Klinik in Niedersachsen, erzählte dieser, dass er jetzt nur noch einmal im Monat am Wochenende arbeiten müsse und gar keinen Nachtdienst mehr habe. Auch müsse er nicht mehr kurzfristig für KollegInnen einspringen.

Ein Gespräch des Radiosenders mit dem Geschäftsführer der Personaldienstleistungs- und Leiharbeitsfirma „Pluss“, Thomas Pietruschinski, zeigen, dass die Vermittlungen von LeiharbeiterInnen auf dem Gebiet der medizinischen Fachkräfte um jährlich 15 Prozent steigen. 80 Prozent der BewerberInnen hätten zuvor festangestellt in einem Krankenhaus gearbeitet. Noch ist die Leiharbeit in der Pflege jedoch eine Ausnahme. Im Jahr 2015 waren es in der MHH bei einer Belegschaft von 2137 Pflegefachkräften noch 30 LeiharbeiterInnen, letztes Jahr waren es schon doppelt so viele, und in den ersten drei Monaten diesen Jahres waren es bereits 47.

Die hohe Arbeitsbelastung, die ständigen Dienstwechsel, das kurzfristige Einspringen und die schlechten Arbeitsbedingungen treiben die Pflegekräfte aus den Krankenhäusern zu privaten Firmen. Nach einer Studie der Gewerkschaft „ver.di“ fehlen 162.000 Stellen in den mehr als 200 Krankenhäusern Deutschlands, davon 70.000 allein im Bereich der Krankenpflege. Aufgrund von Kontrollen der Gewerbeaufsichtsämter wurden im letzten Jahr 19 Krankenhäuser in Niedersachsen begutachtet, wobei es zu 150 entdeckten Verstößen gegen das Arbeitszeitgesetz gekommen ist. Betriebsräte vermuten, dass die Dunkelziffer dabei wesentlich höher ist.